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Kompaktlexikon der Biologie: Dicrocoelium

Dicrocoelium, Gatt. der zu den Saugwürmern gehörenden (Digenea). Der Kleine Leberegel (Dicrocoelium dendriticum) ist weltweit verbreitet. Die Eier der in den Gallengängen des Endwirts (vor allem Schafe) lebenden gechlechtsreifen Leberegel werden mit dem Kot ausgeschieden. Die in ihnen bereits entwickelte Larve (Miracidium) schlüpft erst, wenn der erste Zwischenwirt, eine Landschnecke, die Eier mit der Nahrung aufnimmt. In der Mitteldarmdrüse der Schnecke geht das Miracidium in das Sporocysten- und Cercarienstadium über. Die Cercarien gelangen über das Blut in die Atemhöhle der Schnecke und werden, in Schleimballen verpackt, ausgeschieden. Diese werden vom zweiten Zwischenwirt (Ameisen der Gatt. Formica) gefressen. Die Cercarien durchbohren den Kropf der Ameise und reifen in der Leibeshöhle zu Metacercarien heran. Eine von ihnen wandert ins Unterschlundganglion und beeinflusst das Verhalten der Ameise dahingehend, dass diese sich an den Spitzen von Pflanzen festbeißt. Mit diesen werden sie vom weidenden Endwirt aufgenommen. Im Zwölffingerdarm des Endwirts werden die Metacercarien frei, wandern über den Gallengang in die Leber ein und beginnen nach 8 – 9 Wochen als adulte Egel mit der Eiablage. ( vgl. Abb. )

Infektionen beim Menschen sind selten, können aber über Nahrungsaufnahme erfolgen. Symptome beim massivem Befall sind unspezifische Leberbeschwerden, Schmerzen im Oberbauch und Lebervergrößerung.



Dicrocoelium: Vereinfachter Entwicklungszyklus von Dicrocoelium lanceolatum: a Endwirt (Schaf) mit geschlechtsreifem Leberegel in den Gallengängen (1), 2 Ei des Leberegels. Im Innern des ersten Zwischenwirts (Schnecke b, Zebrina) schlüpft die Larve (Miracidium, 3) und entwickelt sich zur Sporocyste (4-5). Die Schnecke setzt Schleimklümpchen ab (b), in denen sich zahlreiche Cercarien befinden (6). Ameisen fressen als zweiter Zwischenwirt die Schleimklümpchen (c) und infizieren sich mit den Cercarien, von denen eine das Verbeißen der Ameise an der Spitze eines Grashalms (d) bewirkt. Vom Schaf gefressen, endet der Lebenszyklus mit dem Freiwerden der Metacercarien und ihrem Heranwachsen zu adulten Leberegeln

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Professor Dr. Wilfried Wichard, Institut für Biologie und ihre Didaktik, Universität zu Köln

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Thomas Birus, Kulmbach (Der globale Mensch und seine Ernährung)
Dr. Daniel Dreesmann, Köln (Grün ist die Hoffnung - durch oder für Gentechpflanzen?)
Inke Drossé, Neubiberg (Tierquälerei in der Landwirtschaft)
Professor Manfred Dzieyk, Karlsruhe (Reproduktionsmedizin - Glück bringende Fortschritte oder unzulässige Eingriffe?)
Professor Dr. Gerhard Eisenbeis, Mainz (Lichtverschmutzung und ihre fatalen Folgen für Tiere)
Dr. Oliver Larbolette, Freiburg (Allergien auf dem Vormarsch)
Dr. Theres Lüthi, Zürich (Die Forschung an embryonalen Stammzellen)
Professor Dr. Wilfried Wichard, Köln (Bernsteinforschung)

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