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Kompaktlexikon der Biologie: Plasmodium

Plasmodium, 1) Bei Pilzen eine nackte (zellwandlose), vielkernige Protoplasmamasse, die sich amöboid bewegt und ernährt; Form und Größe des P. sind sehr variabel; die Mehrkernigkeit entsteht durch wiederholte mitotische Kernteilungen, ohne dass sich die Zelle teilt. Pseudoplasmodien (Aggregationsplasmodien) sind im Gegensatz zu Plasmodien Zellanhäufungen, bei denen die Zellgrenzen erhalten bleiben (z.B. bei Dictyostelium).

2) Zoologie: Gatt. der Haemosporida; einzellige Blut- und Gewebeparasiten, die in der herkömmlichen Systematik zu den Sporozoa gestellt wurde. Eine Infektion mit bestimmten Arten von P. verursacht beim Menschen verschiedene Formen der Malaria. Überträger sind Stechmücken der Gatt. Anopheles sowie Aedes und Culex. Zwischenwirte sind Reptilien, Vögel und Säugetiere (vor allem Nagetiere und Primaten), Endwirte sind die übertragenden Mücken.

Lebenszyklus: Die Sporozoiten greifen im Zwischenwirt zunächst Leberparenchymzellen an, in denen sich zu bis 1 mm großen Schizonten entwickeln, die mehrere tausend Merozoiten bilden (Schizogonie). ( vgl. Abb. ) Diese dringen in der nächsten Krankheitsphase in die Erythrocyten ein, wo sie sich ebenfalls durch Schizogonie vermehren, jedoch werden weniger Merozoiten freigesetzt. Da die Teilungen nach einigen Tagen synchron verlaufen, treten bei den Zwischenwirten Parasiten- und, mit diesen verbunden, Krankheitsschübe auf. Die Merozoiten decken ihren Eiweißbedarf durch das Hämoglobin. Beim Zerfall der Erythrocyten frei werdende Zellfragmente führen zu den charakteristischen Fieberanfällen. Aus den Merozoiten entstehen nach zehn Tagen männlich und weiblich determinierte Gamonten. Diese können sich erst im Darm des Endwirts (einer Mücke) weiterentwickeln bis zur Freisetzung von Gameten (Gametogamie). Die befruchteten, amöboid beweglichen Eizellen (Ookineten) setzen sich in der Darmwand des Wirts fest, werden eingekapselt und entwickeln sich in der Kapsel zu zahlreichen Sporozoiten (Sporogonie). Diese gelangen nach dem Platzen der Kapsel über die Hämolymphe in die Speicheldrüsen, von wo aus sie wieder in den Zwischenwirt gelangen.



Plasmodium: Lebenszyklus von Plasmodium spec. 1 Gametogonie, die im Erythrocyten des Menschen beginnt und im Darm der Mücke endet; 2 Sporogonie im Körper der Mücke; 3 Schizogonie im Leberparenchym und später in den Erythrocyten des Menschen

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Redaktion:
Dipl.-Biol. Elke Brechner (Projektleitung)
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Professor Dr. Walter Sudhaus, Institut für Zoologie, Freie Universität Berlin
Professor Dr. Wilfried Wichard, Institut für Biologie und ihre Didaktik, Universität zu Köln

Essayautoren:
Thomas Birus, Kulmbach (Der globale Mensch und seine Ernährung)
Dr. Daniel Dreesmann, Köln (Grün ist die Hoffnung - durch oder für Gentechpflanzen?)
Inke Drossé, Neubiberg (Tierquälerei in der Landwirtschaft)
Professor Manfred Dzieyk, Karlsruhe (Reproduktionsmedizin - Glück bringende Fortschritte oder unzulässige Eingriffe?)
Professor Dr. Gerhard Eisenbeis, Mainz (Lichtverschmutzung und ihre fatalen Folgen für Tiere)
Dr. Oliver Larbolette, Freiburg (Allergien auf dem Vormarsch)
Dr. Theres Lüthi, Zürich (Die Forschung an embryonalen Stammzellen)
Professor Dr. Wilfried Wichard, Köln (Bernsteinforschung)

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