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Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen: Tamarindus indica

Tamarindus indica L.
(syn. Siliqua arabica, Tamarindus officinalis); Tamarinde.
Fam.: Fabaceae (Leguminosae).
Vork.: tropisches Afrika, Amerika, Westindien, China, Indien, Pakistan, Hinterindien, Philippinen, Java, Spanien.
Drogen: 1. Tamarindorum pulpa cruda (syn. Fructus Tamarindi, Pulpa Tamarindorum, Pulpa Tamarindorum cruda); Ostindische Tamarinde (Tamarindenmus), das Fruchtfleisch der Hülse. Inh.: organische Säuren, wie Weinsäure (3-10 %), Äpfelsäure, Ameisensäure, Bernsteinsäure, Citronensäure, Milchsäure, Essigsäure; Aminosäuren; Invertzucker (25-30 %), Pektine, Eiweiß, Fett und Pyrazine als Duftstoffe. Anw.: als mildes Laxans und bei Leber-Galle-Beschwerden, in der indischen Volksheilkunde auch bei Fieber. In der Nahrungs- und Genußmittelindustrie wird die Droge zur Herstellung von Kautabak, als Säuerungsmittel und zur Fleischsaucenherstellung genutzt. 2. Tamarindorum semen (syn. Semen Tamarindorum); Tamarindensamen, die getrockneten Samen. Inh.: Polysaccharide, insbes. ein Xyloglucan; Ketosäuren, wie γ-Methyl-α-ketoglutarsäure; Lipide, Aminosäuren. Anw.: in der indischen Volksheilkunde innerlich bei Schwindelgefühl, äußerlich bei Entzündungen. In der Galenik wird die Polysaccharidfraktion der Droge ähnlich wie Stärke als Bindemittel in Tabletten genutzt, in der Industrie dient sie als Gelbildner sowie als Appreturmittel.
Hom.: Tamarindus indica HAB 34; das getrocknete Fruchtfleisch. Anw.-Geb.: Magenschmerzen.
Histor.: Im Sanskrit des alten Indiens besitzt die Pflanze mehrere Namen; die medizinische Verwendung der Früchte hat sich von Indien über Arabien nach Europa verbreitet. Tamar hindi (bedeutet soviel wie indische Datteln) wurden die Früchte von den arabischen und persischen Ärzten des Mittelalters genannt. In deutschen Apotheken finden sie sich erst seit dem 15. Jh., den Baum selbst lernte man erst kennen, als der Seeweg nach Indien entdeckt wurde. Die Pflanze verbreitete sich dann sehr schnell, bereits 1570 wurde sie in Amerika kultiviert. Der Gattungsname Tamarindus setzt sich aus dem arabischen tamar (säulenartig emporstrebend, Dattelpalme) und hindu (indisch) zusammen, so daß man daraus indische Dattel, Tamarinde ableiten kann und der Artname indica nur noch symbolisch angefügt wird. In den Heimatgebieten war die Tamarinde seit altersher ein beliebtes Genußmittel, das bereits in den Sanskritschriften unter verschiedenen Namen geführt wurde. Neben der Verwendung der Früchte als Genußmittel, z.B. als Zusatz zu erfrischenden Getränken, sowie als Gewürz dienten sie auch als mildes Laxans. Die säuerlich schmeckenden Blätter wurden auch als Wurmmittel genutzt.

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