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Kompaktlexikon der Biologie: Urodela

Urodela, Schwanzlurche, Caudata, Ord. der Amphibia, bei deren Vertretern, im Gegensatz zu den Froschlurchen (Anura) und Blindwühlen (Gymnophiona), zeitlebens ein Schwanz erhalten bleibt. Der Körper ist langgestreckt, der Kopf flach, die Extremitäten sind vorne und hinten ähnlich, wie bei allen armtragenden Amphibien allerdings nur mit vier Fingern. Bei einigen Arten ist die Körperform aalähnlich. Das Skelett ist teilweise knorpelig, die Wirbel sind meist amphicoel. Die Augen sind meist klein, Mittelohr und Trommelfell sind nicht vorhanden. Der Gehörsinn ist von untergeordneter Bedeutung; Lauterzeugung ist bei einigen Arten möglich, steht aber nicht im Dienst der innerartlichen Kommunikation, sondern der Feindabwehr (Schrecklaute). Wichtig sind der chemische Sinn und, bei wasserlebenden Tieren (z.B. bei den Molchen während der aquatischen Phase), das Seitenliniensystem. Im Unterschied zu den meisten Froschlurchen haben die Schwanzlurche mit Ausnahme der Riesensalamander (Cryptobranchidae) und Winkelzahnmolche (Hynobiidae) eine innere Besamung: Nach einem oft komplizierten Paarungsvorspiel setzt das Männchen eine Spermatophore ab, der das Weibchen das Sperma entnimmt. Die Eier werden Tage bis Monate später und meist im Wasser abgelegt. Ihnen entschlüpft eine langgestreckte Larve mit Kiemenspalten, drei Paar äußeren Kiemen, einem paarigen Haftorgan am Kopf und, im Gegensatz zu den Larven der Froschlurche, echten Zähnen. Sie ernähren sich räuberisch. Anders als bei den Frosch-Kaulquappen entwickeln sich bei den Larven der U. zuerst die Vorderbeine. Viele Arten, besonders unter den lungenlosen Salamandern (Plethodontidae), legen terrestrische Eier mit direkter Entwicklung, manche Arten, wie Feuersalamander und Alpensalamander, sind lebendgebärend. Einige Arten behalten zeitlebens larvale Merkmale (Neotenie). Beim Axolotl (Ambystomatidae) und neotenen Bergmolch-Populationen lässt sich die Metamorphose durch Thyroxin auslösen, bei Olmen (Proteidae), Armmolchen (Sirenidae) und anderen dagegen nicht. Die Schwanzlurche sind holarktisch verbreitet. Die meisten Arten sind an niedrige Temperaturen angepasst, einige vertragen sogar Einfrieren. Auch die z.B. in Südeuropa und Südasien vorkommenden Arten sind empfindlich gegen hohe Temperaturen; sie sind entweder winteraktiv oder leben in Höhlen oder im Gebirge. Man unterscheidet sieben oder acht Familien, je nachdem, ob die Armmolche zu den Schwanzlurchen gerechnet oder als eigene Gruppe (Ord. Meantes; in vier Unterord. zusammengefasst) abgetrennt werden.

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  • Die Autoren

Redaktion:
Dipl.-Biol. Elke Brechner (Projektleitung)
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Dr. Daniel Dreesmann

Wissenschaftliche Fachberater:
Professor Dr. Helmut König, Institut für Mikrobiologie und Weinforschung, Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Professor Dr. Siegbert Melzer, Institut für Pflanzenwissenschaften, ETH Zürich
Professor Dr. Walter Sudhaus, Institut für Zoologie, Freie Universität Berlin
Professor Dr. Wilfried Wichard, Institut für Biologie und ihre Didaktik, Universität zu Köln

Essayautoren:
Thomas Birus, Kulmbach (Der globale Mensch und seine Ernährung)
Dr. Daniel Dreesmann, Köln (Grün ist die Hoffnung - durch oder für Gentechpflanzen?)
Inke Drossé, Neubiberg (Tierquälerei in der Landwirtschaft)
Professor Manfred Dzieyk, Karlsruhe (Reproduktionsmedizin - Glück bringende Fortschritte oder unzulässige Eingriffe?)
Professor Dr. Gerhard Eisenbeis, Mainz (Lichtverschmutzung und ihre fatalen Folgen für Tiere)
Dr. Oliver Larbolette, Freiburg (Allergien auf dem Vormarsch)
Dr. Theres Lüthi, Zürich (Die Forschung an embryonalen Stammzellen)
Professor Dr. Wilfried Wichard, Köln (Bernsteinforschung)

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