Direkt zum Inhalt

Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen: Glycyrrhiza glabra

Glycyrrhiza glabra L.
(syn. Glycyrrhiza glandulifera, G. hirsuta, G. officinalis, G. pallida, G. violacea, Liquiritia officinalis, L. officinarum); Süßholz (syn. Deutsches Süßholz, Gemeines Süßholz, Lakritze, Lakritzen, Spanisches Süßholz), vgl. Abbildung.
Fam.: Fabaceae.
Vork.: in den Varietäten G. glabra var. glandulifera (Südosteuropa bis Westsibirien) und G. glabra var. typica (Südeuropa, Italien, Spanien).
Droge: Liquiritiae radix (syn. Glycyrrhizae radix, Radix Glycyrrhizae, Radix Liquiritiae); Süßholzwurzel (syn. Lakritzenwurzel, Russisches Süßholz, Spanisches Süßholz, Süßholz), die geschälten oder ungeschälten, getrockneten Wurzeln und Ausläufer; vgl. Abbildung. Inh.: Saponine mit Glycyrrhizin, dem Ammonium- bzw. Calciumsalz der Glycyrrhizinsäure (2-18 %) vgl. Formel. Außerdem Flavonoide und Isoflavonoide, u.a. Liquiritigenin und Liquiritin vgl. Formel, Chalkone, bes. Isoliquiritigenin und Isoliquiritin vgl. Formel, sowie Cumarine, u.a Herniarin und Umbelliferon sowie Phytosterole. Wirk.: Zubereitungen der Droge, oft in Form des wäßrigen Extraktes (Succus Liquiritiae) eingesetzt, besitzen expektorierende und antiphlogistische Effekte, sie wirken prophylaktisch gegen Ulkus, jedoch sind bei hoher Dosierung bzw. langer Anwendung mineralcorticoide Effekte zu erwarten, da Glycyrrhizin bzw. das Aglykon Glycyrrhetinsäure in den Corticosteroidmetabolismus eingreifen. Vermutlich erfolgt dabei eine Wechselwirkung mit den Steroidmetabolisierenden Enzymen δ-5-β-Reductase und 11-Hydroxy-Steroidhydrogenase. Als Folge kann ein Pseudo-Hyperaldosteronismus eintreten. Anw.: Katarrhe der oberen Luftwege, bei Gastritis, Magengeschwüren. Bestandteil entsprechender Teemischungen sowie Fertigarzneimittel. Zur Teezubereitung beträgt die mittlere Tagesdosis 5-15 g Droge. Geg.: Cholestatische Lebererkrankungen, Hypertonie, Hypokaliämie, schwere Niereninsuffizienz, Schwangerschaft.
Hom.: Glycyrrhiza glabra HAB34, die getrocknete Wurzel.
Histor.: Der Gattungsname Glycyrrhiza, der bereits im Altertum gebräuchlich war, leitet sich vom griechischen glykys (süß) und rhiza (Wurzel) ab. Auch später geprägte Namen wie Liquiritia, Lakrize oder Likrizen sind Umwandlungen von Glycyrrhiza. Der lateinische Artname glabra (kahl, klebrig) weist auf die unterseits drüsig-klebrigen Blätter hin. Das Süßholz wurde bei den alten Griechen und Römern außerordentlich geschätzt. So rühmten bereits Dioskurides und Theophrast den Saft der Wurzel als gutes Mittel bei Husten und Rachenkatarrh. Die Anwendung der Droge fand im Mittelalter große Beachtung, so auch in den bekannten Kräuterbüchern. In Bamberg wurde beispielswiese im 15. Jh. die "Süßholzkultur" eingeführt, die im 16. Jh. noch sehr ausgedehnt wurde. Noch heute ist das Süßholz ein Wahrzeichen der Stadt. Im Mittelalter erfolgte auch eine Umwandlung des griechischen Namens Glykyrrhiza in das barbaro-lateinische Liquiritia, wie er auch noch heute existiert.



Glycyrrhiza glabra, Süßholz



Glycyrrhiza glabra, Liquiritiae radix, Süßholzwurzel







Schreiben Sie uns!

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

  • Die Autoren

Partnerinhalte