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Kompaktlexikon der Biologie: Selektion

Selektion, 1) Evolutionsbiologie: (natürliche) Auslese, natürliche Zuchtwahl, ein von der Merkmalsausprägung (Phänotyp) der Individuen einer Art abhängiger Vorgang, der dazu führt, dass Individuen mit verschiedenen Phänotypen einen unterschiedlichen Fortpflanzungserfolg haben (Individualselektion). Über Generationen hinweg führt der Prozess der S. zur Veränderung von Anpassungen der Organismen und damit zu ihrer Evolution. Mit diesem Prinzip der Selektion hat C.R. Darwin (1859) eine rationale Erklärung für die Entstehung der zweckmäßigen Organisation (Bauplan) der Organismen gefunden. Evolution durch S. ist ein Prozess, der in zwei Schritten erfolgt. Durch Mutation, Rekombination und andere zufällige Vorgänge wird eine unvorstellbar große genetische Variation erzeugt. Die Entstehung dieser Variation steht in keinem kausalen Zusammenhang zu den Erfordernissen, die dem Organismus von seiner Umwelt abverlangt werden. Durch unterschiedlichen Fortpflanzungserfolg der verschiedenen Varianten kommt es in einem zweiten Schritt zu einer den Erfordernissen der Umwelt entsprechenden gerichteten Veränderung in der nächsten Generation.

Phänomene, wie die Evolution von so genanntem Altruismus waren zunächst nicht auf der Basis der Individualselektion mit eigenen Nachkommen kausal erklärbar. Durch einen altruistischen Akt gewinnt der Empfänger Fitness, während der Spender scheinbar einen Fitnessverlust erleidet. Erst durch das Konzept der inclusive fitness (Gesamteignung) und der Kin selektion (Sippen-Selektion, oder Verwandtenselektion) von W. Hamilton (1964), das den direkten Beitrag eines Individuums zur nächsten Generation über den Fortpflanzungserfolg nächster Verwandter berücksichtigte, wurde die phylogenetische Entstehung von Sozialverhalten verständlich. Da sich die S. durch die unterschiedlich erfolgreiche Auseinandersetzung der Individuen einer Art mit der Umwelt auswirkt, haben sich unter Umweltbedingungen, die durch unterschiedliche Konstanz und Vorhersagbarkeit gekennzeichnet sind, verschiedene Überlebensstrategien entwickelt, die als K- Strategie und r-Strategie bezeichnet werden. (Darwinismus, Fitness, Evolutionstheorien, Soziobiologie)

2) Genetik: Die Anzucht von Bakterien, Zellen in Zellkultur oder Pflanzen in Gewebekultur in Anwesenheit eines Selektionsmarkers (z.B. Antibiotikum), sodass nur diejenigen überleben, die eine Resistenz aufweisen.

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  • Die Autoren

Redaktion:
Dipl.-Biol. Elke Brechner (Projektleitung)
Dr. Barbara Dinkelaker
Dr. Daniel Dreesmann

Wissenschaftliche Fachberater:
Professor Dr. Helmut König, Institut für Mikrobiologie und Weinforschung, Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Professor Dr. Siegbert Melzer, Institut für Pflanzenwissenschaften, ETH Zürich
Professor Dr. Walter Sudhaus, Institut für Zoologie, Freie Universität Berlin
Professor Dr. Wilfried Wichard, Institut für Biologie und ihre Didaktik, Universität zu Köln

Essayautoren:
Thomas Birus, Kulmbach (Der globale Mensch und seine Ernährung)
Dr. Daniel Dreesmann, Köln (Grün ist die Hoffnung - durch oder für Gentechpflanzen?)
Inke Drossé, Neubiberg (Tierquälerei in der Landwirtschaft)
Professor Manfred Dzieyk, Karlsruhe (Reproduktionsmedizin - Glück bringende Fortschritte oder unzulässige Eingriffe?)
Professor Dr. Gerhard Eisenbeis, Mainz (Lichtverschmutzung und ihre fatalen Folgen für Tiere)
Dr. Oliver Larbolette, Freiburg (Allergien auf dem Vormarsch)
Dr. Theres Lüthi, Zürich (Die Forschung an embryonalen Stammzellen)
Professor Dr. Wilfried Wichard, Köln (Bernsteinforschung)

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