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Kompaktlexikon der Biologie: Bovine Spongiforme Encephalopathie

Bovine Spongiforme Encephalopathie, Abk. BSE, Rinderwahnsinn, eine schwammartige Erkrankung vor allem des Gehirns und des Rückenmarks bei Rindern, die erstmals 1984/85 in England beobachtet wurde. Sie gehört zur Gruppe der übertragbaren spongiformen Encephalopathien, zu denen auch die Scrapie der Schafe sowie die Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung und Kuru beim Menschen gehören. Gemeinsames Merkmal ist das Absterben von Nervenzellen sowie die schwammartige Durchlöcherung der Hirnrinde. Diese Degenerationen führen zu Bewegungsstörungen, Lähmungen und Blindheit. Auslöser von BSE u.a. spongiformen Encephalopathien sind infektiöse Proteinpartikel, die so genannten Prionen. Hauptursache für die Übertragung der Krankheit ist die Verfütterung von infiziertem Tiermehl. Jedoch gibt es auch Hinweise darauf, dass BSE vom Muttertier aufs Kalb übertragen werden kann sowie durch Verabreichung von Präparaten/Medikamenten, die aus infiziertem Material hergestellt wurden; nicht auszuschließen ist darüber hinaus die Möglichkeit der Übertragung durch den Kot der Tiere sowie durch Blut saugende Parasiten. Die Erreger kommen in bestimmten Körperteilen bevorzugt vor, dazu gehören Schädel mit Gehirn und Augen, Mandeln, Rückenmark, Milz und Darm.

Prionen werden durch haushaltsübliche Garverfahren oder Einfrieren nicht abgetötet, sondern erst durch 20minütige Erhitzung auf Temperaturen von mindestens 133 °C bei einem Druck von 3 bar. Spätestens seit BSE bei Rindern auftrat, die mit Tiermehl aus an Scrapie erkrankten Schafen gefüttert wurden, ist bekannt, dass Prionen Artgrenzen überwinden. Man weiß heute, dass BSE und Scrapie u.a. auch auf Mäuse und Katzen übertragbar sind. In einer neuen Variante der Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung wird eine auf den Menschen übertragene Form von BSE vermutet.

Nachdem die Gefährdung durch BSE hierzulande lange Zeit ignoriert oder verharmlost wurde, führte der Nachweis des BSE-Erregers auch bei Rindern aus Deutschland im Jahr 2000 dazu, dass mit Wirkung vom 1.Dezember 2000 ein Gesetz über das Verbot der Fütterung von Tiermehl sowie von dessen Ausfuhr erlassen wurde. Die Untersuchung von geschlachteten Rindern auf BSE wird durch eine Verordnung vom 6. Dezember 2000 geregelt. In dieser ist u.a. festgelegt, dass Rinder (einschließlich Wasserbüffel und Bisons) ab einem Alter von über 30 Monaten auf BSE mittels eines Schnelltests getestet werden müssen. Die Wirksamkeit bzw. der Nutzen dieser gesetzlichen Maßnahmen, insbesondere des Tests, sind umstritten.

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  • Die Autoren

Redaktion:
Dipl.-Biol. Elke Brechner (Projektleitung)
Dr. Barbara Dinkelaker
Dr. Daniel Dreesmann

Wissenschaftliche Fachberater:
Professor Dr. Helmut König, Institut für Mikrobiologie und Weinforschung, Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Professor Dr. Siegbert Melzer, Institut für Pflanzenwissenschaften, ETH Zürich
Professor Dr. Walter Sudhaus, Institut für Zoologie, Freie Universität Berlin
Professor Dr. Wilfried Wichard, Institut für Biologie und ihre Didaktik, Universität zu Köln

Essayautoren:
Thomas Birus, Kulmbach (Der globale Mensch und seine Ernährung)
Dr. Daniel Dreesmann, Köln (Grün ist die Hoffnung - durch oder für Gentechpflanzen?)
Inke Drossé, Neubiberg (Tierquälerei in der Landwirtschaft)
Professor Manfred Dzieyk, Karlsruhe (Reproduktionsmedizin - Glück bringende Fortschritte oder unzulässige Eingriffe?)
Professor Dr. Gerhard Eisenbeis, Mainz (Lichtverschmutzung und ihre fatalen Folgen für Tiere)
Dr. Oliver Larbolette, Freiburg (Allergien auf dem Vormarsch)
Dr. Theres Lüthi, Zürich (Die Forschung an embryonalen Stammzellen)
Professor Dr. Wilfried Wichard, Köln (Bernsteinforschung)

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