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Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen: Rheum-Arten

Rheum-Arten

Fam.: Polygonaceae.

Rheum emodi Wall. (syn. Rheum australe); Emodi-Rhabarber.
Vork.: Himalajagebiete zwischen Kaschmir und Sikkim (Indien) in 3 500 – 4 000 m Höhe.
Droge: Rheum-emodi-Wurzel, die getrockneten Rhizome. Inh.: Anthranoide, wie Emodine, Chrysophanole, Physcion; in Spuren Rhaponticin; Stärke, Gerbstoffe, Calciumoxalat. Anw.: in der indischen Volksheilkunde bei Magen- und Darmkatarrhen, Diarrhoe, Dysenterie sowie bei kindlichen Magen-Darm-Reizungen.

Rheum officinale Baillon.; Chinesischer Rhabarber (syn. Kanton-Rhabarber, Medizinalrhabarber, Ostindischer Rhabarber, Südchinesischer Rhabarber, Türkischer Rhabarber).
Vork.: heimisch in Südostchina und Burma, Kulturen in China, teilweise auch in Mitteleuropa.
Droge: Rhei radix s. Rheum palmatum.

Rheum palmatum L. (syn. Rhabarbarum palmatum, Rheum laciniatum, R. rubrifolium, R. tanguticum); Handlappiger Rhabarber (syn. Kronrhabarberstaude, Medizinalrhabarber, Tangutischer Rhabarber), vgl. Abbildung.
Vork.: Gebirge Nordosttibets und Nordwestchinas, Kulturen bes. in China und Rußland.
Droge: Rhei radix (syn. Radix Rhabarbari, Radix Rhei, Radix Rhei chinensis, Radix Rhei sinensis, Rhabarbarum verum, Rhei sinensis radix, Rhizoma Rhei); Rhabarberwurzel (syn. Barbarawurzel, Chinesischer Rhabarber, Chinesische Rhabarberwurzel, Echter Rhabarber), die getrockneten unterirdischen Teile von Rheum palmatum und R. officinale; vgl. Abbildung. Inh.: Anthranoidgemisch (3-12 %), meist aus etwa 60-80 % Anthrachinonglykosiden und ca. 10-25 % Dianthronglykosiden bestehend, den Rest bilden Anthronglykoside und Aglyka, meist Rhein, Chrysophanol, Aloeemodin vgl. Formel, Physcion und Rheumemodin (Anthracenderivate), weitere Bestandteile sind Gerbstoffe, meist vom Gallotannintyp bzw. deren Vorstufen, z.B. Galloylglucose und deren 1-Phenylbutanonderivate sowie Galloylsaccharose, Flavonoide (2-3 %) und Naphtholderivate. Anw.: als Laxans (Dosis: 1-2 g Droge) oder als Stomachikum bes. bei Magen-Darm-Katarrhen (0,1-0,2 gDroge) in entsprechender Zubereitung. Die Droge ist Bestandteil zahlreicher Arzneifertigpräparate, die meist als Laxantien, mitunter auch als Mundschleimhauttherapeutika zum Einsatz kommen.
Hom.: Rheum HAB 1; Rhabarber, die von Stengelanteilen, kleineren Wurzeln und dem größten Teil der Rinde befreiten, getrockneten unterirdischen Teile von Rheum palmatum und R. officinale oder Hybride beider Arten. Anw.-Geb.: Durchfallerkrankungen, Verhaltensstörungen bei Kindern, Zahnungsbeschwerden.



Rheum palmatum, Medizinalrhabarber



Rheum palmatum, Rhei radix, Rhabarberwurzel



Rheum rhabarbarum L. (syn. Rheum franzenbachii, R. muricatum, R. undulatum); Garten-Rhabarber (syn. Gemüse-Rhabarber, Krauser Rhabarber, Rhabarber, Speise-Rhabarber, Wellblatt-Rhabarber).
Vork.: heimisch in Gebirgen Westchinas, seit dem 18. Jh. in Europa eingeführt und als Gemüsepflanze kultiviert.
Inh.: bezogen auf Frischgewicht 0,4 % Mineralstoffe, bes. Kalium, Calcium, Chlorid und Phosphor, Vitamine, u.a. Ascorbinsäure (bis zu 18 mg/100 g) und Nicotinamid (bis zu 0,38 mg/100 g), Carotin (bis zu 0,12 mg/100 g sowie ein relativ hoher Säureanteil mit bis zu 0,3 % Gesamtoxalat (davon ca. 65 % wasserlöslich), bis zu 1,8 % Äpfelsäure und ca. 0,2 % Citronensäure. Anw.: ausschließlich für Ernährungszwecke.

Rheum rhaponticum L. (syn. Rhabarbarum rhaponticum, Rheum compactum, R. esculentum, R. sibiricum, R. undulatum); Österreichischer Rhabarber (syn. Rhapontik, Sibirischer Rhabarber).
Vork.: Zentralasien.
Droge: Rhei rhapontici radix (syn. Radix Rhei austriaci, Radix Rhei rhapontici, Radix Rhei pontici, Radix Sibirici, Radix Rhapontici, Rhizoma Rhapontici); Falscher Rhabarber (syn. Französischer Rhabarber, Pontischer Rhabarber, Rhapontikrhabarber, Rhapontikwurzel), die getrockneten, unterirdischen Teile. Inh.: Stilbenderivate, insbes. Rhaponticin (Rhaponticosid) vgl. Formel sowie geringe Mengen von Anthranoiden. Wirk.: enthaltene Stilbenderivate bedingen östrogene Eigenschaften. Anw.: volkstümlich zur Verdauungsförderung. Bestandteil von Kombinationspräparaten, die bei klimakterischen Beschwerden und Dysmenorrhoe genutzt werden.



Rheum webbianum Royle.
Vork.: westliches Himalajagebiet in 3 000-4 500 m Höhe zwischen Nepal und Kaschmir.
Droge: Rheum-webbianum-Wurzel, die getrockneten Rhizome. Inh.: Anthranoide, wie Chrysophanol und Emodin; Stärke, Gerbstoffe, Calciumoxalat. Anw.: in der indischen Volksheilkunde bei Magen- und Darmkatarrhen, Diarrhoe, Dysenterie sowie zur Appetitanregung, bei kindlichen Magen-Darm-Reizungen, äußerlich zur Behandlung von Verbrennungen.

Histor.: Die Droge wurde bereits in einem um 2800 v.Chr. verfaßten chinesischen Kräuterbuch erwähnt und war auch im alten Griechenland bekannt. Der Name "Rhabarber" geht auf das griechische "rha" zurück, das auf Wurzelteile einer Droge hinwies. Da die Droge auf langen Transportwegen aus dem fernen Asien, nämlich von Völkern, die man im kulturell hoch entwickelten Griechenland ganz allgemein als Barbaren bezeichnete, in die Mittelmeerländer gelangte, wurde der Name Rhabarber (rha-barbarum) geprägt. Die Kräuterbücher des 16. und 17. Jh. empfahlen die Droge als mildes Abführmittel bei Leber- und Gallenleiden sowie bei Wurmbefall.

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