Direkt zum Inhalt

Kompaktlexikon der Biologie: Chordata

Chordata, Chordatiere, sehr heterogener Tierstamm mit ca. 52000 Arten, die auf drei Subtaxa, die Manteltiere (Tunicata), die Schädellosen (Acrania) und die Wirbeltiere (Vertebrata) verteilt werden. Die Mehrzahl (rund 30000 Arten) ist wasserlebend; nur innerhalb der Wirbeltiere wurde das Land als Lebensraum erschlossen (Tetrapoda) und führte dort zu fast ebenso vielen Arten.

C. sind bilateralsymmetrische, deutlich segmentierte Organismen mit Coelom (Leibeshöhle), die sich durch folgende Merkmale von allen anderen Tiergruppen unterscheiden: 1) Den Besitz eines inneren, dorsal gelegenen Achsenskeletts. Dies ist bei den Tunicata und Acrania und allen Wirbeltier-Embryonen die als elastischer, ungegliederter und meist zelliger Stab ausgebildete Chorda dorsalis. Sie ist bei erwachsenen Wirbeltieren durch eine knorpelige oder knöcherne Wirbelsäule ersetzt. 2) Die Ausbildung eines Kiemendarms durch starke Erweiterung des Vorderdarms, dessen Seitenwand und auch die umliegende Körperwand mit Spalten durchsetzt sind. Das Wasser wird durch den Mund aufgenommen und fließt durch die Spalten wieder ab. Der Kiemendarm hat eine Doppelfunktion: Zum einen bei Tunicata und Acrania die Filtration des Wasserstroms zur Nahrungsgewinnung; zum anderen dient er, begünstigt durch die große Oberfläche, der Atmung. Die Wände der Kiemenspalten bilden bei Wirbeltieren die Kiemen. Bei den landlebenden Wirbeltieren werden alle wesentlichen Strukturen des Kiemendarms noch in der Embryonalentwicklung angelegt und im weiteren Verlauf der Entwicklung entsprechend ihrer späteren Funktion umkonstruiert. 3) Die Ausbildung eines Zentralnervensystems dorsal von Chorda und Darm. Es entwickelt sich aus einer Einfaltung des Ektoderms längs der Rückenlinie, die sich abschnürt, zum Rohr schließt und in den Körper einsinkt. Der vorderste Abschnitt ist bei Wirbeltieren als Gehirn entwickelt. Das Neuralrohr steht primär vorne durch den Neuroporus mit der Außenwelt in Verbindung und hat hinten während der Embryonalentwicklung stets offenen Kontakt mit dem Darm (Canalis neurentericus). Beide Verbindungen werden sekundär verschlossen.

Lesermeinung

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

  • Die Autoren

Redaktion:
Dipl.-Biol. Elke Brechner (Projektleitung)
Dr. Barbara Dinkelaker
Dr. Daniel Dreesmann

Wissenschaftliche Fachberater:
Professor Dr. Helmut König, Institut für Mikrobiologie und Weinforschung, Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Professor Dr. Siegbert Melzer, Institut für Pflanzenwissenschaften, ETH Zürich
Professor Dr. Walter Sudhaus, Institut für Zoologie, Freie Universität Berlin
Professor Dr. Wilfried Wichard, Institut für Biologie und ihre Didaktik, Universität zu Köln

Essayautoren:
Thomas Birus, Kulmbach (Der globale Mensch und seine Ernährung)
Dr. Daniel Dreesmann, Köln (Grün ist die Hoffnung - durch oder für Gentechpflanzen?)
Inke Drossé, Neubiberg (Tierquälerei in der Landwirtschaft)
Professor Manfred Dzieyk, Karlsruhe (Reproduktionsmedizin - Glück bringende Fortschritte oder unzulässige Eingriffe?)
Professor Dr. Gerhard Eisenbeis, Mainz (Lichtverschmutzung und ihre fatalen Folgen für Tiere)
Dr. Oliver Larbolette, Freiburg (Allergien auf dem Vormarsch)
Dr. Theres Lüthi, Zürich (Die Forschung an embryonalen Stammzellen)
Professor Dr. Wilfried Wichard, Köln (Bernsteinforschung)

Partnervideos