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Kompaktlexikon der Biologie: Schleim

Schleim, Mucus, Sammelbegriff für eine Reihe durch ihren hohen Gehalt an Polysacchariden stark wasseraufnahme- und quellungsfähiger, zähflüssig glitschiger oder klebriger Substanzen, die in unterschiedlicher chemischer Zusammensetzung sowohl von Bakterien wie von Pflanzen, Pilzen, Tieren und Mensch produziert werden und ein weites Spektrum an Funktionen erfüllen. Bakterielle und pflanzliche Schleime bestehen überwiegend aus Alginen (Agar), Glykoproteinen, Pektinen, Hemicellulosen, bei Bakterien auch aus Teichonsäuren. Sie werden z.T. unmittelbar als Zellsekrete abgesondert oder entstehen durch allmähliches Verquellen von Zellwänden und dienen einerseits als mechanischer Schutz und Austrocknungsschutz, auch als osmotischer Puffer (Braunalgen), als Gleitschicht wachsender Wurzelspitzen, bei manchen Samen als Haft- und Klebschleim (Verbreitung), angereichert mit bakterio- und fungistatischen Sekreten und proteolytischen Enzymen auch als Infektionsschutz bei Verletzungen höherer Pflanzen und als Fangschleim bei carnivoren Pflanzen. Entsprechend weit ist auch das Funktionsspektrum tierischer Schleime, meist saurer Mucopolysaccharide, z.T. im Komplex mit Proteinen. Sie finden in der Tierwelt Verwendung als Gleitschleim und Schmiermittel (z.B. bei Plattwürmern und Schnecken oder die „Gelenkschmiere“ bei Wirbeltieren), halten die Oberflächen der Schleimhäute schlüpfrig und feucht, wirken als chemische Puffersubstanzen (Dünndarmschleim, Spermaschleim), dienen als Vehikelsubstanzen und Fangschleim (Verkleben und Entfernen von Fremdpartikeln aus dem Atemtrakt, Fang und Transport von Nahrungspartikeln bei vielen Wirbellosen) und können wasserlebenden Tieren Schutz vor Austrocknung bieten (Amphibien). Die zelluläre Synthese der Schleimsubstanzen erfolgt in allen eukaryotischen Zellen im Golgi-Apparat.

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  • Die Autoren

Redaktion:
Dipl.-Biol. Elke Brechner (Projektleitung)
Dr. Barbara Dinkelaker
Dr. Daniel Dreesmann

Wissenschaftliche Fachberater:
Professor Dr. Helmut König, Institut für Mikrobiologie und Weinforschung, Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Professor Dr. Siegbert Melzer, Institut für Pflanzenwissenschaften, ETH Zürich
Professor Dr. Walter Sudhaus, Institut für Zoologie, Freie Universität Berlin
Professor Dr. Wilfried Wichard, Institut für Biologie und ihre Didaktik, Universität zu Köln

Essayautoren:
Thomas Birus, Kulmbach (Der globale Mensch und seine Ernährung)
Dr. Daniel Dreesmann, Köln (Grün ist die Hoffnung - durch oder für Gentechpflanzen?)
Inke Drossé, Neubiberg (Tierquälerei in der Landwirtschaft)
Professor Manfred Dzieyk, Karlsruhe (Reproduktionsmedizin - Glück bringende Fortschritte oder unzulässige Eingriffe?)
Professor Dr. Gerhard Eisenbeis, Mainz (Lichtverschmutzung und ihre fatalen Folgen für Tiere)
Dr. Oliver Larbolette, Freiburg (Allergien auf dem Vormarsch)
Dr. Theres Lüthi, Zürich (Die Forschung an embryonalen Stammzellen)
Professor Dr. Wilfried Wichard, Köln (Bernsteinforschung)

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