Direkt zum Inhalt

Kompaktlexikon der Biologie: Erythrocyten

Erythrocyten, rote Blutkörperchen, rote Blutzellen, bei Säugetieren (inklusive Mensch) kernlose, bei anderen Wirbeltieren und verschiedenen Wirbellosen kernhaltige, im Blut zirkulierende Zellen, die im Dienste des Gastransports stehen. Der normale Säuger-Erythrocyt erscheint im Lichtmikroskop als runde Scheibe mit beiderseits zentraler Eindellung ( vgl. Abb. ). Diese Form führt zu einem günstigen Verhältnis von Oberfläche zu Volumen, was für den Gasaustausch wichtig ist. E. können ihre Form ändern und dadurch selbst durch engste Blutkapillaren strömen ( vgl. Abb. ). Diese Verformbarkeit beeinflusst auch die Fließeigenschaften des Blutes. Die äußere Hülle der E. wird von einer Membran mit stark ausgebildetem Membranskelett gebildet, das die bikonkave Form bei gleichzeitiger Flexibilität gewährleistet. Innere Membranen existieren im reifen E. nicht mehr. Dieser enthält eine sehr hohe Konzentration von Hämoglobin (90 % des Trockengewichts) sowie die Enzyme der Glykolyse (zur ATP-Gewinnung), des Pentosephosphatzyklus (zur Bereitstellung von NADH + H+) und des Glutathion-Redoxsystems (Glutathion). Auf der Plasmamembran der E. finden sich verschiedene Blutgruppenspezifitäten, so z.B. das ABO-System und der Rhesusfaktor, in der Plasmamembran eine Reihe von Transportsystemen, die der Aufrechterhaltung des inneren Milieus dienen.

Die Lebensdauer der E. beträgt etwa 120 Tage. Da eine Proteinsynthese im kernlosen E. nicht möglich ist, wird die Alterung der E. durch die Inaktivierung der Stoffwechselenzyme bedingt. Limitierendes Enzym ist die Hexokinase. E. benötigen Energie in Form von ATP (Adenosinphosphate) vor allem für die Aufrechterhaltung der Membranfunktion (Form- und Volumenkonstanz), für den Elektrolytaustausch und die Reduktion des oxidierten Hämoglobins. Geht die ATP-Produktion zurück, verändert sich der E. zunächst in eine stechapfelförmige, dann in eine kugelförmige Zelle mit rigider Membran und wird überwiegend durch Erythrophagen in Leber und Milz abgebaut. Aus Abweichungen von der Form, der Größe, dem Hämoglobingehalt und der Färbbarkeit lassen sich Rückschlüsse auf pathologische Prozesse ziehen.



Erythrocyten: Links rasterelektronenmikroskopische Aufnahme von Erythrocyten, die deren charakteristische, eingedellte Form zeigt. Daneben durch extremen Vitamin-E-Mangel verformte Erythrocyten; die Erythrocytenmembran weist unregelmäßige Ausbuchtungen auf



Erythrocyten: Schematische Darstellung der Deformierbarkeit von Erythrocyten

Lesermeinung

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

  • Die Autoren

Redaktion:
Dipl.-Biol. Elke Brechner (Projektleitung)
Dr. Barbara Dinkelaker
Dr. Daniel Dreesmann

Wissenschaftliche Fachberater:
Professor Dr. Helmut König, Institut für Mikrobiologie und Weinforschung, Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Professor Dr. Siegbert Melzer, Institut für Pflanzenwissenschaften, ETH Zürich
Professor Dr. Walter Sudhaus, Institut für Zoologie, Freie Universität Berlin
Professor Dr. Wilfried Wichard, Institut für Biologie und ihre Didaktik, Universität zu Köln

Essayautoren:
Thomas Birus, Kulmbach (Der globale Mensch und seine Ernährung)
Dr. Daniel Dreesmann, Köln (Grün ist die Hoffnung - durch oder für Gentechpflanzen?)
Inke Drossé, Neubiberg (Tierquälerei in der Landwirtschaft)
Professor Manfred Dzieyk, Karlsruhe (Reproduktionsmedizin - Glück bringende Fortschritte oder unzulässige Eingriffe?)
Professor Dr. Gerhard Eisenbeis, Mainz (Lichtverschmutzung und ihre fatalen Folgen für Tiere)
Dr. Oliver Larbolette, Freiburg (Allergien auf dem Vormarsch)
Dr. Theres Lüthi, Zürich (Die Forschung an embryonalen Stammzellen)
Professor Dr. Wilfried Wichard, Köln (Bernsteinforschung)

Partnervideos