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Kompaktlexikon der Biologie: Ascidiacea

Ascidiacea, Seescheiden, Ascidien, Gruppe der Manteltiere (Tunicata) mit rund 1000 Arten von 0,1 bis über 30 cm Länge. A. leben sowohl in Schelfmeeren als auch in der Tiefsee, die kleinsten Arten finden sich im Sandlückensystem. Nach der Wuchsform wird zwischen einzeln lebenden Solitärascidien, sozialen Ascidien, die meist über Stolonen (Stolon) verbunden sind und kolonialen Synascidien, mit gemeinsamem Mantel, Gefäßsystem und zu Gruppen zusammengefassten Ausströmöffnungen (Egestionsöffnung) unterschieden. Koloniale und solitär lebende Arten leben oft als Epizoen auf Algen, Seegräsern oder sessilen größeren Tieren. A. sind simultane Hermaphroditen (Hermaphroditismus). Lage und Organisation der Gonaden sind sehr unterschiedlich und werden zur Klassifikation herangezogen. Meist liegt Ovoviviparie vor, selten echte Viviparie. Die Larve der A. ist eine Schwimmlarve mit Sinnesorganen und einem Ruderschwanz mit Chorda. Ungeschlechtliche Vermehrung durch Knospung ist weit verbreitet und dient vor allem der Kolonieausbreitung und dem Überwintern oder Übersommern. Vor allem nach dem Bau des Kiemendarms werden drei Subtaxa unterschieden. Bei den Phlebobranchiata besitzt der Kiemendarm innere Längsgefäße. Die Arten sind meist große Solitärascidien (bis 10 cm), viele kommen in Seichtwassergebieten vor. Weltweit in vielen Häfen sowie in Nord- und Ostsee und rund um den Nordpol verbreitet ist Ciona intestinalis. Sie besitzt einen fast durchsichtigen Mantel mit zinnoberrot durchscheinenden Eingeweiden. Bis 15 cm groß wird die im Mittelmeer und an der mitteleuropäischen Atlantikküste verbreitete Phallusia mammilata, mit weißlichem, knorpelig hartem Mantel. Die Kolonie bildenden Aplousobranchiata besitzen einen einfachen Kiemendarm ohne innere Differenzierung ( vgl. Abb. ) und bei den meist solitär lebenden Stolidobranchiata hat der Kiemendarm innere Längsgefäße und durchlaufende Längsfalten.



Ascidiacea: Bauplan einer Seescheide (Clavelina spec., Aplousobranchiata)

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Thomas Birus, Kulmbach (Der globale Mensch und seine Ernährung)
Dr. Daniel Dreesmann, Köln (Grün ist die Hoffnung - durch oder für Gentechpflanzen?)
Inke Drossé, Neubiberg (Tierquälerei in der Landwirtschaft)
Professor Manfred Dzieyk, Karlsruhe (Reproduktionsmedizin - Glück bringende Fortschritte oder unzulässige Eingriffe?)
Professor Dr. Gerhard Eisenbeis, Mainz (Lichtverschmutzung und ihre fatalen Folgen für Tiere)
Dr. Oliver Larbolette, Freiburg (Allergien auf dem Vormarsch)
Dr. Theres Lüthi, Zürich (Die Forschung an embryonalen Stammzellen)
Professor Dr. Wilfried Wichard, Köln (Bernsteinforschung)

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