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Kompaktlexikon der Biologie: Nase

Nase, Nasus, chemisches Sinnesorgan (chemische Sinne) der Wirbeltiere und des Menschen zur Geruchswahrnehmung (olfaktorische Wahrnehmung). Die Nase dient der Prüfung von Atemwasser, Atemluft und Nahrung. Sinneszellen der Nase sind stets primäre Sinneszellen. Sie bilden zusammen mit Stützzellen ein einschichtiges Epithel, das Teile der Nasenhöhle auskleidet. Die Innervierung der Sinneszellen erfolgt durch den I. Hirnnerv, den Nervus olfactorius.

Unter rezenten Kieferlosen (Agnatha) besitzt Petromyzon einen hinten geshlossenen Nasenhypophysengang und bei Myxine mündet ein solcher Gang in den Darm. Kiefer tragende Wirbeltiere (Gnathostomata) haben eine doppelte (paarige) Nase. Stammesgeschichtlich tritt erstmals bei den Rhipidistia eine Verbindung von der Nase zum Rachen auf, der paarige Nasen-Rachen-Gang (Ductus naso-pharyngeus); die Mündungen im Rachen sind die inneren Nasenöffnungen oder Choanen. Bei Tetrapoden verkümmert der Gang von der Riechhöhle zur hinteren äußeren Nasenöffnung und wird zum Tränen-Nasen-Gang (Ductus naso-lacrimalis). Der Vergrößerung des Riechepithels und damit der Leistungssteigerung des Geruchsvermögens dienen generell Erweiterungen der Riechhöhle und Auffaltungen des Epithels.

Bei manchen Säugern bildet die Nase einen mehr oder weniger deutlichen Vorsprung gegenüber Lippen- und Wangenregion. Dieser wird als äußere Nase von der Nasenhöhle oder inneren Nase unterschieden. Beim Menschen wird die äußere Nase durch das paarige Nasenbein (Os nasale), den unpaaren Nasenscheidewandknorpel (Cartilago septi nasi), die an dessen Spitze gelegenen bogenförmigen Nasenknorpel, die die Nasenöffnungen (Nasenlöcher, Nares) begrenzen, sowie die muskulösen Nasenflügel gebildet. Bei Affen und vielen anderen Tieren dagegen ragt die Nase kaum vor, sondern bildet meist eine Einheit mit der mehr oder weniger stark vorspringenden Schnauze. Nur bei Elefanten und Tapiren sind Nase und Oberlippe zu einem Rüssel ausgewachsen.

Die innere Nase oder Nasenhöhle (Cavum nasi) ist der Bereich des eigentlichen Riechorgans ( vgl. Abb. ). Die Nasenhöhle wird durch die Nasenscheidewand (Septum nasi) aus septumartigen Auswachsungen vom Siebbein (Ethmoid), Pflugscharbein (Vomer) sowie dem Nasenscheidewandknorpel in eine rechte und linke Hälfte geteilt. In jede Hälfte ragen mehrere, beim Menschen als Nasenmuscheln (Conchae nasales), beim Tier als Turbinalia bezeichnete Knochenlamellen, die von Schleimhaut überzogen sind und die innere Oberfläche vergrößern. Nur bestimmte Bereiche der Nasenhöhle enthalten in der Schleimhaut Riechzellen. Beim Menschen ist diese olfaktorische Region das Dach der Nasenhöhle und die Medianseite der oberen Nasenmuschel. – Bei Vögeln ist das Geruchsvermögen i.Allg. sehr schlecht ausgebildet. Die Nase hat bei manchen Arten einen Funktionswechsel erfahren: einige Seevögel regulieren ihren Salzhaushalt durch eine in der Nasenhöhle gelegene Salzdrüse. (Geruchsorgane, Geruchssinn)



Nase: Blick auf die innere Seitenwand der Nase des Menschen. Bo Bulbus olfactorius, GK Bereiche mit Geschmacksknospen, Jo Jacobson-Organ, Nm Nasenmuscheln, No Nervi olfactorii (Fortsetzung des Riechnerven), R Riechepithel, Z Zunge

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Professor Dr. Walter Sudhaus, Institut für Zoologie, Freie Universität Berlin
Professor Dr. Wilfried Wichard, Institut für Biologie und ihre Didaktik, Universität zu Köln

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Thomas Birus, Kulmbach (Der globale Mensch und seine Ernährung)
Dr. Daniel Dreesmann, Köln (Grün ist die Hoffnung - durch oder für Gentechpflanzen?)
Inke Drossé, Neubiberg (Tierquälerei in der Landwirtschaft)
Professor Manfred Dzieyk, Karlsruhe (Reproduktionsmedizin - Glück bringende Fortschritte oder unzulässige Eingriffe?)
Professor Dr. Gerhard Eisenbeis, Mainz (Lichtverschmutzung und ihre fatalen Folgen für Tiere)
Dr. Oliver Larbolette, Freiburg (Allergien auf dem Vormarsch)
Dr. Theres Lüthi, Zürich (Die Forschung an embryonalen Stammzellen)
Professor Dr. Wilfried Wichard, Köln (Bernsteinforschung)

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