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Kompaktlexikon der Biologie: Eierstock

Eierstock, Ovarium, Ovar, bei weiblichen Tieren eine mehr oder weniger örtlich begrenzte Keimdrüse, in der die Bildung der weiblichen Geschlechtszellen (Eizellen) erfolgt.

Schwämme (Porifera) haben noch keinen E., sondern nur im Dermallager verteilte, zu Eizellen heranreifende Keimzellen. Bei den Hohltieren (Coelenterata) ist der E. eine Anhäufung von weiblichen Keimzellen im äußeren oder inneren Körperblatt. Während die E. bei radiärsymmetrischen Tieren auch radiär angelegt sind (Quallen, Seesterne), sind sie bei den bilateralsymmetrischen Tieren meist paarig. Plattwürmer (Plathelminthes) besitzen parige oder unpaare E., die mit einem kompliziert gebauten, ausführenden Geschlechtsapparat in Verbindung stehen. Bei der Gruppe der Neoophora hat sich ein Bezirk mit entwicklungsunfähigen E., die zur Dotter- und Schalenbildung fähig sind, als Dotterstock abgesondert. Diese Formen produzieren zusammengesetzte Eier. Die Eierstöcke der Weichtiere (Mollusca) sind paarig oder sekundär unpaarig angelegt. Es sind hohle Gebilde, die mit einem Rest des Coeloms in Verbindung stehen. Bei den zwittrigen Schnecken sind E. und Hoden sekundär zur Zwitterdrüse vereint.

Die Insekten (Insecta) besitzen paarige E. Jeder E. besteht aus einer größeren Zahl von Eiröhren oder Eischläuchen (Ovariolen), die mit einem Endfaden (Terminalfilum) an der Körperwand angeheftet sind. Die Eiröhren beginnen mit einem End- oder Keimfach (Germarium), in dem Eizellen gebildet werden. An sie schließt sich der Dotterstock an, in dem die Eizellen heranwachsen und mit der Eischale umgeben werden. Die Dotterstöcke jeder Seite münden mit je einem Eiröhrenstiel in einen linken bzw. rechten gemeinsamen Ausführungsgang, den Eileiter.

Bei den Lanzettfischchen (Acrania) sind wie bei den Rundmäulern die E. segmental angeordnet. Durch Platzen der Körperwand gelangen die Eizellen in den Peribranchialraum. Bei den gnathostomen (Kiefer tragenden) Wirbeltieren ist der E. paarig angelegt, wobei bei Vögeln und dem Schnabeltier der rechte E. jedoch zurückgebildet ist. Auch die Haifische haben meist nur einen funktionsfähigen E.

Säugetiere einschließlich des Menschen haben paarige E. Sie liegen beim Menschen im kleinen Becken beiderseits neben der Gebärmutter und sind durch ein Band mit dieser verbunden. Bei der geschlechtsreifen Frau haben sie etwa die Größe einer Pflaume. Der E. besteht aus dem Mark und einer 1-2 mm dicken Rinde. In dieser entstehen mit Flüssigkeit erfüllte, etwa 1,5 mm große Bläschen, die Graaf-Follikel. In den Graaf-Follikeln liegt jeweils eine Eizelle, die im reifen Zustand einen Durchmesser von etwa 0,2 mm hat. Alle vier Wochen, in der Mitte des Menstruationszyklus platzt ein solcher Graaf-Follikel und setzt dadurch die Eizelle frei, die nun befruchtet werden kann (Eisprung). Neben dieser generativen, der Fortpflanzung dienenden Funktion, haben die E. auch eine vegetative Funktion, indem sie im Mark die weiblichen, und in geringer Menge auch männliche Geschlechtshormone bilden, die für die psychosexuelle Entwicklung sowie für Schwangerschaft, Geburt und Milchbildung notwendig sind.

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Professor Dr. Walter Sudhaus, Institut für Zoologie, Freie Universität Berlin
Professor Dr. Wilfried Wichard, Institut für Biologie und ihre Didaktik, Universität zu Köln

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Thomas Birus, Kulmbach (Der globale Mensch und seine Ernährung)
Dr. Daniel Dreesmann, Köln (Grün ist die Hoffnung - durch oder für Gentechpflanzen?)
Inke Drossé, Neubiberg (Tierquälerei in der Landwirtschaft)
Professor Manfred Dzieyk, Karlsruhe (Reproduktionsmedizin - Glück bringende Fortschritte oder unzulässige Eingriffe?)
Professor Dr. Gerhard Eisenbeis, Mainz (Lichtverschmutzung und ihre fatalen Folgen für Tiere)
Dr. Oliver Larbolette, Freiburg (Allergien auf dem Vormarsch)
Dr. Theres Lüthi, Zürich (Die Forschung an embryonalen Stammzellen)
Professor Dr. Wilfried Wichard, Köln (Bernsteinforschung)

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