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Kompaktlexikon der Biologie: Bodenorganismen

Bodenorganismen, Bodenlebewesen, Organismen, die ständig oder zeitweise in den Hohlräumen des Bodeninneren oder im Spaltensystem der Bodenoberfläche leben. In ihrer Gesamtheit werden sie als Edaphon bezeichnet. Die B. besiedeln hauptsächlich den streu- und humusreichen Oberboden (O- und A-Horizont), weniger den Unterboden (B-Horizont).

Bodenflora: Hierzu zählt man allgemein alle nichttierischen B. wie Bakterien, Algen, Pilze und Flechten (Lichenes). Sie überwiegen sowohl zahlenmäßig als auch in ihrer Gesamtmasse. Mit zahlreichen Gattungen sind die Bodenbakterien vertreten. In sauren humosen Böden sind Pilze normalerweise stärker vertreten als Bakterien. Sie durchziehen den Boden mit einem weit verzweigten Mycel und leben aerob und heterotroph, meist saprophytisch. Durch Pilze zersetzt (Zersetzung) werden Cellulose, Pektine und Hemicellulose; einige Ständerpilze (Basidiomycetes) können auch Lignin abbauen. Einige Vertreter der Schimmelpilze (Penicillium, Aspergillus, Mucor) erzeugen vermutlich im Boden Antibiotika. Eine große Zahl von Pilzen lebt als Mykorrhiza in Symbiose mit Pflanzenwurzeln. Algen (einzellig bis fädig) finden sich wegen ihres Lichtbedarfs nur an der Oberfläche oder im Wasser überschwemmter Böden. Am häufigsten sind Grünalgen (Chlorophyta), seltener Kieselalgen (Bacillariophyceae). Flechten haben unter gemäßigten Bedingungen nur wenig Anteil am Bodenleben. Wegen ihrer außerordentlichen Widerstandskraft dringen sie aber am weitesten in die Kältewüsten der Hochgebirge und arktischen Klimazonen vor und besiedeln dort Gesteine und Rohböden.

Bodenfauna. Je nach Größe der Organismen unterteilt man die Bodenfauna in eine Mikrofauna, Mesofauna, Makrofauna und Megafauna.

Zur Mikrofauna (0,002 – 0,2 mm) gehören Protozoen (Einzeller) wie Geißeltierchen (Flagellata), Wurzelfüßer (Rhizopoda) und Wimpertierchen (Ciliata) sowie kleinere Fadenwürmer (Nematoda). Lebensraum der genannten Protozoen sind wassergefüllte Bodenporen. Sie ernähren sich saprophag von Tier- und Pflanzenrückständen oder als Bakterienfresser. Nematoden leben saprophytisch oder parasitisch von Pflanzenwurzeln und können bei starker Vermehrung in Monokulturen Schäden anrichten.

Zur Mesofauna (0,2 – 2 mm) zählen Rädertiere (Rotatoria), Bärtierchen (Tardigrada), größere Nematoden, Milben (Acari) und Springschwänze (Collembola). Sie leben saprophytisch oder als Räuber von der Mikrofauna und –flora.

Zur Makrofauna (2 – 20 mm) rechnet man die Ringelwürmer (Annelida), Schnecken (Gastropoda), Webspinnen (Araneae), Asseln (Isopoda), Doppelfüßer (Diplopoda), Hundertfüßer (Chilopoda), die Käfer inklusive ihrer Larven (Coleoptera) und die Larven der Zweiflügler (Diptera). Diese B. haben außerordentlich vielfältige Lebensformen und Lebensweisen entwickelt. Ihr Einfluss auf die Bodenentwicklung ist daher vielgestaltig.

Zur Megafauna (20 – 200 mm) zählen Regenwürmer (Oligochaeta; Regenwurm) und Wirbeltiere (Vertebrata), die ganz oder teilweise im Boden leben (Wühlmäuse, Maulwürfe, Kaninchen, Hamster, Ziesel, Spitzmäuse u.a.). Die Regenwürmer machen den größen Teil der Megafauna aus. Sie graben bis über 2,50 m lange Röhren und verbessern damit die Wasserführung und Belüftung des Bodens. Organische und mineralische Bodenbestandteile werden im Wurmdarm vermischt und als Kotballen (Wurmlosung) auf der Bodenoberfläche zurückgelassen. Wühlende und grabende Wirbeltiere lockern und durchmischen ebenfalls die oberen Bodenhorizonte



Bodenorganismen: Die wichtigsten Organismengruppen des Bodens

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Professor Dr. Siegbert Melzer, Institut für Pflanzenwissenschaften, ETH Zürich
Professor Dr. Walter Sudhaus, Institut für Zoologie, Freie Universität Berlin
Professor Dr. Wilfried Wichard, Institut für Biologie und ihre Didaktik, Universität zu Köln

Essayautoren:
Thomas Birus, Kulmbach (Der globale Mensch und seine Ernährung)
Dr. Daniel Dreesmann, Köln (Grün ist die Hoffnung - durch oder für Gentechpflanzen?)
Inke Drossé, Neubiberg (Tierquälerei in der Landwirtschaft)
Professor Manfred Dzieyk, Karlsruhe (Reproduktionsmedizin - Glück bringende Fortschritte oder unzulässige Eingriffe?)
Professor Dr. Gerhard Eisenbeis, Mainz (Lichtverschmutzung und ihre fatalen Folgen für Tiere)
Dr. Oliver Larbolette, Freiburg (Allergien auf dem Vormarsch)
Dr. Theres Lüthi, Zürich (Die Forschung an embryonalen Stammzellen)
Professor Dr. Wilfried Wichard, Köln (Bernsteinforschung)

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