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Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen: Ammi visnaga

Ammi visnaga (L.) Lam.
(syn. Daucus visnaga, Apium visnaga, Visnaga daucoides, Sium visnaga, Selinum visnaga, Visnaga vera, Ammi dilatum); Bischofskraut (syn. Zahnstocherkraut, Khellakraut, Zahnstocherammei).
Fam.: Apiaceae (Umbelliferae).
Vork.: Mittelmeergebiete, bes. Ägypten (Nildelta).
Droge: Ammeos visnagae fructus (syn. Fructus Ammi visnagae); Ammi-visnaga-Früchte (syn. Khellafrüchte, Ammeifrüchte), die getrockneten Früchte. Inh.: Furanochromone (1-1,6 %), u.a. Khellin vgl. Formel und Khellol; Pyranocumarine (0,2-0,5 %) u.a. Visnadin, Samidin und Dihydrosamidin vgl. Formel sowie Flavonoide und geringe Mengen äther. Öl. Wirk.: Auszüge der Droge wirken spasmolytisch, insbes. im Bereich der Bronchialmuskulatur, der Koronargefäße und im Urogenitaltrakt. Von den Pyranocumarinen wirkt bes. das Visnadin dilatorisch auf die Koronargefäße ohne das periphere System zu beeinflussen. Es zeigt außerdem einen positiv inotropen Effekt. Anw.: Auszüge der Droge kommen vereinzelt in Kombinationspräparaten zur Behandlung leichter Stenocardien und von Asthma bronchiale zur Anwendung. Visnadin wird mitunter in Reinsubstanz gegen Angina pectoris bei Koronarinsuffizienz sowie zur Vorbeugung, Behandlung und Nachbehandlung des Herzinfarkts eingesetzt.
Hom.: Ammi visnaga HAB1, die reifen, getrockneten Früchte. Anw.-Geb.: Koliken und Krämpfe der glatten Muskulatur, Durchblutungsstörungen des Herzmuskels, Netzhautreizung bei grünem Star.
Histor.: Die Droge fand bereits im alten Ägypten als krampflösendes Mittel Anwendung. Das in der Mitte des 20. Jh. als Mittel gegen Angina pectoris eingesetzte Khellin hat inzwischen wegen beobachteter Nebenwirkungen, wie Übelkeit, Appetitlosigkeit und Diarrhoe, keine therapeutische Bedeutung mehr. Der Name Ammi stammt aus dem Griechischen (ammos = Sand) und wurde offenbar von Dioskurides wegen des Standortes der Pflanze gewählt. Von den doppelt spitzen Doldenstrahlen leitet sich die deutsche Bezeichnung Zahnstocherkraut ab.

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