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Kompaktlexikon der Biologie: Tertiär

Tertiär, Braunkohlezeit, ältere Periode der Erdneuzeit (Känozoikum) von ca. 63 Mio. Jahren Dauer. Im stratigraphischen System gliedert sich die T.-Periode in Paleozän, Eozän, Oligozän, Miozän und Pliozän. Die Zweiteilung des Tertiärs in Paläogen (Alt-Tertiär) und Neogen (Jung-Tertiär) resultiert aus der geländemäßigen Signifikanz der hellen mio-pliozänen Kalke gegenüber den andersfarbigen älteren Ablagerungen im Bereich der Tethys. Wichtig für die stratigraphische Einteilung sind Mikrofossilien (z.B. Foraminiferen, Pollen, Sporen) sowie Weichtiere (Mollusca) und Wirbeltiere (Vertebrata).

Im Laufe des Tertiärs zog sich das Meer schrittweise auf seine heutigen Grenzen zurück, auch die Pole und Kontinente näherten sich ihrer heutigen Lage. Mit Ausnahme der Tethys-Region (Kontinentalverschiebung) finden sich tertiäre Meeresablagerungen vorwiegend in der Nähe heutiger Meeresküsten; Landablagerungen sind beträchtlich weiträumiger überliefert als aus älteren erdgeschichtlichen Systemen. Teile von Norddeutschland und Dänemark waren unter Wasser. Dort kann das Tertiär Schichtmächtigkeiten bis zu 3,5 km erreichen. Auf dem südlich anschließenden Mitteleuropäischen Festland entstanden weite Verebnungsflächen mit rötlichen (Laterit) oder weißlichen (Kaolin) Verwitterungsdecken. Karstspalten füllten sich neben Bohnerzen und Roterden mit Säugetierresten, die, weil oftmals verkieselt, meist vorzüglich erhalten sind.

Die mesozoische Wärmezeit der Erde erreichte im Eozän einen neuen Höhepunkt. Von hier ab bis ins Miozän fanden üppige Braunkohlenwälder (Braunkohle) hervorragende Standortbedingungen, aus denen bis zu 20 m dicke Kohleflöze (vor allem Braunkohle) entstanden. Bis zum Pleistozän folgte jedoch beständige Abkühlung. Nahe dem Tiefseeboden sanken die Temperaturen von 10 °C im Oligozän auf 7 °C im Miozän und 1,5 °C in der Gegenwart. Die Wärme liebenden Korallenriffe, im Eozän noch in Südengland und im Miozän im Wiener Becken heimisch, zogen sich auf die Äquatorialregion zurück. Der Ersatz tropischer Wälder durch gemäßigte Grassteppen hatte auch intensivere Veränderungen in der Tierwelt zur Folge (z.B. Umstellung von Laub- auf Grasnahrung). Das Herannahen phasenhafter Abkühlungen, wie sie für das Pleistozän charakteristisch sind, kündigte sich bereits im Spätmiozän an.

Die Tier- und Pflanzenwelt zeigte gegenüber der vorhergehenden Kreide starke Veränderungen infolge des letzten, vermutlich durch eine Katastrophe ausgelösten Faunenschnitts, nach dem vor allem Belemniten, Ammoniten und Saurier verschwanden (Dinosaurier). Wichtige Leitfossilien sind Groß-Foraminiferen, wie Nummuliten oder Alveolinen. Korallenriffe und Moostierchen (Tardigrada) waren sehr formenreich, Krabben eroberten alle Meeresbereiche. Knochenfische zeigten alle wichtigen rezenten Gruppen, Knorpelfische sind durch Haifischzähne belegt. Den größten Aufschwung zeigten die Säugetiere, die sich nach dem Aussterben der Saurier reich entfalteten. Im Eozän sind die ersten Halbaffen, im Miozän die ersten Menschenaffen und gegen Ende des T. die ersten Australopithecinen (Australopithecus) nachgewiesen.

Unter den Pflanzen waren die Nacktsamer Wald bildend. Vor allem aus dem Harz der Bernsteinkiefer entstand der Bernstein der Ostseeküste. Die Bedecktsamer entfalteten sich, unter Umständen gefördert durch die starke Entwicklung der Insekten und Vögel, die als Bestäuber sowie durch Verfrachtung von Samen für ihre Verbreitung sorgten. Weiden-, Birken-, Buchengewächse, Nussbäume, Ulmen und Ahorn verbreiteten sich zunehmend. Wärme liebende Pflanzen Mitteleuropas zogen sich aufgrund der Abkühlung in wärmere Breiten zurück.

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  • Die Autoren

Redaktion:
Dipl.-Biol. Elke Brechner (Projektleitung)
Dr. Barbara Dinkelaker
Dr. Daniel Dreesmann

Wissenschaftliche Fachberater:
Professor Dr. Helmut König, Institut für Mikrobiologie und Weinforschung, Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Professor Dr. Siegbert Melzer, Institut für Pflanzenwissenschaften, ETH Zürich
Professor Dr. Walter Sudhaus, Institut für Zoologie, Freie Universität Berlin
Professor Dr. Wilfried Wichard, Institut für Biologie und ihre Didaktik, Universität zu Köln

Essayautoren:
Thomas Birus, Kulmbach (Der globale Mensch und seine Ernährung)
Dr. Daniel Dreesmann, Köln (Grün ist die Hoffnung - durch oder für Gentechpflanzen?)
Inke Drossé, Neubiberg (Tierquälerei in der Landwirtschaft)
Professor Manfred Dzieyk, Karlsruhe (Reproduktionsmedizin - Glück bringende Fortschritte oder unzulässige Eingriffe?)
Professor Dr. Gerhard Eisenbeis, Mainz (Lichtverschmutzung und ihre fatalen Folgen für Tiere)
Dr. Oliver Larbolette, Freiburg (Allergien auf dem Vormarsch)
Dr. Theres Lüthi, Zürich (Die Forschung an embryonalen Stammzellen)
Professor Dr. Wilfried Wichard, Köln (Bernsteinforschung)

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