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Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen: Acorus calamus

Acorus calamus L.
(syn. A. aromaticus, A. asiaticus, A. benageri, A. casia, A. griffithii, A. commersonii, A. commutatus, A. odoratus, A. spurius, A. terrestris, A. triqueter, A. vernus, A. vulgans, A. vulagis, Calamus aromaticus, Oronthium cochinchinensis); Kalmus (syn. Chalmis, Dt. Ingwer, Dt. Zitwer, Echter Kalmus, Gewürzkalmus, Karmswuttel, Kolmas, Magenwurz, Schwanenbrot, Sigge), vgl. Abbildung.
Fam.: Araceae.
Vork.: gemäßigte Klimazone der nördlichen Hemisphäre.
Drogen: 1. Calami aetheroleum (syn. Oleum Calami) Kalmusöl. Inh.: s. Calami rhizoma. Anw.: Zur Mundhygiene wird Kalmusöl Mund- und Gurgelwässern zugesetzt. In der Likörindustrie wird die Droge zur Aromatisierung und als Stomachikum verwendet. 2. Calami rhizoma (syn. Rhizoma Calami, Rhizoma Acori); Kalmuswurzelstock. Inh.: äther. Öl (bis zu 7 %) komplexer Zusammensetzung mit Phenylpropanderivaten, bes. β-Asaron und Terpenen, u.a. β-Farnesen, Geranylacetat, Isoeugenolmethylether, Acoragermacron und Acoron sowie außerdem Acorin, ein bitteres Glykosid, Cholin, Methylamine, Gerbstoffe, Stärke, Zucker und Schleimstoffe. Anw.: Die Droge wird in Form von Extrakten innerlich als Stomachikum (Amarum aromaticum) bei Appetitlosigkeit, Verdauungsbeschwerden, Flatulenz, aber auch bei rheumatischen Erkrankungen sowie bei Husten eingesetzt. Da die langzeitliche Anwendung von Kalmusöl im Tierversuch Tumore induzieren kann, gilt β-Asaron als carcinogen und chromosomenschädigend. Nur Drogen mit einem β-Asaron-Gehalt von <0,5 % dürfen zum Einsatz kommen. Der Dauergebrauch der Droge ist nicht zu empfehlen, das gilt auch für Magenliköre, die Kalmusextrakte enthalten. Zur Teezubereitung werden etwa 1,5 g der fein geschnittenen oder grob gepulverten Droge verwendet. Äußerlich angewendet dient Kalmuswurzelstock als Badedroge zur Hautreiztherapie bei Arthritis und Neuralgien sowie zur Verbesserung der Durchblutung. Die Kri-Indianer im Nordwesten Kanadas kauen den Wurzelstock um halluzinogene, LSD-ähnliche Rauschzustände zu erzeugen. Die Wirkung soll auf strukturellen Gemeinsamkeiten von β-Asaron mit Mescalin beruhen.
Hom.: Acorus calamus HAB1; Anw.-Geb.: bei Magen-Darm-Erkrankungen.
Histor.: Im Orient wurde Kalmus bereits im Altertum (Erwähnung in der Bibel: 2. Mose 30,23) als Gewürz und Heilmittel geschätzt. Nach Europa kam er erst im 16. Jh. aus Südindien über Rußland und Siebenbürgen, wohin ihn die Tataren mitgebracht hatten.



Acorus calamus, Kalmus

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