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Kompaktlexikon der Biologie: Sehnen

Sehnen, Tendines (Einzahl Tendo), nur bei Insekten, Wirbeltieren und dem Menschen ausgebildete spezielle Gewebe zur Übertragung des Muskelzugs auf Anteile des Skeletts bzw. zur zugfesten Verbindung von Skelettteilen miteinander oder als flächige Verbindungen (Aponeurosen) zwischen den Abschnitten segmentierter Muskeln. Die S. der Insekten bestehen entweder aus spezialisierten, durch Tonofibrillen und cuticuläre Überzüge gegenüber Zugbelastungen stabilisierten einzelnen Epidermiszellen oder mehrzelligen epidermalen Einstülpungen (epidermale und cuticuläre S.) oder aus zapfenartigen Verdickungen der subepidermalen Basallamina (hypodermale oder subepidermale S.). Bei Wirbeltieren und Mensch sind die S. dicht gebündelte Stränge straffen Bindegewebes. Sie setzen sich aus Bündeln kollagener Fasern zusammen, die, in einem Schachtelsystem umkleidet von Gefäß führenden Hüllen lockeren Bindegewebes, zu größeren Einheiten unterschiedlicher Dicke zusammengefasst und schließlich von einer äußeren gemeinsamen Bindegewebshülle umgeben werden (Enkapsisbauweise). Muskelseitig strahlen die Kollagenfasern (Kollagen) in die Faszien und das muskuläre Bindegewebe ein, während sie sich skelettseitig mit den Fasern der Knochenhaut und der äußeren Knochenlamellen (Knochen) vereinen. Die S.-Zellen liegen in Reihen in den engen Zwischenräumen zwischen den kollagenen Primärbündeln und schmiegen sich eng an diese an. Ihres Querschnitts in Form sphärischer Dreiecke wegen werden sie als Flügelzellen bezeichnet. Derartige Zugsehnen sind absolut unelastisch, zeichnen sich aber durch hohe Reiß- und Dehnungsfestigkeit aus. Ein abgewandelter S.-Typ ist die zugleich druckbeanspruchte Gleitsehne, welche die Zugrichtung über einen Knochenvorsprung hinweg umleitet. Die hier erforderliche Druckelastizität wird durch Einlagerung von Knorpel zwischen die Faserbündel erreicht. Der elastischen Verbindung von Skelettteilen (z.B. Nackenband, Ligamentum nuchae) ( vgl. Abb. ) dienen elastische S., in deren dichtem Fasernetz Elastin an die Stelle des Kollagens tritt. Aufgrund der Vernetzung der elastischen Fasermassen zeigen sie keine Enkapsisbauweise. Elastische S. sind extrem dehnungsfähig bei geringer Zug- und Reißfestigkeit.



Sehnen: a Querschnitt durch eine kollagene Sehne (Felderung = Enkapsisbauweise), b Querschnitt durch eine elastische Sehne (Ligamentum nuchae), die aus vernetzten Fasern besteht (keine Enkapsisbauweise)

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Professor Dr. Wilfried Wichard, Institut für Biologie und ihre Didaktik, Universität zu Köln

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Thomas Birus, Kulmbach (Der globale Mensch und seine Ernährung)
Dr. Daniel Dreesmann, Köln (Grün ist die Hoffnung - durch oder für Gentechpflanzen?)
Inke Drossé, Neubiberg (Tierquälerei in der Landwirtschaft)
Professor Manfred Dzieyk, Karlsruhe (Reproduktionsmedizin - Glück bringende Fortschritte oder unzulässige Eingriffe?)
Professor Dr. Gerhard Eisenbeis, Mainz (Lichtverschmutzung und ihre fatalen Folgen für Tiere)
Dr. Oliver Larbolette, Freiburg (Allergien auf dem Vormarsch)
Dr. Theres Lüthi, Zürich (Die Forschung an embryonalen Stammzellen)
Professor Dr. Wilfried Wichard, Köln (Bernsteinforschung)

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