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Kompaktlexikon der Biologie: Kläranlage

Kläranlage, Anlage zur Abwasserreinigung, die meist aus einer mechanischen und einer biologischen Stufe besteht. In Deutschland wird überwiegend das Belebtschlammverfahren eingesetzt. Dabei werden zunächst in einem Vorklärbecken die gröberen Abfälle durch Siebe, Rechen und einen Sandfang entfernt. In der biologischen Klärstufe werden anschließend im Belebtschlammbecken die organischen Inhaltsstoffe des Abwassers durch Mikroorganismen abgebaut ( vgl. Abb. ). Der Belebtschlamm enthält zahlreiche Vertreter der Destruenten-Saprophagen-Nahrungskette, also hauptsächlich Bakterien, Pilze, Bakterien und Protozoen fressende Ciliaten und einige Rotatorien- und Nematodenarten. Um einen optimalen aeroben Abbau zu gewährleisten, wird das Belebtschlammbecken künstlich belüftet. Die noch verbliebene Biomasse sedimentiert in einem Nachklärbecken (Absetzbecken). Ein Teil des Belebtschlamms und der in der Vorklärung anfallende Schlamm gelangen in den Faulturm. Dieser Schlamm wird einer anaeroben Behandlung unterworfen. Ohne diese Behandlung würde der Schlamm aufgrund seiner Zusammensetzung (hohe Gehalte an Kohlenhydraten, Fetten und Eiweißen) rasch faulen und zu Geruchsbelästigungen führen. Nach Trocknung des Faulschlamms entsteht Klärschlamm. Das im Faulturm entstehende Biogas kann zu Heizzwecken genutzt werden. Oft ist dem Nachklärbecken noch eine zusätzliche Reinigungsstufe nachgeschaltet, in der Phosphate ausgefällt werden.

Eine Alternative zum Belebtschlammverfahren ist die biologische Abwasserreinigung in so genannten Tropfkörpern, in denen das Abwasser über Steine, Schlacken oder Kunststoffwaben geleitet wird, die auf der Oberfläche Bakterien, Ciliaten und andere Detritusfresser beherbergen.



Kläranlage: Schematische Darstellung einer zweistufigen Kläranlage für häusliches Abwasser. In der mechanischen Stufe werden gröbere Abfälle mechanisch entfernt. In der biologischen Stufe werden im Abwasser enthaltene organische Inhaltsstoffe biologisch abgebaut. An diesem Abbau sind hauptsächlich Bakterien beteiligt. Alternativ zum Belebtschlammverfahren kann das Abwasser auch über so genannte Tropfkörper geleitet werden

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  • Die Autoren

Redaktion:
Dipl.-Biol. Elke Brechner (Projektleitung)
Dr. Barbara Dinkelaker
Dr. Daniel Dreesmann

Wissenschaftliche Fachberater:
Professor Dr. Helmut König, Institut für Mikrobiologie und Weinforschung, Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Professor Dr. Siegbert Melzer, Institut für Pflanzenwissenschaften, ETH Zürich
Professor Dr. Walter Sudhaus, Institut für Zoologie, Freie Universität Berlin
Professor Dr. Wilfried Wichard, Institut für Biologie und ihre Didaktik, Universität zu Köln

Essayautoren:
Thomas Birus, Kulmbach (Der globale Mensch und seine Ernährung)
Dr. Daniel Dreesmann, Köln (Grün ist die Hoffnung - durch oder für Gentechpflanzen?)
Inke Drossé, Neubiberg (Tierquälerei in der Landwirtschaft)
Professor Manfred Dzieyk, Karlsruhe (Reproduktionsmedizin - Glück bringende Fortschritte oder unzulässige Eingriffe?)
Professor Dr. Gerhard Eisenbeis, Mainz (Lichtverschmutzung und ihre fatalen Folgen für Tiere)
Dr. Oliver Larbolette, Freiburg (Allergien auf dem Vormarsch)
Dr. Theres Lüthi, Zürich (Die Forschung an embryonalen Stammzellen)
Professor Dr. Wilfried Wichard, Köln (Bernsteinforschung)

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