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Kompaktlexikon der Biologie: Castoridae

Castoridae, Familie der Nagetiere (Rodentia) mit einer Art, dem Biber (Castor fiber). Mit bis zu 90 cm Körperlänge sind Biber die größten rezenten Nagetiere. Biber sind scheue Dämmerungs- und Nachttiere, die in unterholzreichen Auwäldern und an dicht bewachsenen Ufern stehender und fließender Gewässer leben. Sie sind geschickte Schwimmer und Taucher. Anpassungen an ihre Lebensweise sind z.B. die durch Schwimmhäute miteinander verbundenen Zehen der Hinterfüße, die kleinen, als Greiforgane ausgebildeten Vorderfüße sowie der charakteristische, abgeplattete, unbehaarte, bis knapp 40 cm lange, mit Schuppen bedeckte Ruderschwanz, der beim Tauchen als Höhenruder dient. Der Schuppen tragende Schwanz lieferte im Mittelalter die Begründung dafür, dass Biber den Fischen gleichgestellt und von der Kirche als Fastenspeise zugelassen wurden. Mit einem moschusartig riechenden Sekret eines Drüsenpaars im Afterbereich fettet der Biber sein Fell ein und macht es dadurch wasserabweisend; außerdem dient dieses Sekret der Reviermarkierung.

Biber ernähren sich von Baumrinde, Kräutern und Wurzeln. Die als Nahrung und Baumaterial dienenden Bäume, vorzugsweise Weiden und Pappeln, fällen sie durch keilförmiges Annagen. Sie leben gesellig in sebstgegrabenen Uferhöhlen mit unter Wasser mündenden Ausgängen und Luftschächten oder in kunstvoll gebauten Wasserburgen (Biberburg) ( vgl. Abb. ) aus mit Schlamm abgedichtetem Werk aus Ästen und Zweigen, mit Unterwasserfluchtgang sowie ausgedehnten Dämmen zur Wasserstandsregulierung, damit die Eingänge nicht trocken fallen. Durch das Bäumefällen sowie ihre Bauten und Dämme tragen Biber zur Wasserstandsregulierung und Landschaftsgestaltung bei. – Vor allem wegen ihres sehr weichen und dichten Fells sowie des Drüsensekrets („Bibergeil“), dem Heilkräfte und Potenz steigernde Wirkung nachgesagt wurde, ist der Biber – in Deutschland bis zur Ausrottung – stark bejagt worden. Er steht heute unter Naturschutz; in manchen Teilen Deutschlands gibt es erfolgreiche Wiedereinbürgerungen.



Castoridae: Eine Biberburg ist immer so angelegt, dass der Eingang unter Wasser liegt, die Wohnhöhle jedoch über dem Wasserspiegel

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Dipl.-Biol. Elke Brechner (Projektleitung)
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Professor Dr. Helmut König, Institut für Mikrobiologie und Weinforschung, Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Professor Dr. Siegbert Melzer, Institut für Pflanzenwissenschaften, ETH Zürich
Professor Dr. Walter Sudhaus, Institut für Zoologie, Freie Universität Berlin
Professor Dr. Wilfried Wichard, Institut für Biologie und ihre Didaktik, Universität zu Köln

Essayautoren:
Thomas Birus, Kulmbach (Der globale Mensch und seine Ernährung)
Dr. Daniel Dreesmann, Köln (Grün ist die Hoffnung - durch oder für Gentechpflanzen?)
Inke Drossé, Neubiberg (Tierquälerei in der Landwirtschaft)
Professor Manfred Dzieyk, Karlsruhe (Reproduktionsmedizin - Glück bringende Fortschritte oder unzulässige Eingriffe?)
Professor Dr. Gerhard Eisenbeis, Mainz (Lichtverschmutzung und ihre fatalen Folgen für Tiere)
Dr. Oliver Larbolette, Freiburg (Allergien auf dem Vormarsch)
Dr. Theres Lüthi, Zürich (Die Forschung an embryonalen Stammzellen)
Professor Dr. Wilfried Wichard, Köln (Bernsteinforschung)

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