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Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen: Levisticum officinale

Levisticum officinale W. D. J. Koch
(syn. Angelica levisticum, A. paludapifolia, Hipposelinum levisticum, Levisticum levisticum, L. paludapifolium, L. vulgare, Ligusticum levisticum, L. officinale); Liebstöckel (syn. Badekraut, Bärmutter, Bergliebstöckel, Gebärmutterkraut, Gichtwurz, Labstockwurzel, Leberstockwurzel, Lieberöhre, Liebstengel, Maggikraut, Nervenkraut, Sauerkrautwurz, Suppenlob, Wasserkräutel).
Fam.: Apiaceae (Umbelliferae).
Vork.: Europa, Nordamerika).
Drogen: 1. Levistici fructus (syn. Fructus Levistici, Semen Levistici); Liebstöckelfrüchte, die getrockneten Früchte. Inh.: äther. Öl (0,9 %, bezogen auf Frischdroge) mit β-Phellandren als Hauptkomponente und Alkylphthaliden sowie Furanocumarine, u.a. Imperatorin, Bergapten und Psoralen. Anw.: volkstümlich bei Verdauungsbeschwerden und Blähungen, im Haushalt als Gewürz. 2. Levistici herba (syn. Herba Levistici, Herba Ligustici); Liebstöckelkraut (syn. Liebstockkraut), das Ende Mai, Anfang Juli oder Ende August bis Anfang September etwa handhoch abgesichelte, getrocknete Kraut. Inh.: äther. Öl (0,25-0,4 %, bezogen auf Frischdroge) mit β-Phellandren und α-Terpenylacetat als Hauptkomponenten sowie Alkylphthaliden, ferner Cumarine, u.a. Umbelliferon. Anw.: im Haushalt als Gewürz. 3. Levistici radix (syn. Radix Laserpitii germanici, Radix Levistici, Radix Ligustici); Liebstöckelwurzel (syn. Gebärmutterwurzel, Gichtstockwurzel, Labstockwurzel, Liebstengelwurzel, Lippstockwurzel, Maggiwurzel, Sauerkrautwurzel), der ganze oder geschnittene, getrocknete Wurzelstock und die Wurzeln. Inh.: äther. Öl (0,4-1,7 %) mit bis zu 70 % Alkylphthaliden, besonders Z-Ligustilid als Hauptkomponente, ferner u.a. 3-Butylphthalid vgl. Formel sowie E- und Z-Butylidenphthalid vgl. Formel. Weitere Bestandteile sind Cumarine (ca. 0,1 %), u.a. Umbelliferon, Furanocumarine, u.a. Bergapten und Psoralen, Polyine, u.a. (+)-Falcarindiol vgl. Formel, Zucker, u.a. Invertzucker und Saccharose (bis 22 %), sowie Äpfel- und Angelicasäure. Anw.: zur Durchspülungstherapie bei unspezifischen entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnorgane und zur Vorbeugung von Nierengrieß. In der Volksheilkunde auch bei Verdauungs- und Menstruationsbeschwerden sowie als schleimlösendes Mittel bei Katarrhen der Atemwege, ferner in der Likörindustrie sowie im Haushalt als Küchengewürz. Zur Teezubereitung verwendet man als Einzeldosis 1,5-3 g (1 Teelöffel = ca. 3 g) feingeschnittene Droge. Als Tagesdosis werden 4-8 g Droge empfohlen. Geg.: bei Entzündungen der Niere oder eingeschränkter Nierentätigkeit ist die Droge kontraindiziert. Außerdem sind Photodermatosen bei starker Sonneneinwirkung während der Therapie, bedingt durch die vorhandenen Furanocumarine, möglich.
Hom.: 1. Levisticum officinale, äthanol. Decoctum HAB 1; Liebstöckel, die getrockneten, unterirdischen Teile. Anw.-Geb.: anthroposophische Therapierichtung. 2. Levisticum officinale HAB 34, der frische, im Herbst gesammelte Wurzelstock mit daranhängenden Wurzeln.
Histor.: Der Gattungsname Levisticum ist die lateinische Übertragung des griechischen ligystigikón. Der Name Liebstöckel gilt als Muster einer "Volksetymologie" und ist nach dem mittellateinischen levisticum gebildet worden. Die Pflanze galt bereits im Mittelalter als geschätzte Arzneipflanze, bes. als Diuretikum, und wird diesbezüglich sowohl im Capitulare de villis Karls des Großen als auch bei Hildegard von Bingen erwähnt.







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