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Kompaktlexikon der Biologie: Gewässergüte

Gewässergüte, der qualitative Zustand eines Gewässers hinsichtlich der organischen Belastung. Zur Beschreibung und als Maßstab für die G. dienen chemische Parameter und die Bewertung von Indikatororganismen (Saprobiensystem bei Fließgewässern). Als charakteristische chemische Daten zählen der Sauerstoffgehalt (O2), der biochemische Sauerstoffbedarf nach fünf Tagen (BSB5) sowie der Stickstoffgehalt als Ammonium (NH4-N), Nitrit (NO2-N) und Nitrat (NO3-N; Nitrifikation). Indikatororganismen zeigen die organische Verschmutzung von Fließgewässern an und werden bei der Einteilung der Gewässer in Güteklassen mit berücksichtigt. Heute werden in Deutschland für die Güteklassifizierung eines Gewässers vier Klassen (I, II, III, IV) und drei Zwischenklassen (I-II, II-III, III-IV) verwendet:

Güteklasse I (oligosaprobe Zone): unbelastet bis sehr gering belastet. Hierzu gehören i.Allg. Quellgebiete und nur sehr gering belastete Oberläufe von sommerkalten Fließgewässern. Der Saprobienindex liegt bei 1,0 – 1,5.

Güteklasse I-II: gering belastet. Saprobienindex 1,5 – 1,8.

Güteklasse II (β-mesosaprobe Zone): mäßig belastet. Hierzu gehören Gewässer mit mäßiger Verunreinigung durch organische Stoffe und deren Abbauprodukten. Es tritt jedoch kein Faulschlamm auf. Diese Gewässer sind meist sehr fischreich und dicht mit Algen, höheren Gefäßpflanzen und vor allem mit Schnecken, Kleinkrebsen und Insekten besiedelt. Der Saprobienindex liegt bei 1,8 – 2,3.

Güteklasse II-III: kritisch belastet. Saprobienindex 2,3 – 2,7.

Güteklasse III (α-mesosaprobe Zone): stark verschmutzt. Durch Abwasserbelastungen ist das Wasser getrübt. An Stellen geringer Strömung lagert sich Faulschlamm ab. Diese Gewässer sind relativ fischarm und sind überwiegend mit Wirbellosen und Einzellern besiedelt, wobei oft Massenentwicklungen einzelner Arten (Wasserasseln, Egel, Schwämme) vorkommen. Der Saprobienindex liegt bei 2,7 – 3,2.

Güteklasse III-IV: sehr stark verschmutzt. Saprobienindex 3,2 – 3,5.

Güteklasse IV (polysaprobe Zone): übermäßig stark verschmutzt. Durch Abwasserbelastungen ist das Wasser stark getrübt und am Gewässerboden ist meist Faulschlamm abgelagert. Diese Gewässer werden fast ausschließlich von Bakterien, Pilzen und Geißeltierchen besiedelt. Der Saprobienindex liegt bei 3,5 – 4.

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  • Die Autoren

Redaktion:
Dipl.-Biol. Elke Brechner (Projektleitung)
Dr. Barbara Dinkelaker
Dr. Daniel Dreesmann

Wissenschaftliche Fachberater:
Professor Dr. Helmut König, Institut für Mikrobiologie und Weinforschung, Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Professor Dr. Siegbert Melzer, Institut für Pflanzenwissenschaften, ETH Zürich
Professor Dr. Walter Sudhaus, Institut für Zoologie, Freie Universität Berlin
Professor Dr. Wilfried Wichard, Institut für Biologie und ihre Didaktik, Universität zu Köln

Essayautoren:
Thomas Birus, Kulmbach (Der globale Mensch und seine Ernährung)
Dr. Daniel Dreesmann, Köln (Grün ist die Hoffnung - durch oder für Gentechpflanzen?)
Inke Drossé, Neubiberg (Tierquälerei in der Landwirtschaft)
Professor Manfred Dzieyk, Karlsruhe (Reproduktionsmedizin - Glück bringende Fortschritte oder unzulässige Eingriffe?)
Professor Dr. Gerhard Eisenbeis, Mainz (Lichtverschmutzung und ihre fatalen Folgen für Tiere)
Dr. Oliver Larbolette, Freiburg (Allergien auf dem Vormarsch)
Dr. Theres Lüthi, Zürich (Die Forschung an embryonalen Stammzellen)
Professor Dr. Wilfried Wichard, Köln (Bernsteinforschung)

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