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Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen: Achillea-Arten

Achillea-Arten

Fam.: Asteraceae (Compositae).

Achillea erba-rotta All. ssp. moschata (Wulf) I.B.K. Rich. (syn. Achillea moschata, A. genipi, A. livia, Ptarmica moschata); Moschusschafgarbe (syn. Bisamgarbe, Bisamschafgarbe).
Vork.: Europäische Hochgebirge, bes. Silikatalpen.
Drogen: 1. Herba Ivae moschatae (syn. Herba Achilleae moschatae, Herba Genippi veri, Ivae moschatae herba); Moschusschafgarbenkraut (syn. Bisamkraut, Genippkraut). Inh.: äther. Öl (0,3-0,6 %, u.a. Cineol und L-Campher enthaltend) sowie Bitterstoffe, u.a. Achillin. Anw.: Amarum aromaticum. Das äther. Öl (Oleum Ivae moschatae, Ivaöl) dient ferner in der Likörindustrie zur Herstellung des Ivalikörs. 2. Flores Achilleae moschatae (syn. Flores Ivae moschatae); Ivablüten (syn. Moschusblüten). Inhaltsstoffe und Anwendung s. Herba Ivae moschatae.

Achillea millefolium L. (syn. Achillea asplenifolia, A. collina, A. distans, A. sudetica, A. pannonica, A. roseo-alba, A. setacea); Gemeine Schafgarbe (syn. Achilleskraut, Bauchwehkraut, Bertramsgarbe, Blutstillkraut, Gachelkraut, Gänsezungen, Grützblume, Kachel, Katzenschwanz, Schafrippe, Schafzunge, Tausendblatt, Zangeblume, Feldgarbenkraut, Garbenkraut, Katzenkraut, Grundheil), vgl. Abbildung. Sammelart, die morphologische, cytogenetische und chemische Unterschiede aufweist und deren Sippen von den jeweiligen Bearbeitern als Varietäten, Unterarten oder Kleinarten beschrieben werden. Sie sind meist diploid, z.T. aber auch tetraploid, hexaploid oder octaploid.
Drogen: 1. Millefolii herba (syn. Herba Millefolii); Schafgarbenkraut, die zur Blütezeit gesammelten und getrockneten Triebspitzen der Pflanze. Inh.: äther. Öl (0,2-1,0 %) mit im allg. 6-19 % Azulen (Ausnahmen bilden die meist tetraploiden, azulenfreien Sippen) sowie monoterpenoiden Bestandteilen, u.a. 1,8-Cineol, Sabinen, Campher, Linalool, mitunter auch Ascaridol. In Abhängigkeit von Herkunft und Taxon variiert die Zusammensetzung erheblich, so daß auch Sesquiterpene vorherrschen können, u.a. Germacren D und β-Caryophyllen. Weitere terpenoide Verbindungen sind Sesquiterpenlactone, v.a. Guajanolide sowie Germacranolide, u.a. Achillifolin, und Eudesmanolide, u.a. Dihydroreynosin. Zu den mehr als 30 identifizierten Verbindungen gehören die Proazulene 7(12),6-Lactone Achillicin (8α-Angeloyloxy- und 8α-Tigloyloxy-Verbindungen) sowie Rupicolin A und B, ferner das 7(12),8-Lacton 4α-Hydroxy-6α-angelicoyloxy-9α-acetoxyguai-1(20),2-dienolid und sein 6α-Tigloyloxy-Analoges. Als nicht azulenogene Guajanolide kommen Achillin und Leucodin (Desacetoxymatricarin) vor. Weitere Guajanolide besitzen 1,4-Endoperoxidstruktur, u.a. α-Peroxyachifolid (0,25-0,60 % in den Blüten von A. millefolium) oder 3-Oxa-achillicin (8-Acetylegeloid) und 8α-Angelicoyl-3-oxa-artabsin, die eine 3-Oxa-Struktur aufweisen. Sesquiterpenoide mit antitumoralen Eigenschaften sind die Achimillsäuremethylester A, B und C. Neben den terpenoiden Verbindungen enthält die Droge ein breites Flavonoidspektrum mit Flavon-7-O-Glucosiden und 7-O-Malonylglykosiden des Apigenins und des Luteolins. Weitere Flavonoide sind Flavonolglykoside (u.a. Rutin), C-Glykosylflavone (u.a. Vitexin, Schaftosid und Orientin, einschließlich ihrer Isoverbindungen) sowie methylierte und methoxylierte Flavonoidaglyka (u.a. Casticin). Bestandteile der Droge sind ferner Cumarine, Phenolcarbonsäuren, Betaine und die Polyine Ponticaepoxid sowie cis- und trans-Matricariaester. Anw.: Zubereitungen der Droge zeichnen sich insbes. durch entzündungshemmende (antiphlogistische) und krampflösende (spasmolytische) Wirkungen aus. Für die antiphlogistischen Eigenschaften kommt den terpenoiden Stoffen bes. Bedeutung zu, während für die spasmolytischen Effekte v.a. die Flavonoide verantwortlich sind. Die Indikationen entsprechen weitgehend denen der Kamille, d.h. die Hauptanwendungsgebiete sind Magen- und Darmbeschwerden, Appetitlosigkeit sowie Förderung der Gallensekretion. Äußerlich werden Auszüge der Droge in Form von Spülungen, Umschlägen und Bädern bei entzündlichen Haut- und Schleimhauterkrankungen sowie als Wundheilmittel genutzt. Die Droge ist Bestandteil von Teepräparaten (Magen-Darm- und Leber-Gallentee) sowie von zahlreichen Phytopharmaka. Zur Teezubereitung verwendet man als Einzelgabe etwa 2 g bzw. als Tagesdosis etwa 4,5 g fein geschnittenes Schafgarbenkraut. Geg.: allgem. Überempfindlichkeiten gegenüber Korbblütlern. 2. Millefolii flos (syn. Flores Millefolii); Inh. und Anw. entsprechen Millefolii herba.
Hom.: 1. Achillea millefolium ferm 33d. 2. Achillea millefolium, das frische, blühende Kraut. Anw.-Geb.: u.a. bei Blutungen und Krampfadern. 3. Achillea millefolium spag. Zimpel, das frische blühende Kraut der ganzen Pflanze.
Histor.: Der Gattungsname Achillea geht auf Achilles, den sagenhaften Helden des trojanischen Krieges, zurück, der die Pflanze als Droge entdeckt und zur Wundheilung verwendet haben soll, während der Artname millefolium die vielen fein zerteilten Blätter zum Ausdruck bringt. Seit Dioskurides ist die Anwendung von Achillea, dem "Soldatenkraut mit den vielen Blättern", zur Wundheilung dokumentiert. Die deutsche Bezeichnung Schafgarbe weist darauf hin, daß die Pflanze gern von Schafen gefressen wird.



Achillea millefolium, Gemeine Schafgarbe

Achillea ptarmica (syn. Ptarmica vulgaris); Wiesenbertram.
Vork.: Europa.
Drogen: Herba Herba Ptarmacia und Rhizoma Ptarmicae. Inh.: äther. Öl und phenolische Verbindungen, u.a. Gerbstoffe. Anw.: als Tonikum und Adstringens in der Volksheilkunde.

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