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Lexikon der Biochemie: Corticotropin

Corticotropin, Adrenocorticotropin, adrenocorticotropes Hormon, ACTH, H-Ser1-Tyr-Ser-Met-Glu5-His-Phe-Arg-Trp-Gly10-Lys-Pro-Val-Gly-Lys15-Lys-Arg-Arg-Pro-Val20-Lys-Val-Tyr-Pro-Asn25-Gly-Ala-Glu-Asp-Glu30-Ser-Ala-Glu-Ala-Phe35-Pro-Leu-Glu-Phe-OH, ein 39AS-Peptidhormon. C. reguliert als Hypophysenvorderlappenhormon das Wachstum der Nebennierenrinde und die Bildung der Steroidhormone Cortisol, Cortison und Corticosteron. Sobald der Blutspiegel der Nebennierenhormone den Sollwert erreicht, wird durch einen Rückkopplungsmechanismus die Ausschüttung des C. durch die Hirnanhangdrüse verringert. Mit dem Corticotropin-freisetzungsinhibierenden-Faktor wurde 1995 ein Gegenspieler des Corticoliberins beschrieben. Stress oder ein zu geringer Blutspiegel der Nebennierenrindenhormone veranlasst den Hypophysenvorderlappen durch das Hypothalamushormon Corticoliberin zur Ausschüttung von C. Die eindimensionale Organisation der biologischen Information in der Aminosäuresequenz wurde durch Struktur-Aktivitätsstudien eingehend untersucht. Die N-terminale Sequenz 1-18 enthält praktisch alle Informationen für die Nebennierenrinde, für die Fettzellen (lipolytische Wirkung) und für die Melanophorenzellen. Durch die Sequenz 19-24 wird die steroidogene Aktivität spezifisch verstärkt. Der C-terminale Abschnitt 25-39 enthält die Information für die Antigenizität, für bestimmte Transporteigenschaften und für die Speziesspezifität (Schweine-C. enthält anstelle von Ser in Position 31 Leu, das C. von Rind und Schaf weist Gln anstelle von Glu in Position 33 auf). Das aktive Zentrum umfasst die Sequenz 5-10, während der Abschnitt 11-18 die Rezeptorbindungsregion bildet. Die Sequenz 1-13 des zu Anfang aufgeführten Human-C. entspricht der Primärstruktur des α-Melanotropins (Melanotropin). Biosynthetisch wird C. aus dem Vorläufer-Glycoprotein Pro-Opiomelanocortin gebildet, das neben der Sequenz des C. noch die des β-Lipotropins und damit auch die der Endorphine und Melanotropine enthält. C. wird durch Chemosynthese hergestellt, insbesondere das ACTH-(1-24), das als pharmazeutisches Präparat (Synacthen®) bei speziellen Formen der Hypophyseninsuffizienz, Allergien, Arthritis u.a. therapeutisch genutzt wird. Bestimmte Teilsequenzen des C., ACTH-(4-10) und entsprechende Analoga, beeinflussen das Leistungsvermögen und bewirken eine Verlangsamung der Extinktionsphase verschiedener konditionierter Verhaltensweisen.

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