Direkt zum Inhalt

Kompaktlexikon der Biologie: Psychoneuroimmunologie

Psychoneuroimmunologie, wissenschaftliche Disziplin, welche die Erforschung des Wechselspiels zwischen Psyche, Nerven- und Immunsystem zur Aufgabe hat. Die Aufklärung der Wechselwirkung zwischen Nervensystem und Immunsystem ist eine wichtige Grundlage zum Verständnis des Einflusses der Gefühlswelt auf physiologische Prozesse und umgekehrt. Schon lange bekannt ist, dass Stress zu einer Unterdrückung der Immunabwehr führt. Die Regelkreise zwischen Nervensystem und Immunsystem, die in ihrer Gesamtheit ein komplexes Netzwerk bilden, sind noch nicht hinreichend verstanden. Nachgewiesen wurde, dass Zellen des Immunsystems (z.B. Makrophagen) Rezeptoren für Neurotransmitter besitzen, und dass z.B. Geschwindigkeit und Bewegungsrichtung von Makrophagen durch Neurotransmitter beeinflusst werden können. Von Immunzellen produzierte Cytokine wiederum stimulieren den Hypothalamus. Eine wichtige Vermittlerrolle spielen in diesem Zusammenhang Hormone. Insbesondere das Corticotropin-Releasing-Hormon (CRH) ist eine Schlüsselsubstanz. Vom Hypothalamus produziert, veranlasst es die Hypophyse zur Produktion von adrenocorticotropem Hormon (ACTH), das seinerseits in den Nebennierenrinden die Produktion von Cortisol, dem wichtigsten Stresshormon veranlasst. Cortisol wiederum kann, im Übermaß produziert, zu einer Unterdrückung des Immunsystems führen. Aufgrund dieser Mechanismen ist der Einfluss von Gedanken, Gefühlen und Vorstellungen auf Reaktionen des Immunsystems sowohl im Sinne von Dämpfung als auch im Sinne von Aktivierung zur Förderung der Selbstheilungskräfte nachvollziehbar. Zunutze macht man sich die Erkenntnisse der P. schon seit einer Reihe von Jahren vor allem in der Krebstherapie, in der, ergänzend zu den klassischen Therapieverfahren (Chirurgie, Strahlentherapie, Chemotherapie) Patienten dazu angeleitet werden, über geeignete Visualisierungen das Immunsystem und damit den Krankheitsverlauf günstig zu beeinflussen. (Angst, spezifische Immunantwort, Stress)

Literatur: Miketta, G.: Netzwerk Mensch. Den Verbindungen von Körper und Seele auf der Spur, Reinbek 1994. – Schedlowski, M., Tewes, U. (Hg.): Psychoneuroimmunologie. Heidelberg 1996. – Schedlowski, M.: Streß, Hormone und zelluläre Immunfunktionen. Ein Beitrag zur Psychoneuroimmunologie. Heidelberg 1994.

Weitere Informationen bei: National Institutes of Health in Bethesda (Maryland): http://ohrm.od.nih.gov/ose/snapshots/

Lesermeinung

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

  • Die Autoren

Redaktion:
Dipl.-Biol. Elke Brechner (Projektleitung)
Dr. Barbara Dinkelaker
Dr. Daniel Dreesmann

Wissenschaftliche Fachberater:
Professor Dr. Helmut König, Institut für Mikrobiologie und Weinforschung, Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Professor Dr. Siegbert Melzer, Institut für Pflanzenwissenschaften, ETH Zürich
Professor Dr. Walter Sudhaus, Institut für Zoologie, Freie Universität Berlin
Professor Dr. Wilfried Wichard, Institut für Biologie und ihre Didaktik, Universität zu Köln

Essayautoren:
Thomas Birus, Kulmbach (Der globale Mensch und seine Ernährung)
Dr. Daniel Dreesmann, Köln (Grün ist die Hoffnung - durch oder für Gentechpflanzen?)
Inke Drossé, Neubiberg (Tierquälerei in der Landwirtschaft)
Professor Manfred Dzieyk, Karlsruhe (Reproduktionsmedizin - Glück bringende Fortschritte oder unzulässige Eingriffe?)
Professor Dr. Gerhard Eisenbeis, Mainz (Lichtverschmutzung und ihre fatalen Folgen für Tiere)
Dr. Oliver Larbolette, Freiburg (Allergien auf dem Vormarsch)
Dr. Theres Lüthi, Zürich (Die Forschung an embryonalen Stammzellen)
Professor Dr. Wilfried Wichard, Köln (Bernsteinforschung)

Partnervideos