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Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen: Datura-Arten

Datura-Arten

Fam.: Solanaceae.

Datura arborea L. (syn. Brugmansia arborea. Brugmansia candida); Großer Stechapfel.
Vork.: Südamerika, Indien, USA.
Inh.: Alkaloide (0,2-0,4 %, v.a. Hyoscyamin, Scopolamin, Atropin, Tropin, Pseudotropin), Scopoletin. Anw.: in der Volksheilkunde Brasiliens wird das Kraut zu Kataplasmen verwendet, die Eingeborenen in Südamerika bereiten aus der Droge den berauschenden "Tonga"-Trank.
Hom.: Datura arborea HAB34, die frischen Blüten. Anw.-Geb.: Kopfschmerzen.

Datura innoxia Mill (syn. Datura guayaquilensis, D. meteloides).
Vork.: Mexiko, Westindien, Südamerika.
Droge: Daturae innoxiae herba, die getrockneten, Blätter und Blüten tragenden Zweigspitzen. Inh.: Alkaloide (0,05-0,5 %, v.a. Scopolamin, Hyoscyamin, Tyramin, Meteloidin). Anw.: in der asiatischen, südamerikanischen und nordafrikanischen Volksheilkunde bei medizinischen Eingriffen (Narkose) verwendet, bei Husten, Asthma, Schmerzen, Rheuma und psychischen Erkrankungen sowie als Bestandteil von Rauschmitteln für kultische Handlungen.

Datura metel L. (syn. Datura alba, D. hummatu, D. nilhummatu, Stramonium fastuosa); Dutra.
Vork.: weltweit in tropischen und subtropischen Gebieten, v.a. in Afrika und Asien. Kultiviert u.a. in Indien, Südamerika und China.
Inh.: Alkaloide (ca. 0,5 %, u.a. Scopolamin, Hyoscyamin, Atropin, Datumetin, Meteloidin vgl. Formel ), Withanolide (u.a. Daturilin, Withametelin). Anw.: zur Isolierung von Scopolamin, in der Volksheilkunde als Narkotikum und Insektizid.
Hom.: Datura metel HAB34, die reifen Samen.



Datura stramonium L. (syn. Datura bernhardii, D. bertolonii, D. lurida, D. parviflora, D. spinosa, Stramonium foetidum, S. spinosum, S. vulgatum); Gemeiner Stechapfel (syn. Asthmakraut, Kratzkraut, Schwarzkümmel, Stachelnuß, Teufelsapfel, Weißer Stechapfel), vgl. Abbildung.
Vork.: weltweit verbreitet in gemäßigten und subtropischen Gebieten, kultiviert auf dem Balkan und in den USA.
Drogen: 1. Stramonii folium (syn. Folia Daturae, Folium Daturae stramonii, Folia Stramonii, Folium Stramonii, Herba Stramonii, Stramonii folia, Stramonii herba); Stramoniumblätter (syn. Stechapfelblätter, Stechapfelkraut, Stramonium), die getrockneten Blätter oder die getrockneten Blätter mit blühenden Zweigspitzen und gelegentlich Früchten. Die Droge ist stark giftig! Inh.: Alkaloide (0,1-0,65 %, v.a. Scopolamin, Hyoscyamin, daneben Apoatropin, Belladonnin, Nicotin, Cuskhygrin), Withanolide (u.a. Withastramonolid) vgl. Formel, Flavonoide (v.a. Bioside des Quercetins und Kämpferols), Cumarine (u.a. Umbelliferon, Scopolin, Scopoletin). Anw.: Aufgrund nicht ausreichend belegter Wirksamkeit und dem schwankenden Alkaloidgehalt wird die Anwendung der Droge heute abgelehnt. In der Veterinärmedizin werden Drogenzubereitungen bei Brechreiz verabreicht. In der traditionellen Heilkunde dient die Droge zur Behandlung von Asthma, Krampfhusten, Pertussis und bei inneren Erkrankungen mit vegetativer Verstimmung. Auch auf die Nutzung in rauscherzeugenden Zubereitungen sei hingewiesen. 2. Stramonii semen (syn. Semen Daturae, Semen Stramonii, Stramonium e seminibus); Stramoniumsamen (syn. Stechapfelsamen), die reifen Samen. Die Droge ist stark giftig! Inh.: Tropanalkaloide (0,4-0,6 %, v.a. Hyoscyamin, Scopolamin), β-Carbolinalkaloide (u.a. Fluorodaturatin), 4-Methylsterole, Lectine, fettes Öl (15-45 %), Proteine (12-25 %). Anw.: Aufgrund nicht ausreichend belegter Wirksamkeit und dem schwankenden Alkaloidgehalt wird die Anwendung der Droge heute abgelehnt. In der Volksheilkunde erfolgt die Anwendung in Analogie zu Stramonii folium.
Hom.: Datura stramonium HAB1, die frischen, oberirdischen Teile blühender Pflanzen. Anw.-Geb.: hochfieberhafte Infektionen, Krampfzustände, Entzündungen der Augen, psychische Erkrankungen, Schlafstörungen bei Kleinkindern.



Datura stramonium, Gemeiner Stechapfel



Histor.: Die Pflanze kam erst im 16. Jh. nach Europa und Deutschland, verbreitete sich dann aber rasch. In den mittelalterlichen Kräuterbüchern wird nur Datura metel abgebildet. Die medizinische Verwendung wurde erst seit ca. 1762 empfohlen, obwohl bereits früher Datura in sogenannten Hexentränken und Initiationsritualen verwendet wurde. In Mexiko spielt die Pflanze dagegen seit dem Altertum eine bedeutsame Rolle als Medizin. Die starken betäubenden Eigenschaften waren Ursache für die Nutzung in Drogenzubereitungen für kultische Handlungen und medizinische Eingriffe. Der Gattungsname Datura ist arabischen Ursprungs, während sich stramonium aus dem griechischen strychnon und manikon (Wahnsinn) zusammensetzt. Den deutschen Namen erhielt die Pflanze wegen ihrer stachligen Frucht. Besonders die Samen dienten früher nicht selten für Mord- und Selbstmordversuche. Mitunter benutzten Kriminelle Aufgüsse der Samen zur Betäubung ihrer Opfer.

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