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Kompaktlexikon der Biologie: Nomenklatur

Nomenklatur, die wissenschaftliche Benennung von Organismengruppen nach festgelegten internationalen Regeln. Vorteil der wissenschaftlichen Namen ist, dass sie im Unterschied zu den volkstümlichen Namen (Trivialnamen) international gültig sind und somit eine Verständigungsbasis innerhalb der Biologie schaffen. Die Nomenklaturregeln bzw. deren Änderungen werden auf internationalen Kongressen beschlossen. Ein wissenschaftlicher Name gilt erst dann als verfügbar, wenn er gleichzeitig mit der Beschreibung (Diagnose) des benannten Taxons und der Angabe eines Typus, auf den sich die Beschreibung bezieht, gültig, d.h. gedruckt in der einschlägigen Fachliteratur veröffentlicht wird. Typusexemplare sollen in wissenschaftlichen Institutionen aufbewahrt werden, um für weitere wissenschaftliche Untersuchungen zur Verfügung zu stehen. Ist ein Taxon mehrfach benannt worden, so ist nach der Prioritätsregel der Name gültig, der als erster veröffentlicht wurde. Dabei geht man in der Botanik bei höheren Pflanzen bis auf C. von Linnés Species plantarum (1753) und in der Zoologie bis zu Linnés Systema naturae (10. Auflage 1758) zurück. Jüngere, anderslautende Namen für das gleiche Taxon heißen Synonyme, gleichlautende Namen für verschiedene Taxa hingegen Homonyme.

Für jede Organismenart (Tiere, Pflanzen, Pilze, Bakterien, Archaea, Viren) gilt, dass jede Art durch zwei Wörter, den voranstehenden, groß geschriebenen Gattungsnamen und ein nachgestelltes, klein geschriebenes Beiwort (Epitheton) benannt wird (binäre Nomenklatur). Dabei müssen in der botanischen N. Gattungsname und Beiwort verschieden sein, während in der zoologischen N. Tautonyme, d.h. Gattungsname und Beiwort sind gleich (z.B. Bufo bufo), zugelassen sind. Wird eine Art aufgrund neuer Erkenntnisse in eine andere Gatt. überführt, so wird der Name des Erstbeschreibers in Klammern gesetzt, und nur in der Botanik folgt dahinter der Name des revidierenden Autors, z.B. Melilotus officinalis (L.) Pallas, Steinklee. Gruppen oberhalb des Artniveaus werden wissenschaftlich nur mit einem latein. oder latinisierten Wort benannt. International festgelegt sind hier jeweils die Endungen für bestimmte Taxa; so z.B. für Pflanzenfamilien -aceae (Liliaceae), für Tierfamilien -idae (Canidae). Unterarten werden in der Zoologie durch Hinzufügen eines dritten Namens benannt und als Rassen bezeichnet, so z.B. Mus musculus musculus. In der Botanik wird zwischen Artnamen und Unterartnamen die Bez. subspezies, abgekürzt ssp. eingefügt, so z.B. Trifolium pratense ssp. sativum. Ebenso wird bei der nur in der Botanik gebräuchlichen weiteren systematischen Untergliederung in Varietät (var.) und Form (f.) verfahren.

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  • Die Autoren

Redaktion:
Dipl.-Biol. Elke Brechner (Projektleitung)
Dr. Barbara Dinkelaker
Dr. Daniel Dreesmann

Wissenschaftliche Fachberater:
Professor Dr. Helmut König, Institut für Mikrobiologie und Weinforschung, Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Professor Dr. Siegbert Melzer, Institut für Pflanzenwissenschaften, ETH Zürich
Professor Dr. Walter Sudhaus, Institut für Zoologie, Freie Universität Berlin
Professor Dr. Wilfried Wichard, Institut für Biologie und ihre Didaktik, Universität zu Köln

Essayautoren:
Thomas Birus, Kulmbach (Der globale Mensch und seine Ernährung)
Dr. Daniel Dreesmann, Köln (Grün ist die Hoffnung - durch oder für Gentechpflanzen?)
Inke Drossé, Neubiberg (Tierquälerei in der Landwirtschaft)
Professor Manfred Dzieyk, Karlsruhe (Reproduktionsmedizin - Glück bringende Fortschritte oder unzulässige Eingriffe?)
Professor Dr. Gerhard Eisenbeis, Mainz (Lichtverschmutzung und ihre fatalen Folgen für Tiere)
Dr. Oliver Larbolette, Freiburg (Allergien auf dem Vormarsch)
Dr. Theres Lüthi, Zürich (Die Forschung an embryonalen Stammzellen)
Professor Dr. Wilfried Wichard, Köln (Bernsteinforschung)

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