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Kompaktlexikon der Biologie: Heilpflanzen

Heilpflanzen, Drogenpflanzen, Pflanzen mit hohem Gehalt an medizinisch verwertbaren Inhaltsstoffen. Neben vielen Pflanzen, die in der Homöopathie verwendet werden oder in der pharmazeutischen Industrie als Lieferanten bestimmter Wirk- und Ausgangsstoffe dienen, gelten zur Zeit nach dem Deutschen Arzneibuch (DAB) bzw. den Europäischen Arzneibüchern etwa 80 Arten als offizinelle Heilpflanzen ( vgl. Tab. ) Dabei handelt es sich fast ausschließlich um Pflanzen aus feldmäßigem, kontrolliertem Anbau. Für den feldmäßigen Anbau sind neben Kosten- und Qualitätsgründen auch Aspekte des Artenschutzes ausschlaggebend, da durch Sammeln inzwischen zahlreiche H. in ihrem Bestand gefährdet sind.

Zu den H. zählen u.a. Pflanzen mit entzündungshemmender Wirkung (Kamille, Ringelblume), Pflanzen mit beruhigender Wirkung (Baldrian, Johanniskraut), Pflanzen mit Harn treibender Wirkung (Birke, Schachtelhalm, Brennnessel) und Pflanzen mit abführender Wirkung (Rizinus, Rhabarber). Oft werden Giftpflanzen (z.B. Fingerhut, Tollkirsche, Stechapfel) in geeigneter Dosierung als H. verwendet.

Wichtige Inhaltsstoffe der H. sind Alkaloide, Glykoside, Saponine, Bitterstoffe, Gerbstoffe, Schleimstoffe und etherische Öle. Der je nach Entwicklungszustand, Herkunft und Sammeljahr wechselnde Gehalt an Inhaltsstoffen hat dazu geführt, dass heute die meisten stark wirksamen Inhaltsstoffe chemisch isoliert werden oder dass man die Drogen auf einen bestimmten Wirkstoffgehalt einstellt. Auch heute noch sind H. der Ausgangspunkt zur Herstellung von ca. 55 % aller Arzneimittel.

H. werden meist in getrockneter und zerkleinerter Form (als so genannte Droge) verwendet, wobei entweder die gesamte Pflanze oder nur bestimmte Teile verarbeitet werden. Die verarbeiteten Pflanzenteile werden mit lateinischen Namen bezeichnet: Folia (Blätter), Flores (Blüten), Stipites (Stängel), Lignum (Holz), Fructus (Frucht), Cortex (Rinde), Semen (Samen), Radix (Wurzel), Rhizoma (Wurzelstock), Bulbus (Zwiebel), Resina (Harz), Balsamum (Balsam).

Bei der Suche nach neuen Pflanzenwirkstoffen und noch bisher unbekannten H. spielt die Ethnobotanik eine wichtige Rolle. Ethnobotaniker erforschen dazu das traditionell in allen Kulturen vorhandene Wissen über heilende Pflanzen. Große Hoffnungen werden in die Entdeckung neuer H. in tropischen Regenwäldern gesetzt.

Die Behandlung von Krankheiten mit H. wird als Phytotherapie bezeichnet.

Literatur: Hänsel, R., Hölzl, J.: Lehrbuch der Pharmazeutischen Biologie, Heidelberg 1996. – Hiller, K., Melzig, M.F.: Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen. 2 Bde. Heidelberg 1999.

Weitere Informationen unter: www.hpfldb.de



Heilpflanzen: Auswahl offizineller Heilpflanzen und der aus ihnen hergestellten Drogen (nach DAB 2000 und Europäischem Arzneibuch 1997/NT 2000)

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  • Die Autoren

Redaktion:
Dipl.-Biol. Elke Brechner (Projektleitung)
Dr. Barbara Dinkelaker
Dr. Daniel Dreesmann

Wissenschaftliche Fachberater:
Professor Dr. Helmut König, Institut für Mikrobiologie und Weinforschung, Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Professor Dr. Siegbert Melzer, Institut für Pflanzenwissenschaften, ETH Zürich
Professor Dr. Walter Sudhaus, Institut für Zoologie, Freie Universität Berlin
Professor Dr. Wilfried Wichard, Institut für Biologie und ihre Didaktik, Universität zu Köln

Essayautoren:
Thomas Birus, Kulmbach (Der globale Mensch und seine Ernährung)
Dr. Daniel Dreesmann, Köln (Grün ist die Hoffnung - durch oder für Gentechpflanzen?)
Inke Drossé, Neubiberg (Tierquälerei in der Landwirtschaft)
Professor Manfred Dzieyk, Karlsruhe (Reproduktionsmedizin - Glück bringende Fortschritte oder unzulässige Eingriffe?)
Professor Dr. Gerhard Eisenbeis, Mainz (Lichtverschmutzung und ihre fatalen Folgen für Tiere)
Dr. Oliver Larbolette, Freiburg (Allergien auf dem Vormarsch)
Dr. Theres Lüthi, Zürich (Die Forschung an embryonalen Stammzellen)
Professor Dr. Wilfried Wichard, Köln (Bernsteinforschung)

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