Direkt zum Inhalt

Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen: Salix-Arten

Salix-Arten

Fam.: Salicaceae.

Salix alba L.; Silberweide (syn. Falber, Weiße Weide).
Vork.: Europa, Asien, Nordafrika, in Nordamerika und Australien eingebürgert.
Droge: Salicis cortex (syn. Cortex Salicis); Weidenrinde. Inh.: Phenolglykoside, wie Salicin und Triandrin; Gerbstoffe, Flavonoide. Anw.: in der Volksheilkunde bei rheumatischen, neuralgischen und grippeartigen Erkrankungen. Heute weitgehend durch synthetische Salicylsäurederivate ersetzt.
Hom.: Salix alba HAB 34; die frische Rinde. Anw.-Geb.: Gicht und Rheuma.

Salix caprea L., Salweide (syn. Palmweide).
Vork.: Europa.
Droge: Salicis cortex (syn. Cortex Salicis); Weidenrinde. Inh.: Phenolglykoside, Phenolcarbonsäuren, Flavonoide, Gerbstoffe. Anw.: in der Volksheilkunde gegen Fieber, Gicht und Rheuma.

Salix daphnoides Villars.; Reifweide (syn. Schimmelweide, Seidelbastweide).
Vork.: Europa, Südskandinavien, Alpengebiete.
Droge: Salicis cortex (syn. Cortex Salicis, Salix-daphnoides-Rinde), die im Frühjahr gesammelte, ganze, geschnittene oder gepulverte, getrocknete Rinde junger Zweige. Inh.: Phenolglykoside mit Salicortin (3-11 %) vgl. Formel als Hauptalkaloid, ferner Tremulacin (bis zu 1,5 %) und Salicin (bis zu 1 %) vgl. Formel. Außerdem Flavonoide, u.a. Isosalipurposid (ca. 0,5 %), ein Chalkon, sowie Naringin-5-glucosid, Naringin-7-glucosid und Catechin (ca. 0,5 %). Anw.: s. S. purpurea.





Salix fragilis L. (syn. Salix fragilior, S. persicifolia); Bruchweide (syn. Knackweide, Zerbrechliche Weide).
Vork.: Europa, Westasien.
Droge: Salicis cortex (syn. Cortex Salicis, Salicis-fragilis-Rinde), die im Frühjahr gesammelte, ganze, geschnittene oder gepulverte, getrocknete Rinde junger Zweige. Inh.: Phenolglykoside (ca. 4 %) mit 2'-O-Acetylsalicortin (1-8 %) als Hauptkomponete, ferner Tremulacin (2'-O- Acetylsalicin), Fragilin und Salicortin (bis zu 1,5 %). Außerdem Procyanidine (ca. 0,8 %). Anw.: s. S. purpurea.

Salix nigra Marsh. (syn. Salix falcata, S. nigra falcata, S. ambigua, S. ligustrina, S. purshiana).
Vork.: Nordamerika, in Europa, bes. England kultiviert. Die Pflanze neigt zur Hybridisierung mit S. alba und zeichnet sich wie diese durch sehr geringe Mengen an Phenolglykosiden aus.
Droge: s. Salix alba.
Hom.: Salix nigra HAB 34; die frische Rinde. Anw.-Geb.: Übererregbarkeit.

Salix pentandra L.; Fünfstaubblättrige Weide (syn. Lorbeerweide).
Vork.: nördliches Eurasien.
Droge: Salicis cortex (syn. Salix-pentandra-Rinde), die im Frühjahr gesammelte, ganze, geschittene oder gepulverte, getrocknete Rinde junger Zweige. Inh.: Phenolglykoside mit 2'-O-Acetylsalicortin als Hauptkomponente und etwa 2-8 % Gesamtsalicingehalt. Außerdem Flavonoide, u.a. Ampelopsin und Flavane, v.a. (+)-Catechin (bis zu 0,7 %) und Procyanidine (ca. 0,75 %). Anw.: s. S. purpurea.

Salix purpurea L. (syn. Salix monandra, S. pratensis); Purpurweide (syn. Steinweide).
Vork.: Nordafrika, Europa, Süd- und Mittelasien, in Nordamerika eingebürgert.
Droge: 1. Salicis cortex (syn. Cortex Salicis, Salix-purpurea-Rinde); Weidenrinde, die im Frühjahr gesammelte, ganze, geschnittene oder gepulverte, getrocknete Rinde junger Zweige. Inh.: Phenolglykoside mit 4-8 % Gesamtsalicingehalt, darunter Salicortin als wichtigster Salicinester. Außerdem Flavonoide mit dem Chalkon Isosalipurposid (ca. 0,6 %) sowie Naringin-5-glucosid, Naringin-7-glucosid und Eriodyctiol-7-glucosid, ferner (+)-Catechin (ca. 1 %) und Procyanidine (ca. 0,5 %). Anw.: fieberhafte Erkrankungen, rheumatische Beschwerden, Kopfschmerzen. Bestandteil verschiedener Grippe- und Rheumatees sowie entsprechender Fertigarzneimittel. Traditionell bei Neuralgien, auch inneren Blutungen; in der Volksheilkunde auch bei Zahnschmerzen, Gicht, Magen-Darm-Beschwerden, Blutungen, Neuralgien, Fußschweiß und zur Wundbehandlung. Zur Teezubereitung verwendet man 2-3 g feingeschnittene (1 Teelöffel = 1,5 g) Droge. Als Tagesdosis werden 6-12 g Droge empfohlen. 2. Salicis folium (syn. Folium Salicis, Salix-purpurea-Blätter); Weidenblätter, die getrockneten Blätter. Inh.: Phenolglykoside (Gesamtsalicingehalt ca. 6 %) mit bis zu 6 % Salicortin und Tremulacin. Außerdem Flavonoide, u.a. Eriodictyol-7-glucosid (ca. 4 %) sowie Naringin- und Luteolin-7-glucosid. Ferner Procyanidine (ca. 3 %). Anw.: analog der Rindendroge, obwohl jene allgemein bevorzugt wird.
Hom.: Salix purpurea HAB 34; die frisch von den Ästen geschälte Rinde. Anw.-Geb.: Verdauungsstörungen, Schwindel.

Histor.: Weidenrinde fand bereits bei Dioskurides als Droge Erwähnung und die Kräuterbücher der 16. und 17. Jh. empfehlen sie als Fiebermittel sowie unter anderem für Fußbäder. Sie wurde schließlich als Europäische Fieberrinde bezeichnet und galt als Ersatz für die aus Übersee eingeführte Chinarinde (Cinchona-Arten). Der Gattungsname Salix entspricht dem Namen der Weide bei den Römern. Das deutsche Wort Weide leitet sich vom althochdeutschen wida bzw. mittelhochdeutschen wide ab. Es ist zudem urverwandt mit dem griechischen itea (Weide) und dem lateinischen vitis (Rebe, Ranke) bzw. vimen (Rute, Weidengerte). Die Anwendung der Weide als Heilpflanze geht bis ins Altertum zurück. So berichtet beispielsweise Dioskurides über die guten adstringierenden Eigenschaften der Früchte, Blätter, Rinde und des Saftes der Weide.

Lesermeinung

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

  • Die Autoren

Partnerinhalte