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Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen: Angelica archangelica

Angelica archangelica L.
(syn. Angelica major, A. officinalis, A. sativa, Selinum archangelica); Engelwurz (syn. Angelik, Engelbrustwurz, Erzengelwurz, Erzengelwurzel, Gartenangelik, Giftwürze, Heiligenbitter, Heiliggeistwurzel, Heiligengeistwurzel, Theriakwurzel), vgl. Abbildung. Zwei- bis vierjährige, nach einmaligem Blühen und Fruchten absterbende Pflanze.
Fam.: Apiaceae (Umbelliferae).
Vork.: nördliche Gebiete Europas und Asiens, Kulturen in Mitteleuropa und Skandinavien.
Drogen: 1. Angelicae folium (syn. Folium Angelicae); Angelikablätter, die getrockneten Blätter. Inh.: äther. Öl, ca. 0,1 % mit β-Phellandren (33,8 %), α-Pinen (27 %) und β-Pinen (23,9 %) als Hauptkomponenten; außerdem Furanocumarine, u.a. Angelicin vgl. Formel, Bergapten, Imperatorin und Oxypseudanin, jedoch kein Osthol. Anw.: volkstümlich bei Verdauungsschwäche sowie Brustfellentzündung in Form von Kompressen mit den Blättern. Zur Teezubereitung werden als Tagesdosis im allgemeinen etwa 4,5 g Droge empfohlen. 2. Angelicae fructus (syn. Fructus Angelicae, Semen Angelicae); Angelikafrüchte (syn. Angelikasamen, Engelwurzsamen), die getrockneten Früchte. Inh.: äther. Öl (ca. 1,5 %, s. Angelica-archangelica-Fruchtöl), Cumarine und Furanocumarine, u.a. Angelicin, Apterin, Bergapten und Xanthotoxin. Anw.: volkstümlich bei Verdauungsstörungen, Nieren- und rheumatischen Beschwerden. Industrielle Nutzung zur Gewinnung des äther. Öls, das u.a. in der Likörindustrie (z.B. Benediktiner) genutzt wird. 3. Angelica-archangelica-Fruchtöl (syn. Oleum Angelicae fructus); Angelicasamenöl, das durch Wasserdampfdestillation aus den frischen Früchten gewonnene ätherische Öl. Inh.: terpenoide Verbindungen, u.a. α-Pinen (11,4 %) und β-Phellandren sowie β-Caryophyllen als Hauptkomponenten. Außerdem Cumarinderivate. Anw.: früher mißbräuchlich als Abortivum, heutzutage in der Kosmetik als Duftstoff sowie in der Genußmittelindustrie (Benediktiner, Chartreuse und Gin). 4. Angelicae herba (syn. Herba Angelicae); Angelikakraut (syn. Engelwurzelkraut), die oberirdischen Teile der Pflanze. Inh.: äther. Öl (0,015-0,1 %) mit Myrcen, α-Phellandren und α-Pinen als Hauptkomponenten. Außerdem Cumarine und Furanocumarine, u.a. Osthol, Osthenol, Umbelliferon und Angelicin. Anw.: volkstümlich als harntreibendes Mittel. 5. Angelicae radix (syn. Radix Angelicae, Radix Angelica sativae, Radix Syriaca); Angelikawurzel (syn. Brustwurz, Engelwurz, Gartenangelika, Heiligenbitter, Theriakwurzel, Waldbrustwurz), die unterirdischen, ganzen, unterhalb 40 oC getrockneten Teile der Pflanze. Inh.: äther. Öl (0,35-1 %, überwiegend aus Monoterpenen, kleinen Mengen an Sesquiterpenen sowie den geruchsbestimmenden makrocyclischen Lactonen bestehend, s. Oleum Angelicae), ferner umfangreiches Spektrum an Cumarinen, z.B. Osthenol, Furanocumarinen, u.a. Angelicin und Heraclenol und Dihydrofuranocumarinen, u.a. Archangelicin vgl. Formel, Archangelin vgl. Formel. Weitere Bestandteile sind Pflanzensäuren, u.a. Angelica- und Fumarsäure, die Phenolcarbonsäuren Chlorogensäure und Kaffesäure sowie Harze und Flavanone. Anw.: bei Appetitlosigkeit, als Carminativum bei Völlegefühl, Blähungen und leichten krampfartigen Magen-Darm-Beschwerden (z.B. unzureichender Magensaftsekretion). Die Droge und daraus hergestellte Extrakte sind Bestandteil zahlreicher Fertigarzneimittel. 6. Oleum Angelicae (syn. Angelicae aetheroleum); Angelikaöl, das aus den Wurzeln durch Wasserdampfdestillation gewonnene ätherische Öl. Inh.: Die getrocknete Wurzel enthält 0,35-1 % äther. Öl, bestehend aus ca. 80-90 % Terpenen mit β-Phellandren (13-28 %), α-Phelladren (2-14 %) und α-Pinen (14-31 %) als Hauptkomponenten. Weitere Bestandteile: u.a. Camphen, Δ-Caren, 1,8-Cineol, Limonen sowie kleine Anteile an Sesquiterpenen, z.B Humulen und β-Caryophyllen, ferner makrocyclische Lactone, die den typischen Geruch des Öles bilden, u.a. 15-Oxopentadecenlacton. Anw.: in der Kosmetik als Duftstoff, Zusatz zu Mundwässern sowie zur Likörbereitung.
Hom.:1. Angelica archangelica, äthanol. Decoctum. HAB1 (syn. Archangelica äthanol. Decoctum HAB1), die frische Wurzel. 2. Angelica archangelica var. archangelica spag. Zimpel HAB1 (syn. Angelica archangelica spag. Zimpel), die ganze, frische, blühende Pflanze. Anw.-Geb.: in der anthroposophischen Therapie.
Histor.: Griechen und Römer kannten die Engelwurz nicht, da sie aus dem Norden (Skandinavien, Island, Grönland) nach Mitteleuropa gelangte. In Nordeuropa wurde die Pflanze seit dem 12. Jh. als Gemüse gegessen. Die Kräuterbücher des 16. Jh. weisen auf ihren Einsatz gegen die Pest hin, indem z.B. das Riechen an einer mit Essig getränkten Wurzel vor dieser Erkrankung schützen sollte. Auch gegen Zauberei und böse Geister wurde die Pflanze (Heiligengeistwurzel) eingesetzt. Der Gattungsname "Angelica" ist lateinischen (angelus = Engel) bzw. griechischen (angelos = Engel) Ursprungs. Nach der Sage soll die heilkräftige Pflanze den Menschen von einem Engel gezeigt worden sein. Auch der Artname "archangelica" ist danach geprägt.



Angelica archangelica, Engelwurz







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