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Kompaktlexikon der Biologie: Cestoda

Cestoda, Bandwürmer, Gruppe der Plattwürmer (Plathelminthes) mit rund 3500 Arten, die nach neuerer Systematik mit den bislang den Trematoda zugeordneten Monogenea als Cercomeromopha zusammengefasst werden. Bandwürmer leben ausschließlich endoparasitisch und sind im Körperbau stark an diese Lebensweise angepasst. Sie besitzen keinen Darm, sondern nehmen ihre Nahrung über die Körperoberfläche auf, die wie bei Trematoda und Monogenea durch eine mit Mikrovilli besetzte Neodermis gebildet wird. Diese dient außer der Nahrungsresorption auch dem Schutz vor dem Immunsystem bzw. den Verdauungsenzymen des Wirts. Der bei geschlechtsreifen Tieren stark abgeplattete Körper (Name!) besteht aus Kopfabschnitt (Scolex) mit Halteapparat, Hals und einer mehr oder weniger langen (bis 20 m beim Fischbandwurm) Gliederkette (Strobila) ( vgl. Abb. ). Der Körper erscheint dadurch gegliedert, dass von der großen Anzahl an Geschlechtsorganen jeweils ein Satz in einem abgesonderten Körperabschnitt. Da jedoch keine innere Begrenzung zwischen den Proglottiden existiert, liegt keine echte Segmentierung wie bei den Annelida vor. Die Proglottiden werden nach Befruchtung oder Eireifung einzeln oder in Gruppen abgeschnürt und vom Wirt ausgeschieden.

Die Entwicklung der C. ist fast immer mit einem Wirtswechsel verbunden: Als geschlechtsreife Würmer kommen sie überwiegend im Verdauungstrakt von Wirbeltieren, einschließlich des Menschen vor (Endwirte). Ihre Larven bzw. ungeschlechtlichen Vermehrungsstadien entwickeln sich vor allem in Gliederfüßern (Arthropoda) und Wirbeltieren, aber auch in Oligochaeta, Hirudinea und Gastropoda (Zwischenwirte). Mit Ausnahme einer Gattung sind alle C. Zwitter. Die Entwicklung erfolgt über mehrere Larvenstadien (u.a. Coracidium, Lycophora, Oncosphaera) und postlarvale Stadien (u.a. Cysticercoid, Cysticercus, Strobilocercus).

Die C. werden in mehrere Gruppen unterteilt, von denen die artenreichste die Cestoida sind. Zu ihnen gehören u.a. der Hunde- und der Fuchsbandwurm (Gatt. Echinococcus), der Fischbandwurm (Diphyllobothrium latum), weiterhin Rinder- und Schweinebandwurm (Gatt. Taenia) sowie der 2 – 4 cm lange Zwergbandwurm (Hymenolepis diminuta), der ein wichtiges Labortier der Bandwurmforschung ist.



Cestoda: Köpfe und reife Glieder von Bandwürmern. a Schweinebandwurm (Taenia solium), b Rinderbandwurm (Taenia saginata), c Fischbandwurm (Diphyllobothrium latum)

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Professor Dr. Walter Sudhaus, Institut für Zoologie, Freie Universität Berlin
Professor Dr. Wilfried Wichard, Institut für Biologie und ihre Didaktik, Universität zu Köln

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Thomas Birus, Kulmbach (Der globale Mensch und seine Ernährung)
Dr. Daniel Dreesmann, Köln (Grün ist die Hoffnung - durch oder für Gentechpflanzen?)
Inke Drossé, Neubiberg (Tierquälerei in der Landwirtschaft)
Professor Manfred Dzieyk, Karlsruhe (Reproduktionsmedizin - Glück bringende Fortschritte oder unzulässige Eingriffe?)
Professor Dr. Gerhard Eisenbeis, Mainz (Lichtverschmutzung und ihre fatalen Folgen für Tiere)
Dr. Oliver Larbolette, Freiburg (Allergien auf dem Vormarsch)
Dr. Theres Lüthi, Zürich (Die Forschung an embryonalen Stammzellen)
Professor Dr. Wilfried Wichard, Köln (Bernsteinforschung)

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