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Kompaktlexikon der Biologie: Kastration

Kastration, in der Humanmedizin und in der Veterinärmedizin die operative Entfernung der männlichen bzw. weiblichen Keimdrüsen oder ihre Zerstörung durch Röntgenbestrahlung (nicht mehr gebräuchlich) bzw. die Ausschaltung ihrer Wirkung durch Gabe von Hormonen (chemische K.). In jedem Fall hat K. die Zeugungsunfähigkeit (Sterilität) zur Folge, da keine Eizellen oder Spermien mehr gebildet werden. Wird die K. im Kindesalter vorgenommen, so führt das Fehlen der Geschlechtshormone dazu, dass die Ausbildung aller sekundären Geschlechtsmerkmale unterbleibt und die kindliche Stimmlage erhalten bleibt („Kastratenstimme“). Außerdem zeigen die Gliedmaßen ein übernormales Längenwachstum, da die Verknöcherung der Epiphysen verspätet eintritt. Bei einer K. im Erwachsenenalter sind die körperlichen Veränderungen geringer (Eunuch). Bei Frauen zeigen sich die gleichen Erscheinungen wie nach dem natürlichen Versiegen der Tätigkeit der Eierstöcke in den Wechseljahren. Häufig treten bei beiden Geschlechtern Stoffwechselstörungen auf, die eine Neigung zum Fettansatz begünstigen. Das sexuelle Verlangen kann geringer werden oder ganz versiegen und oft treten starke psychische Probleme auf. Eine zwangsweise K. ist in Deutschland verboten. K. wird bei bestimmten Erkrankungen (insbesondere Tumoren) als Heilbehandlung eingesetzt.

In der Veterinärmedizin wird vor allem die K. von männlichen Nutztieren vorgenommen, um z.B. unerwünschte Paarungen zu vermeiden, zahmere Arbeitstiere zu erhalten, oder auch, um bei Masttieren einen besseren Fettansatz und wohlschmeckenderes Fleisch zu erhalten. Die männlichen Kastrate heißen beim Pferd Wallach, beim Rind Ochse, beim Haushuhn Kapaun und beim Schaf Hammel.

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  • Die Autoren

Redaktion:
Dipl.-Biol. Elke Brechner (Projektleitung)
Dr. Barbara Dinkelaker
Dr. Daniel Dreesmann

Wissenschaftliche Fachberater:
Professor Dr. Helmut König, Institut für Mikrobiologie und Weinforschung, Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Professor Dr. Siegbert Melzer, Institut für Pflanzenwissenschaften, ETH Zürich
Professor Dr. Walter Sudhaus, Institut für Zoologie, Freie Universität Berlin
Professor Dr. Wilfried Wichard, Institut für Biologie und ihre Didaktik, Universität zu Köln

Essayautoren:
Thomas Birus, Kulmbach (Der globale Mensch und seine Ernährung)
Dr. Daniel Dreesmann, Köln (Grün ist die Hoffnung - durch oder für Gentechpflanzen?)
Inke Drossé, Neubiberg (Tierquälerei in der Landwirtschaft)
Professor Manfred Dzieyk, Karlsruhe (Reproduktionsmedizin - Glück bringende Fortschritte oder unzulässige Eingriffe?)
Professor Dr. Gerhard Eisenbeis, Mainz (Lichtverschmutzung und ihre fatalen Folgen für Tiere)
Dr. Oliver Larbolette, Freiburg (Allergien auf dem Vormarsch)
Dr. Theres Lüthi, Zürich (Die Forschung an embryonalen Stammzellen)
Professor Dr. Wilfried Wichard, Köln (Bernsteinforschung)

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