Lexikon der Biologie





Bombardierkäfer



Funktion der Pygidialdrüsen

(schematisch, R = H, CH3):

Im Hinterleib der Tiere liegen zwei nierenförmige, kompliziert gebaute Pygidialdrüsen; sie münden in eine Sammelblase (Reservoir), die zu der anschließenden Explosionskammer mit Muskeln verschließbar ist. Die Drüsenzellen produzieren ein Sekretgemisch aus 23% Wasserstoffperoxid und Hydrochinon bzw. Toluhydrochinon. Die Wand der Explosionskammer ist ihrerseits mit kugeligen Gruppen einzelliger Enzymdrüsen besetzt, die eine Katalase und Peroxidase abgeben. Bei einer Reizung des Käfers wird der Verschluß der Sammelblase geöffnet. Das Sekretgemisch tritt in die Explosionskammer, wo es unter Einwirkung der Katalase zu einer blitzartigen Zersetzung des Wasserstoffperoxids in Wasser und Sauerstoff kommt. Die Peroxidase oxidiert die Hydrochinone zu gelben bis violetten Benzo- und Toluchinonen, die unter hohem Gasdruck explosionsartig ausgeschleudert werden. Dabei entstehen Temperaturen von ca. 100 °C.

Nach neueren Forschungsergebnissen (1999) können Bombardierkäfer mit ihrer hochwirksamen Waffe sehr präzise umgehen. Wenn es die Situation erfordert, können sie sogar "um die Ecke schießen". Dafür haben sie zwei scheibenförmige Reflektoren an jeder Seite der Spritzdüse, mit denen sie ihr "Spray" so umlenken können, daß es auch zu schwer erreichbaren Stellen gelangt, wie z. B. auf den eigenen Kopf.

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