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Kompaktlexikon der Biologie: Haustiere

Haustiere, i.e.S. zur Nutzbarmachung ihrer Produkte und Leistungen oder aus ideellen Gründen vom Menschen über eine Vielzahl von Generationen gehaltene Tiere, die sich durch künstliche Zuchtwahl morphologisch, physiologisch und ethologisch gegenüber ihren wildlebenden Vorfahren verändert haben und damit zu eigenen Rassen wurden. H. gibt es seit über 10000 Jahren. Als älteste H. gelten Schaf, Ziege, Rind und Hund, die der Mensch ursprünglich zunächst als Nahrungsmittel- und Rohstofflieferant genutzt hat. Die Verwendung von Haustieren als Trag- oder Zugtiere und der Gebrauch des Hundes als Jagdhelfer oder Hütehund folgten erst wesentlich später. Nur aus etwa 20 von insgesamt fast 4500 bekannten Säugetierarten entstanden durch Domestikation (Haustierwerdung) echte H. Wiederum nur ein kleiner Teil von diesen erreichte wirtschaftliche Bedeutung und weltweite Verbreitung. Die zur wissenschaftlichen Forschung gezüchteten Tiere (Tierversuche) sind hinsichtlich ihrer Domestikation jüngeren Datums. Auch unter den Vögeln ist die Zahl der Haustierformen gering im Vergleich zu ihrer Artenzahl. Unter den Fischen gibt es eine ganze Reihe von Arten, die als Nutz- und Zierfische zu H. des Menschen geworden sind. Zwar werden Honigbienen und Seidenspinner häufig als H. bezeichnet, streng genommen sind sie es jedoch nicht, da sie sich in Aussehen und natürlicher Lebensweise nicht geändert haben und sie vom Menschen nicht abhängig geworden sind. Ebensowenig gelten vom Menschen in Farmen gezüchtete, so genannte Pelztiere wie Silberfuchs, Nerz, Waschbär, Nutria oder Chinchilla als H. Die Mehrzahl der echten H. entstand in Eurasien. Aus Afrika stammen nur Esel, Katze und Perlhuhn. In Amerika wurden Guanako (als Lamas und Alpaka), Meerschweinchen, Truthuhn und Moschusente zu H. Werden H. wieder natürlichen Bedingungen ausgesetzt, so können sie auch wieder „verwildern“ (z.B. Dingo oder Mustangs).

Literatur: Benecke, H.: Der Mensch und seine Haustiere. Die Geschichte einer jahrtausendealten Beziehung, Stuttgart 1994. – Engelhardt, G.B.: Physiologie der Haustiere, Stuttgart 2000. – Herre, W., Röhrs, M.: Haustiere – zoologisch gesehen, Stuttgart 21990. – Salomon, F.-V., Geyer, H.: Atlas der angewandten Anatomie der Haustiere, Stuttgart 1997. – Schnott, B., Kressin, M.: Embryologie der Haustiere, Stuttgart 2001.

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  • Die Autoren

Redaktion:
Dipl.-Biol. Elke Brechner (Projektleitung)
Dr. Barbara Dinkelaker
Dr. Daniel Dreesmann

Wissenschaftliche Fachberater:
Professor Dr. Helmut König, Institut für Mikrobiologie und Weinforschung, Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Professor Dr. Siegbert Melzer, Institut für Pflanzenwissenschaften, ETH Zürich
Professor Dr. Walter Sudhaus, Institut für Zoologie, Freie Universität Berlin
Professor Dr. Wilfried Wichard, Institut für Biologie und ihre Didaktik, Universität zu Köln

Essayautoren:
Thomas Birus, Kulmbach (Der globale Mensch und seine Ernährung)
Dr. Daniel Dreesmann, Köln (Grün ist die Hoffnung - durch oder für Gentechpflanzen?)
Inke Drossé, Neubiberg (Tierquälerei in der Landwirtschaft)
Professor Manfred Dzieyk, Karlsruhe (Reproduktionsmedizin - Glück bringende Fortschritte oder unzulässige Eingriffe?)
Professor Dr. Gerhard Eisenbeis, Mainz (Lichtverschmutzung und ihre fatalen Folgen für Tiere)
Dr. Oliver Larbolette, Freiburg (Allergien auf dem Vormarsch)
Dr. Theres Lüthi, Zürich (Die Forschung an embryonalen Stammzellen)
Professor Dr. Wilfried Wichard, Köln (Bernsteinforschung)

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