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Kompaktlexikon der Biologie: Decapoda

Decapoda, Zehnfüßige Krebse, Zehnfüßer, mit rund 10000 Arten eine der artenreichsten Gruppen der Crustacea. D. sind weltweit in allen Meeren verbreitet und leben als Bodenbewohner in allen Bereichen vom Strand bis in die Tiefsee. Die kleinste Art, eine Garnele, misst etwa 1 mm, die größte Art, eine Languste ist 60 cm lang und die japanische Riesenseespinne kommt mit ihren Scherenbeinen auf eine Spannweite von 3 – 4 m. Viele Arten der D. sind als Speisekrebse für den Menschen wirtschaftlich wichtig.

Obwohl es viele Variationen gibt, ist das Grundmuster des Körperbaus bei allen D. erkennbar: Der Körper ist in zwei Tagmata gegliedert: Cephalothorax mit allen acht Thoracomeren und Pleon. Der Carapax reicht dorsal über den gesamten Thorax und lateral bis zu den Beinansätzen. Zwischen Carapax und Körperwand ist beiderseits je eine Höhle, in die die Kiemen hineinragen. Den Wasserstrom, der durch diese Kiemenhöhle gepumpt wird, erzeugt der große Exopodit der zweiten Maxillen. Die ersten drei Thoracopodenpaare sind zu Mundwerkzeugen geworden, die der Nahrungsaufnahme dienen. Die fünf folgenden Peraeopodenpaare sind als Laufbeine ausgebildet. Alle Thoracopoden tragen Kiemen. In der Körperform können zwei Extreme unterschieden werden: der garnelenartige Typ mit zylindrischem, seitlich leicht zusammengedrücktem Körper und mit einem Carapax, der vorne zwischen den Augen in ein kielförmiges Rostrum ausläuft. Die Antennen sind geißelförmig und die ersten 2 – 3 Paar Peraeopoden tragen endständige Scheren. Am Pleon befinden sich Schwimmbeine und ein Schwanzfächer. Der zweite Typ ist der Krabbenhabitus mit stark verbreitertem und abgeflachtem Cephalothorax und dreieckiger Kiemenhöhle. Die Antennen sind kurz. An den ersten Peraeopoden sitzen Scheren, die unterschiedlich groß sein können. Das unscheinbare Pleon wird nach vorne unter den Carapax geklappt. Einen etwas abweichenden Habitus haben die Einsiedlerkrebse, deren Pleon asymmetrisch und wurstförmig geschwollen ist, da es im Unterschied zu den restlichen D. innere Organe enthält. Es wird zum Schutz meist in Schneckenhäusern untergebracht, wobei der umgewandelte „Schwanzfächer“ zu einer asymmetrischen Halteeinrichtung geworden ist.

Das Nervensystem besteht aus Oberschlund- und einem großen Unterschlundganglion sowie je nach Körperform unterschiedlich konzentrierten segmentalen Ganglien. Sinnesorgane sind Sinnesborsten, Statocysten und Augen (gestielte Facettenaugen und mitunter Naupliusaugen). Exkretionsorgane sind Antennennephridien, die aus einem Sacculus bestehen, einem gewundenen Exkretionskanal und einer nach außen mündenden Harnblase.

D. sind i.d.R. getrenntgeschlechtlich, Ovarien und Hoden sehen etwa gleich aus und haben auch die gleiche Lage. Bei den Männchen kann die Geschlechtsöffnung in einen Penisanhang verlängert sein. Außerdem haben sie ein Petasma, ein röhrenförmiges Glied, das jeweils aus den beiden vordersten Pleopoden entsteht. Die Entwicklung der D. geht über mehrere Phasen, die durch Häutungen in unterschiedliche Stadien unterteilt sind. Typische Larven sind Nauplius und Zoëa.

In der Systematik werden zwei monophyletische Großgruppen unterschieden: die Dendrobranchiata (u.a. mit der Gatt. Penaeus) und die Pleocyemata, wobei letztere wiederum in Caridea (u.a. mit den Gatt. Pandalus, Palaemon, Macrobrachium und Crangon), Stenopodidea und Reptantia unterteilt werden. Die Reptantia schließlich werden traditionell in Palinura (u.a. mit den Langusten), Astacura (u.a. mit dem Hummer, dem bis 15 cm langen, heute selten gewordenen Flusskrebs, Astacus astacus sowie dem Amerikanischen Flusskrebs, Orconectes), Anomura (u.a. mit der Königskrabbe, Paralithodes und dem Einsiedlerkrebs, Eupagurus sowie Brachyura (u.a. mit dem Taschenkrebs, Cancer, Eriocheir, der Chinesischen Wollhandkrabbe und der Strandkrabbe, Carcinus maenas, der häufigsten Krabbe der Nordsee) eingeteilt. Nur die Brachyura sind eine monophyletische Gruppe.

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Professor Dr. Siegbert Melzer, Institut für Pflanzenwissenschaften, ETH Zürich
Professor Dr. Walter Sudhaus, Institut für Zoologie, Freie Universität Berlin
Professor Dr. Wilfried Wichard, Institut für Biologie und ihre Didaktik, Universität zu Köln

Essayautoren:
Thomas Birus, Kulmbach (Der globale Mensch und seine Ernährung)
Dr. Daniel Dreesmann, Köln (Grün ist die Hoffnung - durch oder für Gentechpflanzen?)
Inke Drossé, Neubiberg (Tierquälerei in der Landwirtschaft)
Professor Manfred Dzieyk, Karlsruhe (Reproduktionsmedizin - Glück bringende Fortschritte oder unzulässige Eingriffe?)
Professor Dr. Gerhard Eisenbeis, Mainz (Lichtverschmutzung und ihre fatalen Folgen für Tiere)
Dr. Oliver Larbolette, Freiburg (Allergien auf dem Vormarsch)
Dr. Theres Lüthi, Zürich (Die Forschung an embryonalen Stammzellen)
Professor Dr. Wilfried Wichard, Köln (Bernsteinforschung)

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