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Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen: Quercus-Arten

Quercus-Arten

Fam.: Fagaceae.

Quercus cerris L. (syn. Quercus crinita, Q, echinata); Zerreiche.
Vork.: Südeuropa.
Droge: Quercus folium; Zerreichenblätter, die getrockneten Laubblätter. Inh.: Gerbstoffe, wie Pedunculagin und Tellimagrandin III; Flavonoide, wie Astragalin, Tilirosid, Quercetinglykoside; Saponine, Ascorbinsäure. Anw.: in der Volksheilkunde zu Umschlägen bei Geschwüren.

Quercus infectoria G. Olivier (syn. Quercus lusitanica, Q. thirkeana, Q. alpestris); Gallapfel-Eiche (syn. Galleiche).
Vork.: östliches Mittelmeergebiet, Kleinasien, Iran.
Droge: Gallae (syn. Galla, Gallae asiaticae, Gallae halepensis, Gallae levanticae, Gallae turcicae); Aleppogallen (syn. Gallen, Eichengallen, Galläpfel, Gallnüsse), die durch die Eiablage der Gallwespe Andricus gallae-tinctoriae (syn. Cynips tinctoria) in den Laubknospen gebildeten Gallen. Inh.: Gerbstoffe (60-70 %) aus Tanninen, einem Komplex aus hexa-hepta-galloylierten Glucosen bestehend. Anw.: volkstümlich in Form der Tinktur äußerlich bei Zahnfleischentzündungen und Frostbeulen. Technisch zur Gewinnung von Tannin (Acidum tannicum, Gerbsäure), das arzneilich als Adstringens und Antiseptikum sowie technisch in der Getränke-, Färberei- und Gerbindustrie sowie zur Tintenherstellung genutzt wird.
Hom.: Gallae turcicae HAB 1, die durch den Stich der Färbergallwespe auf den jungen Trieben hervorgerufenen Gallen.

Quercus petraea (Mattuschka) Liebl. (syn. Quercus intercedens, Q. sessiliflora, Q. sessilis); Steineiche (syn. Traubeneiche, Wintereiche).
Droge: s. Quercus robur.

Quercus pubescens Willd. (syn. Quercus lanuginosa), Flaumeiche.
Droge: s. Quercus robur.

Quercus robur L. (syn. Quercus femina, Q. fructipendula, Q. germanica, Q. malacophylla, Q. pedunculata); Stieleiche (syn. Sommereiche).
Drogen: 1. Quercus cortex (syn. Cortex Quercus); Eichenrinde (syn. Spiegelrinde), die getrocknete Rinde der jungen Zweige und Stockausschläge von Quercus petraea und Quercus robur, vgl. Abbildung. Inh.: Gerbstoffe vom Catechin-Typ (8 bis 20 %, abhängig vom Alter und Erntezeitpunkt), aufgebaut aus oligomeren Proanthocyanidinen mit (+)-Catechin, (-)-Epicatechin und (+)-Gallocatechin als dominierenden Grundbausteinen. Weitere Bestandteile sind Ellagitannine und komplexe Tannine sowie Quercitol, Triterpene und β-Sitosterol. Anw.: äußerlich bei entzündlichen Hauterkrankungen, Schleimhautentzündungen im Mund und Rachenbereich, Entzündungen im Anal- und Genitalbereich sowie in Form von Bädern bei nässenden Dermatosen, innerlich gelegentlich bei unspezifischen, akuten Durchfallerkrankungen. Geg.: äußerlich bei großflächigen Hautschäden sowie als Sitzbäder bei fieberhaften und infektiösen Erkrankungen, Herzinsuffizienz (Stadium III und IV) oder Hypertonie (Stadium IV). Prinzipiell sollte die Anwendung bei Durchfall ohne ärztliche Behandlung nicht länger als 3 bis 4 Tage und die übrigen Anwendungsgebiete nicht länger als 2 bis 3 Wochen betragen. Dos.: Zur Teezubereitung verwendet man als Einzeldosis 1/2 Teelöffel (ca. 1,5 g) feingeschnittene oder grob gepulverte Droge. Als Tagesdosis werden 3 g Droge empfohlen. Für Spülungen verwendet man 20 g Droge/1 l Wasser und als Badezusatz 5 g Droge/1 l Wasser. 2. Quercus cortex ad usum veterinarium (syn. Cortex Quercus ad usum veterinarium); Eichenrinde für tierarzneiliche Zwecke, die getrocknete Rinde von Ästen und Stämmen. Inhaltsstoffe s. Quercus cortex. Anw.: in der Veterinärmedizin innerlich bei Durchfällen, Drüsenfieber und Wurmkoliken. 3. Quercus folium (syn. Folia Quercus); Eichenblätter, die getrockneten Blätter. Inh.: Gerbstoffe (6-11 %), Polyphenole (ca. 7 %), Flavonoide, Triterpene, Cyclitole. Anw.: in der Volksheilkunde innerlich bei Blutungen, Bluthusten sowie Durchfällen, Harninkontinenz und Scheidenausfluß. Äußerlich wird die Droge bei eitrigen Bindehautentzündungen, bei Scheidenausfluß und Gebärmutterentzündungen eingesetzt. 4. Quercus semen (Glandes Quercus excorticatae, Semen Quercus); Eicheln, die von der Samenschale befreiten Samenkerne. Inh.: Gerbstoffe (7 %), ferner u.a. Quercitol und Mesoinositol. Anw.: volkstümlich bei Magen- und Darmbeschwerden. 5. Quercus semen tostum (syn. Cotyledones Quercus empyreumaticae, Glandes Quercus, Glandes Quercus tostae, Semen Quercus tostum); Eichelkaffee (syn. Geröstete Eicheln), die von der Samenschale befreiten, gerösteten Samenkerne. Inh.: s. Quercus semen. Anw.: volkstümlich bei Durchfall von Kindern sowie als Antidot bei Vergiftungen.
Hom.: 1. Quercus, äthanol. Decoctum HAB 1, die getrocknete Rinde junger Zweige und Stockausschläge von Qercus robus und Quercus petraea. Anw.-Geb.: in der anthroposophischen Therapierichtung. 2. Quercus e cortice HAB 34, die frische Rinde junger Zweige von Quercus petraea und Q. robur. 3. Quercus e glandibus HAB 34, die getrockneten Früchte mit der Schale.



Quercus robur, Quercus cortex, Eichenrinde

Quercus suber L. (syn. Quercus bivoniana, Q. suberosa, Suber sardoa, S. variabilis); Korkeiche; vgl. Abbildung.
Vork.: westliches Mittelmeergebiet.
Droge: Cortex Suberis (syn. Cortex Quercus suber, Lignum Suberinum, Suber, Suber Quercinum); Flaschenkork (syn. Eichenkork, Kork). Inh.: Suberin (ca. 43 %), Korkwachs, Cellulose, Gerbstoffe, Lignin, Phlobaphene. Verw.: männlicher Kork (Jungfernkork, im 15. bis 20. Wachstumsjahr gebildet), technisch für Schwimmgürtel, Linoleum und Isolierungen; weiblicher Kork, gebildet nach weiteren 10 bis 12 Jahren, für Medizinkorken und Korksohlen.



Quercus suber, Korkeiche

Histor.: Quercus ist der Name der Eiche bei den Römern. Die deutsche Bezeichnung Eiche, mittelhochdeutsch eich, ist gemeingermanisch. Eichen standen bei allen Völkern, im Altertum besonders bei den Persern und Israeliten, in hohem Ansehen. Dioskurides verordnete Eichenrinde, die er wie folgt charakterisierte: "Die ganze Eiche hat adstringierende und austrocknende Kraft; am meisten adstringiert aber von ihr die hautartige Substanz zwischen Rinde und Stamm. Die Abkochung wird denen gegeben, die am Magen, an Dysenterie und Blutspeien leiden.".

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