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Kompaktlexikon der Biologie: Holz

Holz, sekundäres Xylem, die Gesamtheit der vom Kambium abgegebenen Zellen. Zu den Geweben des H. gehören Leitgewebe (Tracheen, Tracheiden), Festigungsgewebe (Sklerenchymfasern) und Parenchym (Speicher- und Leitparenchymzellen).

Das H. der Laubgehölze (Laubholz) ist komplizierter gebaut als das der Nadelgehölze ( vgl. Abb. ). Die auffälligsten Elemente des Laubholzes sind die Tracheen mit ihren weiten Lumina, die bei manchen Bäumen in gleicher Größe über das gesamte Holz verteilt sind, bei anderen nur im Frühjahr vorherrschen, während im Spätholz englumigere Tracheiden angelegt werden. Als Festigungsgewebe sind im Laubholz außerdem Holzfaserzellen vorhanden. Im Laubholz ist immer mehr Parenchym vorhanden als im Nadelholz. Das Parenchym umgibt die längs verlaufenden Gefäße als Holzparenchym, während das Markstrahlparenchym in einer oder mehreren Schichten genau wie beim Nadelholz radial verläuft. Es bildet mit dem H.-Parenchym ein zusammenhängendes System lebender Zellen.

Bei den meisten Gymnospermen ist das H. relativ einfach gebaut. Das Nadelholz besteht vorwiegend aus Tracheiden, deren Wände je nach der Jahreszeit, in der sie gebildet werden, verschieden stark verdickt sind. Im Frühjahr werden weitlumige Tracheiden angelegt, die ausschließlich der Wasserleitung dienen (Frühholz), während im Spätsommer zunehmend englumigere Zellen mit dickeren Zellwänden gebildet werden, die vorwiegend als Festigungselemente fungieren (Spätholz). Zwischen den Tracheiden befinden sich Harzkanäle, die von Holzparenchymzellen umgeben sind, das H. längs durchziehen und mit benachbarten Harzgängen durch Querverbindungen netzartig verbunden sind. Die Markstrahlen dagegen, die im Nadelholz meist nur aus einer Zellschicht bestehen, verlaufen vorwiegend radial.

Zwischen dem Spätholz des einen Jahres und dem Frühholz des nächsten Jahres besteht meist eine scharfe Grenze. Diese kommt dadurch zustande, dass in der gemäßigten Zone im Frühjahr (Frühholz) großlumigere Zellen angelegt werden als im Spätsommer (Spätholz). Dabei bildet sich eine deutliche Jahresring-Grenze ( vgl. Abb. ). Man kann deshalb fast immer den Zuwachs des Baumes innerhalb eines Jahres erkennen und durch Auszählen der Jahresringe das Alter des betreffenden Baumes feststellen (Altersbestimmung). Nur bei tropischen Holzgewächsen mit kontinuierlicher Entwicklung während des gesamten Jahres fehlen die Jahresringe.

Die jüngsten, peripheren Jahresringe bilden bei den meisten Bäumen das Splintholz oder das Weichholz, dessen lebende Zellen Wasser leitend und Stoff speichernd sind, während die älteren, zentralen Jahresringe den aus toten Zellen bestehenden Kern, das Kernholz (Hartholz) bilden, das allein der Festigung dient. Das Kernholz ist oft wirtschaftlich wertvoller als das Splintholz, da es bei vielen Baumarten durch bestimmte Stoffeinlagerungen, z.B. Gerbstoffe, vor der Zersetzung geschützt ist. In das Kernholz sind außerdem oft Farbstoffe eingelagert. Die Gefäße des Kernholzes können durch blasenförmige Ausstülpungen der Tüpfelschließhäute (Thyllen) verstopft sein.

Zu den zahlreichen Funktionen des H. gehören vor allem die Wasserleitung, die Erhöhung der Festigkeit des Spross- und Wurzelsystems und die Speicherung organischer Substanzen.



Holz: 1 Blockschema des Angiospermenholzes (Birke) und 2 des Gymnospermenholzes (Kiefer). eS englumiges Spätholz, gF großlumiges Frühholz, Hk Harzkanal, Ms Mark- bzw. Holzstrahlen, Pz Parenchymzelle, Tü Tüpfel. 3 Ausschnitt aus einem vierjährigen Kiefernzweig. a Bast, b Kambium, c Markstrahlen, (quer), d Harzgang, e Jahresgrenze, f Spätholz, g Frühholz, h Mark, i Markstrahlen (im Bast), k Markstrahlen (tangential), l primäre Markstrahlen, m Holzstrahlen, Q Querschnitt, R radialer Längsschnitt, T tangentialer Längsschnitt



Holz: Stammquerschnitte einer Jahrhunderte alten Kiefer. Etwa alle elf Jahre (durch Kreuzchen markiert) zeigen die Jahresringe in Abhängigkeit von der Rhythmik der Sonnenfleckenhäufigkeit ein besonders starkes Wachstum

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Professor Dr. Gerhard Eisenbeis, Mainz (Lichtverschmutzung und ihre fatalen Folgen für Tiere)
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Professor Dr. Wilfried Wichard, Köln (Bernsteinforschung)

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