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Kompaktlexikon der Biologie: Empfängnisverhütung

Empfängnisverhütung, Kontrazeption, in der Humanmedizin Überbegriff für alle Maßnahmen zur Verhinderung einer Schwangerschaft. Prinzipiell können vier Gruppen von Methoden unterschieden werden. Sie werden hinsichtlich ihrer Zuverlässigkeit nach dem so genannten Pearl-Index beurteilt, der die Zahl der ungewollten Kinder angibt, für den Fall, dass die jeweils geprüfte Methode von 100 Paaren ein Jahr lang ausschließlich angewandt wird. Ein Pearl-Index von 3 bedeutet z.B. dass unter den gegebenen Bedingungen drei ungewollte Schwangerschaften eintreten würden.

Zu den zuverlässigsten Methoden zählen die hormonellen Methoden, umgangssprachlich als Pille bezeichnet (Pearl-Index kleiner 1). Anwendung finden hier Kombinationspräparate aus künstlich hergestellten Estrogenen und Gestagenen, die bei täglicher Einnahme den Eisprung verhindern und die Struktur der Gebärmutterschleimhaut verändern, sodass sich der Keim nach der Befruchtung nicht einnisten kann. Zudem bleibt der den Gebärmuttermund verschließende Schleimpfropf durch Einwirkung der Hormone so zäh, dass die Spermien ihn kaum durchdringen können. Nachteilig sind die immer wieder beobachteten Nebenwirkungen (Zwischenblutungen, Kopfschmerzen) der Hormonpräparate. Die besser verträgliche Minipille enthält nur Gestagene, die lediglich bewirken, dass sich der Gebärmutterhalsschleim nicht verflüssigt und so keine Spermien eindringen können. Sie ist nur zuverlässig bei absolut pünktlicher Einnahme (Pearl-Index von 1-5).

Ebenfalls relativ sicher, jedoch nicht für ganz junge Frauen geeignet, sind die Intrauterinpessare (umgangssprachlich als Spirale bezeichnet). Dies sind Kunststoff- oder Kupfergebilde, die nach Einsetzen in die Gebärmutter zu Veränderungen der Schleimhaut führen und dadurch die Einnistung eines befruchteten Eies verhindern. Darüber hinaus können sie durch Abgabe von Kupferionen oder von Hormonen die Beweglichkeit eindringender Spermien vermindern und somit ähnlich wie die Minipille wirken. Ihr Sitz muss regelmäßig vom Arzt kontrolliert werden, da sie (selten) von der Gebärmutter ausgestoßen werden können (Pearl-Index 1-5).

Barrieremethoden verhindern, dass die Spermien in die Gebärmutter eindringen können. Hierzu gehört das Kondom (Präservativ), eine Gummihülle, die der Mann vor dem Eindringen in die Scheide über den steifen Penis rollt. Kondome haben den Vorteil, dass sie in gewissem Maße auch vor Geschlechtskrankheiten und HIV-Infektion (Aids) schützen. Sie dürfen jedoch nicht mit fetthaltigen Gleitcremes und chemischen Verhütungsmitteln zusammen benutzt werden, da sie porös werden können. Das Diaphragma ist eine weiche, kuppelförmige Gummikappe mit einem nach außen federnden Ring. Sie wird vor dem Geschlechtsverkehr auf den Muttermund gesetzt, wobei das D. vor dem Einsetzen mit einer Creme bestrichen wird, die die Spermien abtötet. Es muss in jedem Fall individuell vom Frauenarzt angepasst werden. Diaphragma und Kondom sind bei richtiger Anwendung in der Sicherheit vergleichbar mit der Spirale. Chemische Empfängnisverhütungsmittel bilden einige Minuten nach Einführen eine schaumige oder cremige Masse, die die Spermien abtötet oder bewegungsunfähig macht und somit ebenfalls am Eindringen in die Gebärmutter hindert. Sie müssen unmittelbar vor dem Geschlechtsverkehr eingeführt werden. Ihr Pearl-Index liegt bei 5-10.

Natürliche Methoden der E. benutzen keine Hilfsmittel, sondern bedienen sich der Beobachtung zyklischer Körperveränderungen. Die Basaltemperaturmessung dient der Bestimmung der fruchtbaren und der empfängnisfreien Tage der Frau. Zu diesem Zweck wird jeden Morgen vor dem Aufstehen zur gleichen Zeit die Körpertemperatur (Basaltemperatur) gemessen und die Messwerte auf einem Blatt eingetragen. Daraus ergibt sich eine Temperaturkurve, die bei normalem Zyklus einen typischen Verlauf zeigt: Etwa ein bis zwei Tage nach dem Eisprung erhöht sich die Temperatur um 0,3-0,8°C, um auf diesem Wert zu bleiben, bis die nächste Menstruation einsetzt, dann fällt sie wieder auf den Ausgangswert ab. In diesem Zeitraum ist auch bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr eine Schwangerschaft ziemlich unwahrscheinlich, da der Eisprung stattgefunden hatte und die Eizelle abgestorben ist. Jedoch reagiert die Basaltemperatur sehr empfindlich auf äußere Einflüsse wie Stress, wenig Schlaf usw. Sicherer ist ihre Kombination mit der so genannten Billings-Methode, bei der die Beschaffenheit des Gebärmutterschleims, der ebenfalls zyklischen Veränderungen unterliegt, mit einbezogen wird. Zur Zeit des Eisprungs zieht der Gebärmutterschleim lange Fäden. Die Kombination dieser beiden Methoden ist bei regelmäßigem Zyklus relativ sicher (Pearl-Index 1-5) und wird als symptothermale Methode bezeichnet. (Pille danach, Sterilisation)

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Professor Dr. Wilfried Wichard, Institut für Biologie und ihre Didaktik, Universität zu Köln

Essayautoren:
Thomas Birus, Kulmbach (Der globale Mensch und seine Ernährung)
Dr. Daniel Dreesmann, Köln (Grün ist die Hoffnung - durch oder für Gentechpflanzen?)
Inke Drossé, Neubiberg (Tierquälerei in der Landwirtschaft)
Professor Manfred Dzieyk, Karlsruhe (Reproduktionsmedizin - Glück bringende Fortschritte oder unzulässige Eingriffe?)
Professor Dr. Gerhard Eisenbeis, Mainz (Lichtverschmutzung und ihre fatalen Folgen für Tiere)
Dr. Oliver Larbolette, Freiburg (Allergien auf dem Vormarsch)
Dr. Theres Lüthi, Zürich (Die Forschung an embryonalen Stammzellen)
Professor Dr. Wilfried Wichard, Köln (Bernsteinforschung)

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