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Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen: Artemisia cina

Artemisia cina O.C. Berg et C.F. Schmidt
(syn. Artemisia mogoltavica); Wurmsamen (syn. Zitwerbeifuß, Zitwersamen). Immergrüner, ausdauernder Halbstrauch von 30-60 cm Höhe.
Fam.: Asteraceae (Compositae).
Vork.: Mittelasien, bes. Kasachstan.
Droge: Cinae flos (syn. Flores Cinae, Cinae anthodia, Santonici semen); Zitwerblüten, fälschlich als Zitwersamen oder Wurmsamen bezeichnet; die geschlossenen, noch nicht aufgeblühten Blütenknospen. Inh.: Sesquiterpenlactone mit α-Santonin vgl. Formel als Hauptkomponente sowie Artemisin und β-Santonin. Der Gehalt an Sesquiterpenlactonen schwankt zwischen 1 und 7 %. Weitere Bestandteile sind äther. Öl mit 1,8-Cineol als vorherrschender Komponente. Anw.: früher als Anthelmintikum gegen Spulwürmer (Dosierung altersentsprechend 0,5-4 g; 2 Tage nacheinander, danach ein salinisches Abführmittel). Die Nachteile der Anwendung bestanden auch darin, daß bereits in therapeutischen Dosen Intoxikationen nicht auszuschließen waren. Erste Symptome waren hierbei Anomalien der Farbwahrnehmung (Gelbsehen, sog. Xanthopsie). Werden größere Mengen an Santonin absorbiert kommt es zu Muskelzittern und Krämpfen, verbunden mit starker Erniedrigung der Körpertemperatur. Bei fortschreitender Vergiftung ist selbst die Lähmung des Atmungszentrums und somit der Exitus nicht auszuschließen.
Hom.: Artemisia cina HAB34, die getrockneten, kurz vor dem Aufblühen gesammelten Blütenköpfe. Anw.-Geb.: u.a. Fieberanfälle, Wurmbeschwerden, Krampfneigung.
Histor.: Zum Gattungsnamen siehe Artemisia vulgaris. Die Herkunft des Namens cina wird verschieden interpretiert. Da man die ursprüngliche Heimat der Pflanze für China hielt, könnte hier ein Zusammenhang bestehen. Während die deutsche Bezeichnung Wurmsamen auf die wurmtreibenden Eigenschaften der Samen hinweist, wird Zitwer mit Zedoaria wegen der Ähnlichkeit in Geruch und Geschmack mit dieser Pflanze in Verbindung gebracht. Valerus Cordus nannte die Droge Semen contra vermes und kürzte sie mit Semen contra ab. Obwohl die griechischen und römischen Ärzte der Antike wurmtreibende Eigenschaften von Artemisia-Arten nutzten, handelte es sich dabei nicht um A. cina, die erst etwa im 12. Jh. in den europäischen Drogenhandel gelangte.



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