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Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen: Rubia tinctorum

Rubia tinctorum L.
Krapp (syn. Färberröte), vgl. Abbildung.
Fam.: Rubiaceae.
Vork.: Mittelmeergebiete, Südosteuropa, Zypern, Kleinasien, China, Japan, westliches Nordamerika, Mexiko, Südamerika.
Droge: Rubiae tinctorum radix (syn. Radix Alizari, Radix Rubiae tinctorum); Krappwurzel (syn. Färberwurzel), vgl. Abbildung. Inh.: Anthracenderivate vom Rubiadin-Typ (2-4 %), v.a. Alizarin (syn. Ruberythrinsäure) vgl. Formel, Lucidin, Pseudopurpurin, Purpurin, Rubiadin sowie die Glucoside bzw. Primveroside dieser Verbindungen. Anw.: Da die Anthracenderivate mit Calciumionen lösliche Komplexe eingehen, wurde die Droge zur Rezidivprophylaxe von Harnsteinen eingesetzt. Aufgrund der genotoxischen Effekte von Biotransformationsprodukten des Lucidins und Rubiadins wird eine Anwendung heute nicht mehr empfohlen. In der Volksheilkunde diente die Droge auch zur Wundbehandlung und als Antidiarrhoikum. Darüber hinaus wird sie als Ausgangspunkt für die Herstellung von Lacken, Farben und Beizen sowie in Kleinasien zur Teppichfärberei eingesetzt.
Hom.: Rubia tinctorum HAB 34, Krappfärberröte, die getrockneten Wurzeln. Anw.-Geb.: Erkrankungen der Nieren und ableitenden Harnwege.
Histor.: Den Gattungsnamen Rubia gaben die Römer der Pflanze wegen des roten Farbstoffs der Wurzel (rúber = rot). Auch der Artname tinctorium vom lateinischen tinctor (Färber) weist auf die Verwendung als Farbstoff hin. Der deutsche Name Krapp geht auf das althochdeutsche Krapso (Haken) zurück und wird mit den rückwärts gerichteten Stacheln der Stengel und Blätter begründet. Als Färbematerial war die Krappwurzel bereits in vorchristlicher Zeit bekannt. Über die Alpen gelangte die Pflanze durch die Benediktiner. Im Capitulare de villis Karls des Großen wird der Anbau der Pflanze dringend empfohlen. Umfangreiche Kulturen bestanden in späterer Zeit bes. in Frankreich, da die französischen Soldaten rote Hosen trugen und daher große Mengen an Farbstoff benötigt wurden. Ebenso verdankt auch der türkische Fez seine leuchtend rote Farbe dem Krappfarbstoff. Neben der Verwendung als Farbstoffpflanze wurde die Droge bereits im Altertum auch medizinisch genutzt. Dioskurides weist auf die guten diuretischen Eigenschaften der Krappwurzel hin, eine Eigenschaft, die bis in die Neuzeit bei Nierenleiden genutzt wurde.



Rubia tinctorum, Krapp



Rubia tinctorum, Rubiae tinctorum radix, Krappwurzel



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