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Kompaktlexikon der Biologie: Korallenriff

Korallenriff, bis an oder über den Meeresspiegel aufragende Kalkablagerungen, die hauptsächlich durch Kalk abscheidende, in Kolonien lebende Steinkorallen (Madreporaria) aufgebaut werden. K. kommen vorwiegend im Küstenbereich tropischer Meere vor, da die meisten Riff bildenden Korallen Temperaturen von über 20 °C zum Wachstum benötigen. Der Aufbau eines K. geht sehr langsam vor sich, ein 50 m hohes Riff ist etwa 1800 Jahre alt.
Rifftypen. Man unterscheidet unterschiedliche Formen von K.: Korallenbänke sind breite, von Riffkorallen bewachsene Untiefen. Saumriffe treten in der Nähe der Küste auf und sind von dieser durch flache Lagunen getrennt. Zu den weiter von der Küste entfernten Barriereriffen gehört auch das Great Barrier Reef vor der Ostküste Australiens mit rund 2000 km Länge. Atolle sind ringförmige K., die eine zentrale Lagune umschließen.

Riffbildung. Die Polypen der Riff bildenden Formen der Madreporaria scheiden an der Fußscheibe ein Außenskelett aus Kalk ab, das zu mehr als 98 % aus CaCO3 (Calciumcarbonat) besteht. Durch Wachstum der Steinkoralle wird der Kalksockel immer dicker. Der Durchmesser der Steinkorallen beträgt etwa 1 cm. Auch verkalkende, krustenförmig wachsende Rotalgen und Kalk abscheidende Grünalgen tragen zum Aufbau von K. bei.

Endosymbionten. Einen wesentlichen Anteil an der Primärproduktion von K. haben die endosymbiontisch (Endosymbiose) in Entodermzellen der Korallen lebenden Dinoflagellaten (Dinophyta). Die als Zooxanthellen bezeichneten gelbbraunen einzelligen Endosymbionten sind fotoautotroph und tragen wesentlich zur Ernährung der Polypen bei. Die Symbionten decken bis zu 80 % des Energiebedarfs der Korallen durch Lieferung von Glycerin, Glucose und Aminosäuren. Pro cm2 Korallenpolyp sind ca. eine Mio. Algenzellen enthalten. Aufgrund der Lichtansprüche ihrer Endosymbionten können Steinkorallen nur in der belichteten oberen Wasserschicht (meist bis 25 m, bei klarem Wasser bis 170 m) leben. Bei Stress (z.B bei zu starker Wassererwärmung) stoßen die Korallen ihre Zooxanthellen aus, was zum Absterben der Korallen führen kann.

Riffbewohner. K. beherbergen zahlreiche Tier- und Pflanzenarten ( vgl. Abb. ) und werden aufgrund ihrer Artenvielfalt auch die „Regenwälder der Meere“ genannt. Auf den abgestorbenen Korallen wachsen Schwämme, Lederkorallen, Hornkorallen, Moostierchen, Seescheiden und Röhrenwürmer. Einsiedlerkrebse und Rankenfüßer sind meist völlig in den Korallenstock eingewachsen. Weitere Bewohner der K. sind Seeigel, Plattwürmer, Schlangensterne, Seewalzen, Grundeln, Garnelen, Krebse, Schnecken, Seesterne und zahlreiche Fische (davon viele phytophage Arten).

Ein großer Teil der K. gilt heute als akut bedroht. Hauptursachen für das Absterben von K. sind die globale Erwärmung (Treibhauseffekt) und die Verschmutzung der Gewässer.



Korallenriff: Schema der Makrofauna von Korallenriffen der Malediven

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Professor Dr. Walter Sudhaus, Institut für Zoologie, Freie Universität Berlin
Professor Dr. Wilfried Wichard, Institut für Biologie und ihre Didaktik, Universität zu Köln

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Thomas Birus, Kulmbach (Der globale Mensch und seine Ernährung)
Dr. Daniel Dreesmann, Köln (Grün ist die Hoffnung - durch oder für Gentechpflanzen?)
Inke Drossé, Neubiberg (Tierquälerei in der Landwirtschaft)
Professor Manfred Dzieyk, Karlsruhe (Reproduktionsmedizin - Glück bringende Fortschritte oder unzulässige Eingriffe?)
Professor Dr. Gerhard Eisenbeis, Mainz (Lichtverschmutzung und ihre fatalen Folgen für Tiere)
Dr. Oliver Larbolette, Freiburg (Allergien auf dem Vormarsch)
Dr. Theres Lüthi, Zürich (Die Forschung an embryonalen Stammzellen)
Professor Dr. Wilfried Wichard, Köln (Bernsteinforschung)

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