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Kompaktlexikon der Biologie: Angiospermae

Angiospermae, Magnoliophytina, Bedecktsamer, Unterabteilung der Samenpflanzen (Spermatophyta), deren Samenanlage immer in einem von Fruchtblättern (Fruchtblatt) gebildeten Gehäuse, dem Fruchtknoten, eingeschlossen ist. Der Pollen gelangt auf die Narbe (Blüte), eine charakteristische Bildung der A., und wächst mit dem Pollenschlauch in die Samenanlage hinein, wo die Befruchtung stattfindet. Typisch für die A. ist eine meist von Tieren bestäubte, fast immer mit einer Blütenhülle (Perianth) ausgestattete Zwitterblüte.
Die Staubblätter (Staubblatt) der A. bestehen fast immer aus dem Staubfaden (Filament) und dem Staubbeutel (Anthere). Der Staubbeutel ist aus zwei Theken (Theka) mit je zwei Pollensäcken aufgebaut. Jeder Fruchtknoten kann eine oder mehrere Samenanlagen enthalten, aus denen ein- bis vielsamige Früchte (Frucht) entstehen. Die Samenanlagen bestehen in den meisten Fällen aus zwei Integumenten, dem Nucellus und dem Embryosack. Im Embryosack erfolgt die Ausbildung des noch stärker als bei den Nacktsamern (Gymnospermae) zurückgebildeten weiblichen Gametophyten ( vgl. Abb. ). Er besteht aus einer Eizelle, den beiden an die Eizelle angrenzenden Synergiden, den drei Antipoden und der dazwischen liegenden Embryosackzelle mit dem aus zwei Kernen hervorgegangenen sekundären Embryosackkern. Die Ausbildung des männlichen Gametophyten erfolgt im Pollenkorn durch Teilung des Kerns, wodurch eine vegetative und eine generative Zelle entstehen; die generative teilt sich nochmals in die zwei Spermazellen. Das sekundäre Endosperm (triploid), das dem Embryo im Samen als Nährgewebe dient, entsteht bei den A. erst nach der Befruchtung (doppelte Befruchtung). Die Integumente bilden sich zur Samenschale (Testa) um, aus der ganzen Samenanlage entsteht der Samen. Dieser ist bei den A. stets in einer Hülle eingeschlossen, die sich aus dem Fruchtknoten unter Beteiligung anderer Blüten- oder sogar Blattteile bildet. Das Ganze bildet die Frucht.
Die Wasser leitenden Gewebe der A. bestehen in den meisten Fällen aus Tracheen (Xylem). Im Siebteil (Phloem) der Leitgewebe treten hier erstmalig im Pflanzenreich Geleitzellen auf. Eine weitere Besonderheit der A. ist die Vielgestaltigkeit ihrer Laubblätter. Es ist jedoch noch nicht geklärt, ob die Ursprungsform das zusammengesetzte oder das ungeteilte Blatt ist.
Die A. übertreffen im Hinblick auf ihre Mannigfaltigkeit alle anderen Gruppen der Samenpflanzen. Als Ausgangspunkt für die Entwicklung werden niedrige und wenig verzweigte immergrüne Bäumchen angenommen. Daraus haben sich offensichtlich stärker verzweigte immer- und sommergrüne Bäume und Sträucher, Lianen, Zwerg- und Halbsträucher, Stauden und einjährige Kräuter herausgebildet.
Aus Fossilfunden kann man schließen, dass die A. von Gymnospermae aus dem Umkreis der Cycadophytina hervorgegangen sind. Um welche Vorfahren es sich dabei handelt, ist jedoch noch unsicher. Wahrscheinlich begann die Entstehung der A. schon im Mesozoikum, vor über 130 Mio. Jahren. Man geht heute davon aus, dass die A. nicht aus verschiedenen gymnospermischen Vorfahren entstanden sind, sondern eine natürliche Abstammungsgemeinschaft (monophyletische Gruppe) sind.
Mit 250000 bis 350000 Arten sind die A. die umfangreichste Pflanzengruppe. Sie gliedern sich in einkeimblättrige (Liliopsida) und zweikeimblättrige Arten (Magnoliopsida und Rosopsida).



Angiospermae: Entwicklungsschema eines Angiospermen: a Pflanze mit Blütenknospe, b offene Blüte vor der Befruchtung, c sich aus der Frucht lösender Samen, d keimender Samen

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Thomas Birus, Kulmbach (Der globale Mensch und seine Ernährung)
Dr. Daniel Dreesmann, Köln (Grün ist die Hoffnung - durch oder für Gentechpflanzen?)
Inke Drossé, Neubiberg (Tierquälerei in der Landwirtschaft)
Professor Manfred Dzieyk, Karlsruhe (Reproduktionsmedizin - Glück bringende Fortschritte oder unzulässige Eingriffe?)
Professor Dr. Gerhard Eisenbeis, Mainz (Lichtverschmutzung und ihre fatalen Folgen für Tiere)
Dr. Oliver Larbolette, Freiburg (Allergien auf dem Vormarsch)
Dr. Theres Lüthi, Zürich (Die Forschung an embryonalen Stammzellen)
Professor Dr. Wilfried Wichard, Köln (Bernsteinforschung)

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