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Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen: Ricinus communis

Ricinus communis L.
(syn. Croton spinosus, Palma christi, Ricinus africanus, R. inermis, R. laevis, R. lividus, R. persicus, R. speciosus, R. spectabilis, R. viridis, R. vulgaris); Rizinus (syn. Christuspalme, Hundsbaum, Läusebaum, Römische Bohne, Wunderbaum), vgl. Abbildung.
Fam.: Euphorbiaceae.
Vork.: weltweit in tropischen, subtropischen und gemäßigten Zonen.
Drogen: 1. Ricini oleum (syn. Oleum Castoris, Oleum Palmae Christi, Oleum Ricini); Rizinusöl (syn. Castoröl, Kastoröl), das aus den Samen durch Pressen ohne Wärmezufuhr erhaltene Öl. Inh.: Hauptkomponente ist Triglycerolein (70-77 %), das Triglycerid der ungesättigten Ricinolsäure, einer 12-Hydroxy-9,10-cis-octadecensäure (12-Hydroxyölsäure) vgl. Formel, deren Anteil an der Fettsäureverteilung bei 85-90 % liegt. Wirk.: Infolge Spaltung der Glyceride im Dünndarm durch Lipasen wirkt die freigesetzte Ricinolsäure ähnlich den Anthranoiden antiabsorptiv und hydragog. Vermutlich wird durch die Ricinolsäure auch die Synthese von Prostaglandin E2 angeregt, das wiederum zur vermehrten Sekretion von Elektrolyten und Wasser in das Darmlumen beiträgt. Anw.: als Abführmittel. Bestanteil diesbezüglicher Fertigpräparate. In Form des raffinierten Rizinusöls auch für Injektionszwecke und Augentropfen. Äußerlich in Zubereitungen bei Hauterkrankungen, u.a. zur Abdeckung bei Fissuren, oft Bestandteil kosmetischer Präparate sowie in der Technik als Gleit- und Schmiermittel. Ein hydriertes Rizinusöl wird als Castorwachs bezeichnet. 2. Ricini semen (Semen Cataputiae majoris, Semen Palma-Christi, Semen Ricini); Rizinussamen (syn. Castorsamen, Purgierkörner), die reifen Samen; vgl. Abbildung. Inh.: fettes Öl (42-55 %, Rizinusöl), Proteine, u.a. Lectine und das hochtoxische Glykoprotein Ricin, ferner Alkaloide, u.a. Ricinin. Wirk.: Die einst übliche Anwendung der pulverisierten Samen als Breiumschlag bei entzündlichen Hauterkrankungen, bes. bei Abszessen, ist wegen der hohen Toxizität der Samen strikt abzulehnen. Die Einnahme von etwa 10 Samen können tödlich für einen Menschen sein. Im Rizinusöl ist das toxische Ricin nicht enthalten.
Hom.: Ricinus communis HAB 34; die reifen Samen. Anw.-Geb.: Durchfallerkrankungen.
Histor.: Die Droge fand bereits im Altertum Beachtung. So fand man Rizinussamen in alten ägyptischen Gräbern (um 4000 v.Chr.) als Totenbeigabe und im alten Griechenland wurde die Pflanze zur Gewinnung des Öles, das als Abführmittel diente, kultiviert. Nach Mitteleuropa gelangte die Pflanze erst im 16. Jh. und wird hier von den Kräuterbüchern als Abführ- und Wurmmittel beschrieben. Die Herkunft des Gattungsnamens Ricinus wird unterschiedlich interpretiert. Möglich ist die Herkunft vom hebräischen rikar oder vom griechischen ríkinos (rundlich). Nach Plinius hat jedoch der Baum seinen Namen vom lateinischen ricinus (Zecke, Holzbock), wegen der Ähnlichkeit der Samen mit diesem Spinnentier. Der dt. Name Wunderbaum wird einerseits mit dem schnellen Wachstum in Verbindung gebracht, andererseits auch mit der biblischen Erzählung des Propheten Jonas, der ihn zum Schutze vor der Sonne vor sein Zelt pflanzte und angeblich in einer Nacht zu einem Baum emporwuchs. In den Werken des Altertums spielte die Pflanze stets eine Rolle. Nach Herodot war er im alten Ägypten als Ölpflanze bekannt. Im Papyrus Ebers werden die Samen als Purgans und Haarwuchsmittel sowie die Salbe gegen übelriechende Geschwüre genannt. In Indien weisen verschiedene Sanskritnamen auf die Pflanze hin. Im Mittelalter findet man den Baum unter verschiedenen Namen, u.a. "arbor mirabilis", "Ricinus minor" und "Wunderbaum". Lange Zeit diente das Öl der Samen, bes. in Europa, bevorzugt als Brennöl; als Laxans wird es hier seit dem 18. Jh. genutzt.



Ricinus communis, Rizinus





Ricinus communis, Ricini semen, Rizinussamen

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