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Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen: Chamomilla recutita

Chamomilla recutita (L.) Rauschert
(syn. Chamomilla meridionalis, C. vulgaris, Chrysanthemum suaveolens, Matricaria chamomilla, M. coronata, M. pusilla, M. recutita, M. suaveolens); Echte Kamille (syn. Deutsche Kamille, Feldkamille, Hermel, Kamille, Kleine Kamille, Mägdeblume), vgl. Abbildung.
Fam.: Asteraceae (Compositae).
Herk.: überwiegend aus Anbau, Haupterzeugerländer bes. Argentinien, Spanien, Ungarn, Tschechien.
Drogen: 1. Matricariae flos (syn. Chamomilla, Chamomillae anthodium, Chamomillae flos, Flores Chamomillae, Flores Chamomillae bulgari, Flos Chamomillae, Flos Chamomillae vulgaris, Matricaria); Kamillenblüten, getrocknete, ganze bzw. teilweise oder vollständig zerfallene Blütenkörbchen und Teile der Blütenstiele. Inh.: äther. Öl (0,3-1,5 %), bestehend aus dem Sesquiterpenalkohol (-)-α-Bisabolol (INN: Levomenol) mit den Oxidationsprodukten Bisabololoxid A, B und Bisabolonoxid (ca 33 %), β-Farnesen (bis 45 %), Polyinen, den sog. En-in-dicycloethern (bis. 25 %) vgl. Formel sowie das nach Wasserdampfdestillation aus dem genuinen Matricin vgl. Formel gebildete Chamazulen (bis 15 %). Weitere Bestandteile der Droge sind Flavonoide, bes. Apigenin- und Luteolin-7-O-glucosid, Cumarine, u.a. Herniarin und Umbelliferon, sowie Schleimstoffe (ca. 10 %). Wirk.: insbes. antiphlogistisch und spasmolytisch. Anw.: innerlich bei entzündlichen Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes mit spastischen Beschwerden, bei Leber-und Galleerkrankungen sowie äußerlich bei Haut- und Schleimhautentzündungen, für Bäder im Anal- und Genitalbereich, für Spülungen sowie Dampfbäder bei Erkältungen. Bestandteil zahlreicher Teekombinationen und Arzneifertigpräparate, bes. auch in der Kinderheilkunde. Zur Teezubereitung verwendet man einen gehäuften Eßlöffel (ca. 3γ) als Einzeldosis. 2. Matricariae aetheroleum (syn. Aetheroleum Chamomillae, Matricariae oleum, Oleum Chamomillae); Kamillenöl (syn. Ätherisches Kamillenöl), das äther. Öl aus den Blütenköpfchen. Inh. und Anw.: analog wie Matricariae flos sowie für kosmetische Pflegemittel.
Hom.: Chamomilla recutita HAB1, die frische, ganze, blühende Pflanze. Anw-Geb.: Erkrankungen der Atemwege, Entzündungen und krampfartige Beschwerden der Verdauungsorgane, Dysmenorrhoe sowie reizbare Verstimmungszustände.
Histor.: Für die Pflanze existieren zwei unterschiedliche Gattungsnamen. Chamomilla ist aus dem griechischen chamaimelon, das aus chamai (niedrig) und melon (Apfel) geprägt wurde, auf Grund des apfelartigen Geruchs der runden Blütenköpfchen hervorgegangen. Der Gattungsname Matricaria ist vom latainischen mater (Mutter) abgeleitet und bringt die Anwendung bei Erkrankungen im Wochenbett zum Ausdruck. Als Heilmittel fand die Kamille sowohl bei den Ärzten der Antike als auch im Mittelalter und der Gegenwart hohe Wertschätzung. Die nordischen Völker verglichen die Kamille ihrer gelben Blütenscheibe wegen mit dem Sonnengott Baldur und sahen sie als heilig an.



Chamomilla recutita, Echte Kamille





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