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Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen: Linum usitatissimum

Linum usitatissimum L.
Flachs, Lein.
Fam.: Linaceae.
Vork.: Das 30-150 cm hohe, einjährige Kraut mit himmelblauen radiären Blüten ist im Mittelmeerraum, Vorderasien und Nordafrika beheimatet. Heute wird es angebaut in Gebieten mit gemäßigtem Klima.
Drogen: 1. Lini semen (syn. Semen Lini); Leinsamen (syn. Flachssamen, Flachslinsen, Haarlinsen, Leinwanzen, Hornsamen), vgl. Abbildung. Inh.: Schleime (3-10 %, besonders in der Samenschale), Ballaststoffe (25 %), fettes Öl (30-40 %), Proteine (ca. 25 %), Aminosäuren, wie Linatin vgl. Formel; daneben Sterole und Triterpene sowie bis zu 1,5 % cyanogene Glykoside (Linustatin, Neolinustatin). Anw.: Leinsamen sind ganz, leicht gequetscht oder geschrotet ein mild wirkendes Laxans, induziert durch die Quellung der Samenschalen im Darm (Volumenreiz). Aufgrund der Schleimstoffe dient die Droge auch als einhüllendes Mittel (Mucilaginosum). 2. Oleum Lini (syn. Lini oleum); Leinöl. Inh.: Das aus den Samen kaltgepreßte, fette, trocknende Öl ist eine goldgelbe Flüssigkeit mit einem hohen Anteil an ungesättigten (essentiellen) Fettsäuren (Linolsäure, Linolensäure vgl. Formel und Ölsäure) sowie Palmitin- und Stearinsäure. Anw.: Leinöl hat schwach laxierende Eigenschaften. Die bei der Ölgewinnung anfallenden Preßrückstände (Placenta Seminis Lini) werden äußerlich zu Kataplasmen verwendet, da sie ein großes Wärmespeichervermögen aufweisen. Offizinell war früher in der Dermatologie ein Brandliniment (Linimentum Calcariae), das aus Leinöl und Kalkwasser bereitet wurde. Leinöl besitzt Bedeutung als Diätetikum sowie als Ausgangsstoff für die Herstellung von Lacken, Firnissen und Seifen. 3. Filum lini sterile; Steriler Leinenfaden, aus des Fasern des Pericycels gesponnener Faden. Anw.: in der Chirurgie als Nahtmaterial.
Hom.: Linum usitatissimum HAB; die frischen, oberirdischen Teile blühender Pflanzen. Anw.-Geb.: Heuschnupfen, Harnblasenreizung.
Histor.: Lein zählt zu den ältesten Kulturpflanzen und ist bereits im alten Ägypten verwendet worden. Die Hippokratiker benutzten die Pflanze zu medizinischen Zwecken, Theophrast beschreibt die Verwendung des Schleims im 4. Jh. v.Chr. und Hildegard von Bingen empfahl Lein zu Umschlägen.



Linum usitatissimum, Lini semen, Leinsamen





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