Direkt zum Inhalt

Lexikon der Astronomie: M 87

M87 (oder auch NGC 4486, 3C 274, Virgo A) ist eine sehr gut untersuchte, riesige, elliptische Galaxie (Hubbletyp E1) im Sternbild Virgo (dt. Jungfrau) und Zentrum des Virgo-Haufens, einem Supergalaxienhaufen. Ihr Abstand von der Erde beträgt 16 Mpc oder 52 Mio. Lichtjahre oder eine kosmologische Rotverschiebung von z ~ 0.004 (Tonry et al. 1991).
M87 war der erste gute Kandidat für ein supermassereiches Schwarzes Loch im Zentrum der Galaxie. Dies legten Beobachtungen des Weltraumteleskops Hubble 1994 nahe. Es handelt sich bei dem Schwarzen Loch um einen Giganten seiner Gattung: es wiegt 2 Mrd. Sonnenmassen!
Sehr auffällig im optischen Wellenlängenbereich ist der Jet dieser Quelle. Er wird gemäß des Paradigmas für aktive Galaxien direkt im Zentrum am Schwarzen Loch erzeugt. Dann propagiert der Jet auf die große Längenskala und übersteigt in der Länge sogar die Galaxie, in der er entstanden ist. Optisch (HST-Aufnahme) hat der Jet eine Länge von etwa 1.5 kpc bzw. 5000 Lichtjahren, im Radiobereich (VLA-Bilder) sogar etwa 30 kpc bzw. 100 000 Lichtjahre. Der Jet bewegt sich relativistisch schnell mit Geschwindigkeiten von 4 bis 6c. Dieser Effekt der Überlichtgeschwindigkeit (engl. superluminal motion) ist ein scheinbarer Effekt, der auftritt, wenn der Jet fast genau auf den Beobachter zeigt. Der Jet reicht bis nahe an die zentrale Maschine heran: 0.01 pc oder 60 Schwarzschildradien konnten im IR gemessen werden.
Aufgrund des Alters dieser Galaxie hat sie viel von ihrem Gas verloren. Es wurde u.a. auf das zentrale, supermassereiche Schwarze Loch akkretiert. Die Akkretionsrate kann mit der Prämisse sphärisch symmetrischer Bondi-Akkretion zu 0.1 Sonnenmassen pro Jahr abgeleitet werden. Die Masse des Schwarzen Loches ist mit 3 Milliarden Sonnenmassen enorm hoch (Macchetto et al. 1997).
Die nukleare Scheibe von M87 rotiert größtenteils Keplersch, jedoch im innersten Bereich unterhalb von 20 pc, können nicht-Keplersche Komponenten mit der Sauerstofflinie OIII nachgewiesen werden. In dieser Region ist sie stark blauverschoben, ein Effekt, der im Englischen Beaming genannt wird.

Tabelle

Lesermeinung

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

  • Die Autoren
- Dr. Andreas Müller, München

Partnervideos