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Lexikon der Astronomie: XTE J1118+480

Hierbei handelt es sich um eine stellare Quelle, einem Galaktischen Kandidaten für ein Schwarzes Loch (Galactic Black Hole Candidate, GBHC), und im Speziellen einem so genannten SXT (Soft X-ray Transient), also eine Quelle die vorübergehend sehr hell im Bereich der weichen Röntgenstrahlung leuchtet.
XTE J1118+480 wurde während einer Röntgendurchmusterung im März 2000 mit dem RXTE All-Sky Monitor entdeckt und sitzt im Galaktischen Halo (Sternbild Ursa Major, dt. Großer Bär) in einer Entfernung von etwa 1.8 kpc (Wagner et al. 2001, astro-ph/0104032). Damit ist XTE J1118+480 räumlich der uns am nächsten liegende Kandidat für ein stellares Schwarzes Loch und ein Schwarzes Loch überhaupt!
Das Binärsystem besteht aus einem Schwarzen Loch mit einer Masse von 6.0 bis 7.7 Sonnenmassen und einem Begleitstern mit einer Masse von 0.09 bis 0.5 Sonnenmassen.
Die Quelle zeigt außerdem Quasi-Periodische Oszillationen (QPOs) im Bereich von wenigen Hertz, die mit globalen, räumlichen Schwingungen in der Akkretionsscheibe in Verbindung gebracht werden. QPOs dienen der Studie des zeitlichen Verhaltens der Akkretionsscheibe und der Ableitung des Viskositätsparameters.
Die beobachteten Plasmaausflüsse wurden mit einem Blandford-Znajek Mechanismus erklärt, wo starke, poloidale Magnetfelder nahe am stellaren Schwarzen Loch ein leptonisches Plasma aus Elektronen heizen. Dabei bilde sich eine Korona aus, in der einerseits Comptonisierung stattfinde und andererseits der Jet gebildet werde. Für die Korona wird angenommen, dass sie sowohl eine löchrige Struktur haben kann und auf der Akkretionsscheibe sitzt (patchy corona model) oder ein geometrisch dicker, heißer Akkretionsfluss im Innern ausgebildet werden kann (sphere-disk geometry model). Als wahrscheinliches Szenario gilt eine Verbindung von Korona und Jet. Hier wird ein magnetisches Energiereservoir angenommen, dessen Energie über magnetische Rekonnexion auf das Plasma aus Elektronen übertragen wird (Malzac et al. 2004, astro-ph/0402674).

Tabelle

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  • Die Autoren
- Dr. Andreas Müller, München

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