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Kompaktlexikon der Biologie: Serpentes

Serpentes, Schlangen, Ophidia, Unterord. der Eigentlichen Schuppenkriechtiere (Squamata) mit zwölf Familien und ca. 2800 (in Europa nur knapp 30) Arten, die weltweit, vorwiegend jedoch in den Subtropen und Tropen verbreitet sind. Der Körper ist langgestreckt und ohne Gliedmaßen, nur ursprüngliche Formen (Python, Boa) tragen noch Stummel der Hinterbeine neben der Kloake und besitzen Reste des Beckengürtels. Die kleinste Schlange ist die Schlankblind-Schlange (Leptotyphlops bilineata) mit 11 cm, die größten Schlangen, Arten der Riesenschlangen oder Boidae, werden über 10 m lang. Die Haut trägt Schuppen, die bei den meisten Arten am Bauch nur eine Längsreihe stark verbreiterter, quer stehender Schilder (Schienen) bilden. Die verhornte Oberschicht der Haut wird mehrmals im Jahr gehäutet (hormonal gesteuerter Vorgang), wobei die Haut, auch die der durchsichtigen Augenlider, am Kopf beginnend, in einem Stück („Natternhemd“) abgestreift wird. Alle Schädelknochen sind beweglich miteinander verbunden; das sehr dehnbare Maul ermöglicht das Verschlingen größerer Beutetiere. Die Augenlider sind unbeweglich, das untere ist als durchsichtiges „Fenster“ über das Auge gezogen. Außenohr, Trommelfell und Paukenhöhle fehlen, Schlangen sind also taub. Hingegen sind Gesichtssinn (vor allem das Bewegungssehen) und Tastsinn (Sinnesgruben in den Schuppen und Schildern sowie an der langen zweizipfeligen, gespaltenen Zunge) gut entwickelt; letztere liegt in einer Scheide des Mundbodens und kann ohne Öffnen des Kiefers durch eine so genannte Rostralbrücke nach außen gestreckt werden. Die Zunge steht, in Verbindung mit dem Jacobson-Organ am Mundhöhlendach, auch im Dienst der Geruchswahrnehmung. Das Gebiss ist akrodont; es besteht aus spitzen, nach hinten gekrümmten Zähnen, bei Giftschlangen mit aufrichtbaren Giftzähnen. Die Zahl der Wirbel liegt bei 200 bis 400 (maximal 565 bei der fossilen Riesen-Schlange Archaeophis proavus). Schlangen bewegen sich durch Schlängeln (Fortbewegung) fort.

Zur Paarungszeit scheidet das Weibchen Duftstoffe aus, auf die das Männchen aktiv reagiert. Bei der Paarung, die bis zu mehrere Stunden dauert, umwinden sich die Partner und das Männchen führt eines seiner beiden Glieder in den weiblichen Kloakenspalt ein. Die Mehrzahl der Schlangen legt nach ca. vier Monaten sechs bis 40 harthäutige Eier in feuchtwarmen Verstecken ab und kümmert sich nicht mehr darum (einige wenige Arten treiben Brutpflege); die meisten Grubenottern sind lebendgebärend.

Schlangen sind fast ausschließlich Fleischverzehrer, wobei die Beute als Ganzes hinuntergeschlungen werden muss. Zwei Drittel der Schlangen erdrosseln ihre Beutetiere durch Umschlingen, ein Drittel töten sie mittels ihres Giftes. Schlangen sind oft ziemlich standorttreu. Ihre Körpertemperatur ist weitgehend von den Temperaturbedingungen der Umwelt abhängig. Bei kalten Temperaturen tritt eine hormonell gesteuerte Kältestarre ein; in dieser Zeit zehren die Schlangen dann vom Fettvorrat, der aber durch die starke Herabsetzung der Körpertemperatur und damit des Stoffwechsels nur wenig angegriffen wird.

Die ältesten fossilen Schlangenfunde (Argentinien) stammen aus der Zeit vor etwa 140 Mio. Jahren (oberer Jura). Von den rezent lebenden etwa 2800 Schlangenarten gehören nach herkömmlicher Systematik mindestens 2000 Arten zur größten Fam., den Nattern (Colubridae), sie ist jedoch wohl keine monophyletische Gruppe. Zu den S. gehören außerdem die Riesenschlangen (Boidae), die Giftnattern (Elapidae) und die Grubenottern (Viperidae). Reptilia

Literatur: Greene, H.W., Fogden, P., Fogden, M.: Schlangen – Faszination einer unbekannten Welt, Basel 1993.

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Thomas Birus, Kulmbach (Der globale Mensch und seine Ernährung)
Dr. Daniel Dreesmann, Köln (Grün ist die Hoffnung - durch oder für Gentechpflanzen?)
Inke Drossé, Neubiberg (Tierquälerei in der Landwirtschaft)
Professor Manfred Dzieyk, Karlsruhe (Reproduktionsmedizin - Glück bringende Fortschritte oder unzulässige Eingriffe?)
Professor Dr. Gerhard Eisenbeis, Mainz (Lichtverschmutzung und ihre fatalen Folgen für Tiere)
Dr. Oliver Larbolette, Freiburg (Allergien auf dem Vormarsch)
Dr. Theres Lüthi, Zürich (Die Forschung an embryonalen Stammzellen)
Professor Dr. Wilfried Wichard, Köln (Bernsteinforschung)

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