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Lexikon der Biochemie: HIV

HIV, Abkürzung für humanes Immundefizienz-Virus (Abb.). Daten, die aus der Sequenzierung der gag- und env-Gene des AIDS-Virus (AIDS) verschiedener Regionen gewonnen wurden, legen die Vermutung nahe, dass sich aufgrund der Sequenzunterschiede und der unterschiedlichen Verbreitung mindestens fünf verschiedene Stämme des HIV unterscheiden lassen, die Unterschiede von mindestens 30 % aufweisen. HIV 1 ist besonders in Europa und den USA verbreitet, ein zweiter Stamm in Brasilien und Zaire, der dritte in Sambia und Somalia, und zwei weitere in Taiwan bzw. Uganda, Kenia und der Elfenbeinküste.
Nach einer Infektion mit dem humanen Immundefizienz-Virus (HIV; HIV-Infektion) kommt es in den meisten Fällen zu einer längeren Latenzzeit, während der die Zahl der CD4-T-Zellen langsam abnimmt. Erst in einem späteren Stadium bildet sich ein Syndrom aus, das als AIDS bezeichnet wird.
 Tropismus. Das HIV ändert während der Zeit, in der es einen Patienten befallen hat, seine Präferenz für verschiedene Zelltypen – eine Fähigkeit, die als HIV-Tropismus bezeichnet wird. Die beiden Zelltypen, die von unterschiedlichen Subtypen befallen werden, sind die T-Zellen und die Makrophagen. Man spricht von Makrophagen-tropischen und T-Zell-tropischen Viren. Der Tropismus des HIV wird durch Sequenzen in der V3-Schleife des Glycoproteins gp120 bedingt. Um den Tropismus des Virusisolats zu ändern sind nur wenige Mutationen notwendig.
Ein weiteres Merkmal, in dem sich verschiedene HIV-Isolate unterscheiden, ist ihre Fähigkeit, Syncytien (Zellklumpen) zu induzieren. Danach werden Syncytium induzierende (engl. syncytium inducing, SI) und nicht induzierende (engl. non syncytium inducing, NSI) Phänotypen unterschieden. Im Allgemeinen gilt, dass die SI-Viren T-Zellen befallen und nur schlecht in Makrophagen wachsen. Die NSI-Viren bevorzugen dagegen Makrophagen als Zielzellen und replizieren nicht in etablierten T-Zell-Linien. Die NSI-Viren bilden den Hauptbestandteil der Virus-Population kurz nach einer Infektion; sie sind vermutlich stärker infektiös als SI-Viren. Im Unterschied dazu treten die SI-Viren besonders in späteren Stadien auf, also bei Patienten, die sich im Stadium des ARC (Aids-related Komplex) befinden oder bereits an AIDS leiden.



HIV. Aufbau des HIV. In einer äußeren runden Hülle aus den Glycoproteinen gp20 und gp41 und dem Protein p17 liegt der konische Viruskern aus den Proteinen p7, p9 und p24 sowie einer DNA-Polymerase, einer Ribonuclease, einer Integrase und einer Protease. Im Kern ist die RNA des Virus verpackt.

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